Challenge League
Zurück auf Feld Null: Der FC Aarau blamiert sich in Wil - Trainer Rahmen kündigt Konsequenzen an

Die Krise beim FC Aarau geht weiter. Auch nach dem vierten Spiel bleiben die Aarauer punktlos. Gegen Wil geriet das Team von Patrick Rahmen bereits früh in Rückstand. In der 16. Minute traf Havenaar per Kopf. Aarau wusste dem nichts entgegenzusetzen und kassierte in der 66. Minute auch noch das 2:0. Damit ist der FCA Tabellenletzter der Challenge League.

Sebastian Wendel
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Erneut gehen die Aarauer als Verlierer vom Platz.
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Ein frustrierter Giuseppe Leo nach der vierten Niederlage in Serie.
Wieder verloren, Gezim Pepsi kann es nicht glauben.
Silvano Schaeppi erzielte in der 66. Minute das 2:0 für Wil.
Frustrierte Aarauer, jubelnde Wiler.
Sinnbildlich für dieses Spiel: Petar Misic liegt am Boden.
FC Wil - FC Aarau (12.08.18)
So hatte sich der neue Aarau-Keeper Nikolic sein Debüt sicher nicht vorgestellt. Er musste zwei Mal hinter sich greifen.
Aaraus Varol Tasar gegen Wils Magnus Breitenmoser.
Aaraus Valor Tasar lässt Wils Ivan Audino hinter sich.
Aaraus Schindelholz im Kopfballduell mit Wils Ze Eduardo.
Aaraus Nico Schindelholz attackiert Wils Kenzo Schaellibaum.
Aaraus Michael Perrier attackiert den ballführenden Ivan Audino.
Aaraus Miguel Peralta im Kampf um den Ball mit Wils Ivan Audino.
Aaraus Raoul Giger versucht an Wils Silovano Schaeppi vorbei zu kommen.
Aaraus Gezim Pepsi im Luftduell gegen Magnus Breitenmoser.
Havenaar bringt Wil früh in der Partie in Führung.
Aaraus Varol Tasar (am Ball) enteilt seinem Gegenspieler.
Linus Obexer (Aarau) gegen Michael Goncalves (Wil).
Ivan Audino (Wil) wird von Raoul Giger (Aarau) attackiert.

Erneut gehen die Aarauer als Verlierer vom Platz.

FreshFocus/Marc Schumacher

Die zweite Halbzeit ist eine Bankrotterklärung: Nicht mal im Ansatz wird es gefährlich vor Wil-Goalie Zivko Kostadinovic. Da ist kein Aufbäumen in den Reihen der Aarauer, da ist kein Offensivplan, da ist kein Kampfgeist, da ist keine Körpersprache - da ist nichts. Auf der Gegenseite erzielt Silvano Schäppi, mit Abstand der kleinste Spieler auf dem Platz, in der 66. Minute per Kopf das 2:0. Gegenspieler Miguel Peralta, ein Kopf grösser als Schäppi, schaut nur zu. Es ist die Entscheidung der Partie mit dem verdienten Sieger FC Wil.

Die Aarauer hingegen müssen schleunigst über die Bücher. Statt nach den drei Start-Niederlagen einen Schritt in die richtige Richtung zu machen, fallen sie in Wil auf Feld 0 zurück. "Ja, definitiv. Und das ist das Schlimmste", bestätigt Trainer Patrick Rahmen die Feststellung, dass die Leistung in Wil ein Rückschritt und die bislang schlechteste in dieser Saison gewesen sei.

Klar ist: Ein solch blutleerer Auftritt wie in Wil reicht auch in einer Woche in Amriswil nicht: Der Klub aus der 2. Liga interregional ist Aaraus Erstrundengegner im Cup. Doch nur wenn die FCA-Profis endlich die Zeichen der Zeit erkennen, werden sie wenigstens gegen die Amriswiler Amateure als Sieger vom Platz gehen. Nach der vierten Pleite im vierten Ligaspiel ist nichts mehr ausgeschlossen...

Trainer Patrick Rahmen seinerseits muss und wird in den nächsten Tagen ebenfalls über die Bücher. Auf welche Spieler kann er in den nächsten Wochen bauen? Welche Spieler sind dem Druck gewachsen? Welche Spieler sind in der Badi besser aufgehoben? Muss zugunsten der Konzentration das Kader verkleinert werden?

Dumm nur: Gegen Wil betreibt mit Ausnahme von Goalie Djordje Nikolic und in Ansätzen Linksverteidiger Linus Obexer kein einziger Spieler Eigenwerbung. Die Startelf-Wechsel Peralta und Perrier für Almeida und Hammerich entpuppen sich als Schuss in den Ofen: Perrier bringt nichts Kreatives zustande und verliert zu viele Zweikämpfe. Peralta ist von A bis Z verunsichert und überfordert - anders gesagt: Er ist gar nicht auf dem Platz.

Die vermeintlichen Leader wie Gianluca Frontino, Marco Schneuwly, Elsad Zverotic und Nicolas Schindelholz agieren ideenlos und sind so mit sich selber beschäftigt, dass sie eher Belastung als Stütze für die jungen Spieler sind. Letztere, namentlich Raoul Giger, Varol Tasar, Gezim Pepsi und die später eingewechselten Mickael Almeida und Edmond Ramadani sind mit der prekären Situation heillos überfordert.

Nach den ersten drei Spielen konnte man jeweils noch schreiben: Der FC Aarau hat sich Chancen erarbeitet, hätte zwingend in Führung gehen müssen, ist mit wehenden Fahnen untergegangen und hat kämpferisch Moral gezeigt. In Wil ist von alldem nichts zu sehen: Eine einzige Torchance in der 25. Minute, vergeben von Tasar - mehr bringt die hochdekorierte Offensive nicht zustande.

Das einzig Überraschende von Seiten der Aarauer an diesem Abend ist die Zurückhaltung von Trainer Patrick Rahmen, was Spielerwechsel angeht: Nach der Pause dürfen die gleichen Elf wie zuvor weitermachen. Erst nach 62 Minuten kommt für den erneut enttäuschenden Captain Frontino Mickael Almeida. "Es ist immer auch eine Frage der Alternativen, die auf der Bank sitzen. Wir haben einige Spieler, die soeben erst aus langen Verletzungspausen zurückgekehrt sind und noch nicht Luft für 45 Minuten haben", sagt Rahmen.

Wie es in der Challenge League funktioniert, zeigen die Wiler: Sie praktizieren einen einfachen, ihren bescheidenen Möglichkeiten angepassten Fussball. Und sie sind effizient: Die dämlichen Fehler der Aarauer vor den beiden Gegentoren bestrafen sie eiskalt. Mehr Torchancen hat Wil nicht, braucht es gegen den biederen FC Aarau aber auch nicht. Biss in den Zweikämpfen und die angesprochene Effizienz - das reicht momentan gegen den FCA.

Nochmals Aarau-Trainer Rahmen: "So kann es nicht weitergehen. Es ist in der Kabine laut geworden und es wird in den nächsten Tagen laut werden. Es muss jetzt etwas passieren." Das wird schon beim Blick auf die Tabelle klar: Während Aarau weiter verliert, holt Chiasso am Freitagabend gegen Schaffhausen den ersten Sieg. Heisst: Aarau empfängt in zwei Wochen die Tessiner als Tabellenletzter zum Kellerkampf.

Die Stimmen zum Spiel

Lesen Sie hier die Partie im Liveticker nach: