Unihockey. Miika Nieminen
Zwei Finnen für NLB-Klub Mittelland: Im Doppelpack ins Auslandabenteuer

Zwei Cracks aus dem Norden liessen sich trotz des Abstiegs in die NLB nicht in ihrem Vorhaben beirren, zu Unihockey Mittelland zu wechseln. Doch wie kamen die beiden überhaupt auf die Idee, ihre Heimat, die Unihockey-Metropole Tampere, zu verlassen?

Tobias Schalk
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Jani Rajala spielt für Unihockey Mittelland.

Jani Rajala spielt für Unihockey Mittelland.

Bruno Kissling

Miika Nieminen (26) und Jani Rajala (24) heissen Unihockey Mittellands Neuerwerbungen aus Finnland. Mit der Empfehlung von knapp 90 respektive 120 Meisterschaftsspielen in der finnischen Salibandy-Liga kommen die beiden Akteure in die Schweiz.

Seit der Juniorenzeit in Tampere kennen sich die beiden, wo sie gemeinsam bei der städtischen Junioren-Auswahl spielten und später zu Nokian KrP zogen, einem Verein aus dem Vorort Nokia, wo sie bereits in jungen Jahren Spielpraxis auf höchstem Niveau sammeln konnten.

NLB kein Absagegrund

Anfang vergangenen April, mitten in der Phase, als sich Mittelland gegen den Abstieg aus der Nationalliga A zu stemmen versuchte, machte sich ein Quartett mit Unihockey-Utensilien im Gepäck auf den Weg für einen viertägigen Trip von der finnischen Grossstadt Tampere ins beschauliche Olten.

Ihr Ziel war es, einen Vertrag für die kommende Saison als Unihockey-Spieler in der NLA zu erhalten. Im Training hinterliessen sie einen guten Eindruck und auch die finnische Reisegruppe schien angetan vom Niveau in Sachen Unihockey.

Nieminen und Rajala, mit welchen schliesslich Engagements zustande kamen, liessen sich trotz des folgenden Abstiegs in die NLB nicht in ihrem Vorhaben beirren, zu Mittelland zu wechseln. «Die Entscheidung zugunsten von Unihockey Mittelland war für uns ohnehin schon gefallen», meinen die beiden unisono.

Sie hätten im Voraus nur gute Dinge über den Verein gehört. Heikki Lukkonen (ihr damaliger Trainer bei Nokian KrP, mit Vergangenheit bei Kloten und Wiler-Ersigen) habe sie ausserdem dahingehend beraten, dass der Unterschied zwischen den beiden Ligen nicht so enorm sei und sich auch ein Wechsel in die NLB lohnen könne.

Gemachtes Nest verlassen

Doch wie kamen die beiden Nordländer überhaupt auf die Idee, ihre Heimat, die Unihockey-Metropole Tampere (vier Vereine tummeln sich auf höchstem Niveau) zu verlassen und in die Schweiz zu Unihockey Mittelland zu wechseln?

«Wir wollen neue Erfahrungen abseits der Heimat sammeln. Das Abenteuer Ausland hat uns sehr gereizt», äussert sich Nieminen.

Wie so oft im Unihockey entstand die erste Kontaktaufnahme über persönliche Beziehungen: Via Lukas Meister aus Messen, welcher die letzte Saison ebenfalls bei Nokian verbracht hatte und nun wieder zu seinem Stammverein Wiler-Ersigen zurückgekehrt ist, wurden erste Kontakte geknüpft.

Nach dem Besuch in Olten war für die beiden schnell klar, dass sie ihr gemachtes Nest in Finnland hinter sich lassen und sich in das Auslandabenteuer stürzen wollen.

Nervosität schnell abgelegt

Pünktlich zum verlängerten Trainingsweekend der Fanionequipe Anfang August kamen Nieminen und Rajala nun definitiv in die Schweiz. Auf die ersten Eindrücke angesprochen meint Nieminen schmunzelnd: «Wir waren zu Beginn beide sehr nervös.» Wohl hätten sie in etwa gewusst, was sie erwarten würde, doch habe das Ungewisse überwiegt.

Die Anfangsnervosität ist überwunden und ihr zurückhaltendes, ja fast schon schüchternes Auftreten haben die Finnen abgelegt. Dass sich die beiden bereits gut eingelebt haben, belegt folgende Aussage: «Wir fühlen uns wirklich wohl hier. Vom Verein wurden wir gut aufgenommen, er hat unsere Ankunft hier sehr gut organisiert», verteilt Nieminen ein Lob.

Auch der erste Eindruck von Olten habe sich bestätigt. «Es ist eine kleine, aber nette Stadt, wo auch etwas läuft», meinen beide unisono und treten damit dem oft gehörten Vorwurf entgegen, wonach in der Dreitannenstadt nichts los sei.

«Nicht die geborenen Läufer»

Was die Gegebenheiten auf dem Unihockey-Feld angeht, können Nieminen und Rajala nur bestätigen, was gemeinhin über die Unihockey-Kulturen in der Schweiz und Finnland bekannt ist. Während im Norden Technik und Taktik gross geschrieben wird, ist es hierzulande die Physis, welche verhältnismässig stark im Vordergrund steht.

Was also am Stock nicht möglich ist, soll mit verstärktem läuferischen Einsatz wettgemacht werden. «Wir sind beide nicht die geborenen Läufer», lacht Rajala, was die Umstellung nicht ganz einfach gemacht habe. «Zu Beginn kam es mir etwas kopflos vor, wie hier Unihockey praktiziert wird. Einer spielt den Ball und alle laufen diesem hinterher», bringt Rajala seine Eindrücke auf den Punkt.

In der Zwischenzeit verstünden sie besser, was gefordert sei und könnten dies gezielter umsetzen. In Sachen Verständigung helfen die Mitspieler auf Englisch nach, wenn die deutschen Anweisungen der Trainer nur Fragezeichen auslösen. Zumindest einige Ausdrücke auf Deutsch haben sich die beiden für die Kommunikation auf dem Spielfeld schon angeeignet.

Geglückter Einstand

Am vergangenen Wochenende erlebten die beiden Finnen ihr Ernstkampf-Debüt in der Schweiz. Für Rajala lief es bereits wie geschmiert. In seinem ersten Einsatz traf er sogleich ins Schwarze und sammelte im weiteren Verlauf der Partie weitere drei Punkte. Auch Nieminen, der als Verteidiger auflief, konnte mit seinem Treffer zum «Stängeli» sein persönliches Torkonto eröffnen.

Für die Zukunft hoffen die beiden auf ähnlich viel Erfolg. Ihr Fernziel lautet, in die Nationalliga A aufzusteigen, bevorzugt mit Mittelland, wie Nieminen bestimmt hinzufügt.