Regionalfussball

Zwei Tore für die Ewigkeit: Lenzburg-Trainer Emilio Munera hat im Aargauer Fussball Spuren hinterlassen

Emilio Munera schwimmt zurzeit mit dem FC Lenzburg auf der Erfolgswelle - doch der ambitionierte Trainer hat auch schon ganz andere Zeiten durchlebt.

Nach seinem guten Saisonstart ist der FC Lenzburg erstmals Leader. Dessen Trainer Emilio Munera prägt den Aargauer Fussball nicht zum ersten Mal. Munera eilt von Erfolg zu Erfolg und spricht nun über die emotionalsten Momente seiner Aktivkarriere.

«Wenn ich an den 29. Mai 1993 denke, kriege ich heute noch Hühnerhaut. Nachdem der FC Wettingen kurz zuvor Konkurs anmelden musste, reisten wir an diesem Tag zum letzten Spiel nach Châtel-Saint-Denis und nahmen Abschied von der Bühne des Profifussballs. Wir gewannen 5:3. Ich war mittendrin und schoss das zweitletzte und letzte Tor. Es waren die emotionalsten Momente in meiner Profikarriere.»

Das Zitat stammt von Emilio Munera. Der Flügelstürmer gastierte mit dem FC Wettingen zum Abschluss der NLB-Saison 92/93 in Châtel-Saint-Denis und schrieb Geschichte. Munera schoss beim 5:3-Sieg die Treffer zum zwischenzeitlichen 4:0 und 5:0.

«Ich war damals erst 21 Jahre alt, habe aber realisiert, dass mit dem finanziellen Kollaps von Wettingen ein grosses Kapitel Aargauer Fussballgeschichte zu Ende geht», blickt er zurück. «Es war eine Mischung aus Lust und Frust. Einerseits freute ich mich über meine zwei Tore, anderseits wusste ich, dass der Fall des FC Wettingen in die 5. Liga nicht aufzuhalten ist. Das war eine bewegende Zeit, die mich aufgewühlt und traurig gemacht hat.»

Mit Trainergrössen zusammengearbeitet

Nach dem Absturz mit Wettingen liess Munera seine Aktivkarriere beim FC Muri, YF Juventus, Wohlen und Altstetten ausklingen. Ab Mitte der 1990er-Jahre lancierte er seine Trainerlaufbahn und war beim FC Wohlen als Assistenzcoach tätig.

Er gewann dreimal den Aargauer Cup und arbeitete unter anderem mit Trainergrössen wie Martin Rueda, Raimondo Ponte, René van Eck, Livio Bordoli und Urs Schönenberger zusammen. Als Cheftrainer machte sich Munera in den vergangenen drei Jahren bei Kleinklubs wie Seengen und Niederwil und bei der AFV-Auswahl FE 13 einen Namen.

Geheimfavorit für den Aufstieg

Seit der Rückrunde der vergangenen Saison ist Munera Trainer des 2.-Liga-Spitzenklubs FC Lenzburg. Die Lenzburger gelten als Geheimfavorit für den Aufstieg in die 2. Liga interregional. Nach dem 2:1-Sieg gegen Kölliken und der gleichzeitigen 0:2-Niederlage von Mutschellen in Gränichen ist Lenzburg erstmals Leader.

Munera freut sich zwar über den Höhenflug, bleibt aber auf dem Boden der Realität: «Ausser einem guten Saisonstart haben wir noch nichts erreicht», sagt Munera. «Gegen Kölliken haben wir schlecht gespielt. Es war ein glücklicher Sieg, den wir unserem Torhüter Michel Schneider zu verdanken haben.»

In dieser Woche kommt es für Lenzburg und Munera zu zwei Highlights. Am Mittwoch findet die Auslosung für die Achtelfinals im Aargauer Cup statt. Und am Samstag, 18.15 Uhr, kommt es zum 2.-Liga-Spitzenkampf beim FC Mutschellen. Wer den Ehrgeiz von Munera kennt, der weiss, dass er sich immer grosse Ziele setzt.

«Ich konnte mein Potenzial nicht ausschöpfen»

Warum sollen es Ende Saison nicht der Aufstieg und der Cup-Sieg sein? Der Gewinn des Doubles wäre für ihn genauso emotional wie die zwei Tore am 29. Mai 1993 beim Abschied des FC Wettingen vom Profifussball. Kein Zweifel: Munera hat im Aargauer Fussball Spuren hinterlassen. Als Trainer, Assistent und «Mädchen für alles» machte er sich bei vielen Klubs einen Namen.

Einen Vorwurf muss sich der heute 48-jährige Disponent allerdings gefallen lassen. Während seiner aktiven Laufbahn hat der schweizerisch-spanische Doppelbürger zu wenig aus seinem Talent gemacht. «Ich konnte mein Potenzial nicht ausschöpfen, weil mir der letzte Biss fehlte», gibt er sich heute selbstkritisch. «Das war der Hauptgrund, dass ich den Durchbruch nicht geschafft habe.»

Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

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