Nach drei Spielen ist Stephan Keller als Interimstrainer des FC Aarau bereits wieder Geschichte. Muss der 38-Jährige wegen schlechter Resultate gehen? Ein knapper Heimsieg gegen den Zweitletzten Winterthur (2:1) und zwei Auswärtspleiten in Vaduz (1:5) und Schaffhausen (1:3) sind nun mal kein Ruhmesblatt.

Doch das frühe Ende der «Ära Keller» hat andere Gründe: Ginge es nach dem Wunsch von FCA-Sportchef Sandro Burki, bliebe Stephan Keller auf dem Papier bis zum Saisonende Trainer.

Womit wir schon beim Thema sind: Der FC Aarau braucht per sofort einen «Papierli-Trainer». Einen, der das Uefa-Pro-Lizenz-Diplom hat und somit die Anforderungen des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) erfüllt. Für Keller, der nur im Besitz des A-Diploms ist, gilt dies nicht.

Weshalb Ende vergangener Woche im Brügglifeld plötzlich Aufregung herrschte: Denn beim FCA ging man davon aus, für Keller eine Ausnahmebewilligung bis Ende Saison zu erhalten. Der SFV aber schob diesem Plan einen Riegel vor. Im Heimspiel am kommenden Mittwoch gegen Xamax (Anpfiff 20 Uhr) muss ein neuer Interimstrainer an der Seitenlinie stehen.

Ambitionen auf die Alleinherrschaft sollte der Mann aber nicht haben, er wird nicht mehr als ein Strohmann sein. Stephan Keller bleibt beim FCA-Profiteam und wird im Trainingsalltag und bei der Evaluation der Mannschaftsaufstellung ein gewichtiges Wort mitreden – mindestens!

Ciriaco Sforza verzichtet

Im Brügglifeld war es in den vergangenen Tagen auch Gegenstand von Überlegungen, das Ultimatum des SFV verstreichen zu lassen und das Dossier den Juristen zu übergeben. Grund: Das Trainerreglement sei gemäss mehrerer Experten schwammig formuliert und auf verschiedene Weise interpretierbar.

Darauf verzichtet der FCA nun aber, denn im schlimmsten Fall droht ein Punktabzug für die kommende Saison. Das Risiko, im Sommer mit Minuspunkten ins wichtigste Jahr der Klubgeschichte zu starten, will die Klubführung nicht eingehen.

Wer wird der Strohmann für die verbleibenden acht Spiele? Sven Christ wäre eine interne Lösung, die jedoch nicht funktioniert, weil Christ als technischer Leiter des Teams Aargau kein Doppelmandat innehaben darf. Der FCA muss also extern rekrutieren, man darf gespannt sein. Anfang Woche wird der Name des Strohmanns mitgeteilt.

Gemäss «az»-Recherchen werden die Verantwortlichen im gleichen Zug auch über die Ergebnisse der Suche nach dem Cheftrainer für die nächste Saison informieren. FCA-Präsident Alfred Schmid kündigte in der «Schweiz am Wochenende» an, dass die Entscheidung noch vor dem Xamax-Heimspiel falle. Nachdem Ciriaco Sforza vor wenigen Tagen freiwillig aus dem Rennen um den Cheftrainer-Posten ausgeschieden ist, deutet noch mehr als zuvor auf Patrick Rahmen hin.

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