Seit dem 4:0-Sieg gegen Aarau wissen die Schaffhauser, dass ihr neues Stadion auch grossen Eruptionen standhält. Den ultimativen Test bestand es am Sonntag eine Viertelstunde nach dem Abpfiff des Spiels zwischen dem FC Schaffhausen und dem FC Aarau. Just zu diesem Zeitpunkt nämlich bekam Marco Schällibaum in der Kabine der Gäste einen Tobsuchtsanfall.

Dumm nur, dass die Türe offen stand und die in der Mixed-Zone wartenden Journalisten die Zusammenfaltung einer Fussballmannschaft live und in voller Lautstärke miterleben durften. «Null, zero, nix!» schallte es mehrfach durch die Katakomben. Wäre das Spiel wie in der Vorrunde noch auf der alten Breite ausgetragen worden, die alten Gemäuer wären vermutlich in sich zusammengefallen.

Was aber war geschehen, dass der Trainer des FC Aarau derart ausrastete nach einem Spiel zwischen dem Vierten und dem punktgleichen Fünften der Challenge League, in dem es für beide Mannschaften nur noch um wenig ging? Mehr als der vierte Rang ist für beide Teams nicht mehr zu holen, und der Abstieg ist spätestens nach dem Lizenzverzicht des FC Le Mont auch kein Thema mehr.

Interviews mit Igor Nganga und mit Cheftrainer Marco Schällibaum:

FC Schaffhausen - FC Aarau 4:0 (07.05.2017, Stimmen zum Spiel)

FC Schaffhausen - FC Aarau 4:0 (07.05.2017, Stimmen zum Spiel)

Gleichwohl war Schällibaums Zorn nachvollziehbar, denn mit seriösem Profifussball hatte nichts zu tun, was seine Mannschaft bei der sang- und klanglosen 0:4-Niederlage auf dem Schaffhauser Kunstrasen bot. «Wir haben uns abschlachten lassen», sagte Aufbauer Olivier Jäckle, der den verletzten Sandro Burki als Captain vertreten hatte.

Durch die Fahne irritiert

Da durfte auch die Art und Weise, wie das erste Gegentor entstanden war, nicht mehr als Erklärung beigezogen werden. Schiedsrichter Nikolaj Hänni, der kurzfristig für Sascha Amhof eingesprungen war, hatte ignoriert, dass sein Assistent an der Seitenlinie ein Offside von Yassin Mikari angezeigt hatte. Verschiedene Aarauer Spieler hatten jedoch die erhobene Fahne beobachtet und sich nicht mehr mit Konsequenz dem Angriff entgegengestellt. «Dies war zwar ein katastrophaler Entscheid des Schiedsrichters, dennoch dürfen wir danach nicht so auftreten. Wir müssen dies intern analysieren», sagte Jäckle.

Auf eine angenehme Sitzung dürfen sich die Aarauer gewiss nicht freuen. «Einige Herren haben das Aarauer Leibchen ohne Stolz getragen», sagte Schällibaum und kündigte Konsequenzen an. Er wolle jetzt in den Emotionen nichts Falsches sagen, liess der Cheftrainer mit noch immer dunkelroter Gesichtsfarbe verlauten.

Drei Tage, nachdem Aarau den Leader FC Zürich mit einer ansprechenden Leistung 3:1 besiegt und eine Serie von sechs Niederlagen in Folge gestoppt hatte, kommt die (zusammen mit dem 1:5 in Chiasso) höchste Saisonniederlage einem schweren Rückfall gleich. Dass mit dem gegen Zürich vorbildlich kämpfenden Burki ein wichtiger Spieler fehlte, darf keine Begründung für den leidenschaftslosen und uninspirierten Auftritt sein.

Denn bei den Schaffhausern fehlte ja auch der gesperrte Regisseur Gjelbrim Taipi und liess Trainer Murat Yakin den 13-fachen Torschützen Steven Lang fast eine Stunde auf der Bank schmoren. Aber die Aarauer zeigten zu wenig Einsatz; und dies ist in etwa das Schlimmste, was sich über eine Mannschaft sagen lässt.

Nach dem Penaltytor von Shkelqim Demhasaj (3., Lorenzo Bucchi hatte Mikari gefoult) hatte es bis in die zweite Halbzeit hinein gedauert, ehe Aarau einmal halbwegs gefährlich wurde. Schaffhausen war weit entschlossener und kam nach Toren von Faruk Gül (65.), Luca (Tranquilli (80.) und Demhasaj (90.) zu einem verdienten Sieg. In Aarau aber, daran besteht kein Zweifel, brennt der Baum lichterloh.

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker von Patrick Haller: