Inlinehockey

Zurücklehnen und geniessen

Hurricanes-Akteure Patrick Karlen (l.), Tobias Koch und Daniel Maurer (r.) diskutieren über das weitere Vorgehen.

Hurricanes-Akteure Patrick Karlen (l.), Tobias Koch und Daniel Maurer (r.) diskutieren über das weitere Vorgehen.

Die Hurricanes steigen als Qualifikationssieger in die 1.-Liga-Playoffs – auch dank einem, der sich schneller als angenommen wieder im alten Glanz kleidet. Ein Rück- und Ausblick.

Die Qualifikation ist durch. Endlich möchte man sagen. Lange ist es nämlich her, als die Hurricanes die Inlinehockeysaison mit einer turbulenten Begegnung gegen die Seelanders erfolgreich eröffneten.

Viel ist seither passiert. Wer rein die Statistik konsultiert, stellt fest, dass die Lenzburger auf Platz eins thronen. 14 Siege in 18 Spielen. Was die nackten Zahlen hingegen nicht verraten: Die scheinbar makellose Qualifikationsphase endete für einen Aargauer im Charaktertest.

Zeitsprung. Am 17. August unterlag Tabellenführer Lenzburg den Seelanders aus Biel im Rückspiel mit 2:3 im Penaltyschiessen. Daniel Maurer, der mit seinem Rücktritt als Trainer zum unfreiwilligen Dauerthema dieser Qualifikation mutierte, zeigte in seiner ersten Partie als reiner Feldspieler eine mutlose Darbietung. Die Angelegenheit wurde zur allgegenwertigen Last. Keine brillanten Finten, keine gewohnt sichere Ballführung und auch keinen einzigen Skorerpunkt. Maurer – ein Schatten seiner selbst.

Die beeindruckende Reaktion

27 Tage nach dieser Performanz demütigten die „Wirbelstürme“ Paradiso im Spitzenspiel gleich mit 17:5. Maurers Bilanz seit dem Bieler Gastspiel: vier Spiele, drei Tore und zehn Assists. Ein Comeback der wirbligen Sorte. Dementsprechend fand der 30-Jährige bald darauf sein schelmisches Lächeln wieder. Eine bilderbuchmässige Wendung in der Causa Maurer, während den Hurricanes der Qualifikationssieg gleichermassen nicht mehr zu nehmen war.

Was es für den Coup braucht

Sportlich, aber vor allem zwischenmenschlich scheint die für den Erfolg nötige Chemie endgültig wieder gefunden zu sein. Kapitän Amstutz übt bekanntlich die Rolle des Trainers aus. Die Aufgaben sind somit neu verteilt - und akzeptiert. Pünktlich zum meist umkämpften Abschnitt der Saison: Denn die Playoffs stehen vor der Tür. In Lenzburg ist man sich bewusst, dass man über die Mittel für den Coup - sprich den Aufstieg - verfügt. Davon spricht aber niemand. Es sind die Tage, in denen die Floskel "Wir schauen von Spiel zu Spiel" so sicher zu hören ist, wie der Song "Thunderstruck" an einem AC/DC-Konzert.

Also denken wir über die ersten 60 Playoff-Minuten hinaus: Wollen die Aargauer nicht wie im Vorjahr ein Viertelfinal-Aus erklären müssen, sondern vielmehr als gefürchteter Hurrikan durch die Inlinehockey-Schweiz streifen, dann stehen vor allem folgende fünf Mannschaftsstützen kontinuierlich in der Pflicht.

Daniel Maurer, der Arrivierte

Vor allem er ist es, der nun unbeschwert die heisse Playoff-Phase in Angriff nehmen kann. Maurer ist in Form. Mit seiner Erfahrung von über 300 Inlinehockey-Spielen soll der 30-Jährige vor allem in den heiklen Momenten Ruhe in die Mannschaft bringen.

Gian Amstutz, der Diplomat

Der interimistische Spielertrainer und Kapitän muss seine spielerischen wie auch seine kommunikativen Fähigkeiten präsentieren. Reichen Worte nicht aus, muss der grossgewachsene Hockey-Diplomat körperliche Akzente setzen.

Kay Gfeller, der Torgarant

Er ist für die Tore zuständig. Agil, akkurat und spitzbübisch. So soll der 24-Jährige, der bereits die eindrückliche 50-Punkte-Marke anvisiert, weiterhin agieren. Bleiben seine regelmässigen Treffer aus, wird es schwierig. Es gilt, den Topskorer vor fremden Attacken zu schützen.

Tobias Koch, der Abräumer

Die Zuschauer erwarten die gewohnt souveränen Defensivauftritte des Assistenzkapitäns. Zudem soll der Verteidiger auch regelmässig mit seinem knallharten Schuss für Unruhe vor dem gegnerischen Gehäuse sorgen. Dass Koch Begegnungen entscheiden kann, hat er in dieser Spielzeit schon eindrücklich bewiesen.

Tom Grätzer, der Rückhalt

Viel wird vom 19-Jährigen erwartet. Bis auf wenige Ausnahmen waren Grätzers Auftritte stets stilsicher. Nun kommt es zum Nerventest, doch der Schlussmann weiss, dass er auf eine kompakte Vordermannschaft zählen kann. Für sogenannte "Big-Saves" muss er gleichwohl bereit sein.

Selbstverständlich ist jeder einzelne Hurricanes-Akteur von Belang. Ob die Hurricanes in den kommenden Tagen allerdings sportlichen Rock & Roll darbieten können oder sich vor Kritik in Acht nehmen müssen, darüber entscheidet letztlich nur der Auftritt des genialen - und doch auch anfälligen - Fünf-Säulen-Konstrukts.

Doch die Playoffs wären nicht die atemberaubendste Zeit der Saison, wenn sie nicht so unglaubliche Geschichten bereithalten würden. Deshalb lehnen wir uns einfach zurück - und geniessen es.

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