Ringen

Zur Genugtuung ein Ringerwunder im Tollhaus

Die Freiämter Ringer haben sich gegen alle Widrigkeiten durchgesetzt. Begleitet vom tobenden Lärm der 1500 Zuschauer, gewann der Aussenseiter den ersten Nationalliga-A-Final gegen Willisau 18:17. Nach einem 6:11-Pausenrückstand brauchte es dazu einen unbändigen Willen und die nötige Portion Kampfglück.

Am Schluss tanzten die zehn Freiämter Ringer minutenlang vor der «gelb-blauen Wand» der Heimfans. Was war das für ein Ende! Yves Müllhaupt hatte Willisaus Altinternationalen Jonas Bossert 9:3 geschlagen. Damit kippte das Mannschaftsresultat auf 18:17 für die Aargauer, die so den ersten Nationalliga-A-Final ge­wannen und nun am nächsten Samstag auswärts Meister werden können. Der grosse ­Favorit aus Willisau wusste nicht, wie ihm geschah. Während Freiamt feierte, sassen die Gäste gesenkten Hauptes auf der Matte.

Nach starker erster Hälfte, in denen Willisau nahezu das Optimum herausgeholt hatte und 11:6 führte, schienen die zweiten fünf Mattenduelle zu einem Schaulaufen zu werden. Stattdessen lancierte Marc Weber die Freiämter Aufholjagd. Der Fighter kaufte dem WM-Bronze-Gewinner Stefan Reichmuth den Schneid ab. Das Aushängeschild der Luzerner fand sich im ungewohnten Greco-Stil nicht zurecht. Die Führung wechselte hin und her. Am Schluss zahlte sich Webers Hartnäckigkeit mit einem 6:4-Punktesieg aus.

Dieser Dämpfer setzte dem haushohen Favoriten zu. Das Momentum war bei Freiamt. Akustisch begleitet von der entfesselten «gelb-blauen Wand», kämpfte jeder Heimringer mit Feuer und Herz, beseelt vom Glauben, die Wende zu schaffen.

Müllhaupt wie in Trance zum gefeierten Matchwinner

Freiamts Olympionike Pascal Strebel siegte mit 10:0 so sicher, als wäre er nie verletzt gewesen. Das Willisauer Talent Tobias Portmann spürte den Druck. Er tat sich gegen Oldie Reto Gisler schwer und siegte «nur» 9:1 – für Freiamt ein gefühlter Sieg. Dann brachte Nico Küng die Freiämter mit einem 7:1-Punktesieg auf 15:16 heran.

«War ich nervös! Ich hätte beinahe erbrochen», beschrieb Müllhaupt die letzten Minuten vor seinem finalen Einsatz. «Als ich auf die Matte ging, ­realisierte ich den Stand nur halbwegs, ich wollte einfach gewinnen.» Gegen den favorisierten Bossert gelang ihm der perfekte Start. Nach einer halben Minute kämpfte er sich in die Oberlage. Weil sich darauf Bossert unerlaubt mit den Beinen verteidigte, führte Müllhaupt 4:0 und dank der Bestätigung via Challenge gar 5:0. «Jetzt diesen Vorsprung über die Zeit bringen», dachte der 20-jährige Weinfelder in Aargauer Diensten.

Finalsieg Ringerstaffel Freiamt

Finalsieg Ringerstaffel Freiamt

7. Dezember 2019: Die Ringerstaffel Freiamt gewinnt das erste Finalduell der Mannschaftsmeisterschaft gegen Willisau. Nach dem Sieg von Yves Müllhaupt gibt es kein Halten.

Das Kampfrichtertrio, das in der ersten Hälfte im Zweifel oft für Willisau entschieden hatte, war nun Freiamt wohl gesinnt, und Müllhaupt bewies taktisches Geschick. Zweimal drohte ein Passivitätsstrafpunkt und die Unterlage. Just dann griff der Hüfterspezialist wieder an. Die Spannung stieg ins Unermessliche, als Bossert ohne Aktion zwei Punkte gutgeschrieben erhielt. Doch das 5:3 genügte Freiamt immer noch zum Triumph. Bei Gleichstand hätten 6:4 Einzelsiege für das Heimteam entschieden. In der letzten halben Minute war Bossert so zum Angriff gezwungen. Er marschierte vorwärts, Müllhaupt konterte in extremis mit ­seinem Spezialgriff und warf Bossert mit letzter Kraft. Das ergab eine Viererwertung und setzte die gelbblaue Wand in Ekstase.

Gewichtige Ausfälle und eine Sperre

Vor Beginn des Duells hatte nichts für Freiamt gesprochen. Nach dem Ausfall von Randy Vock, der für ein unnötig hartes Kadertrainingslager mit einer Knieverletzung büsste, erkrankte im Laufe der Woche Halbfinalheld Andrej Malzwew. Die Verbandsführung unter starkem Willisauer Einfluss verhinderte zu allem Übel auch die Lizenzierung von Magomed Aischkanow (die AZ berichtete).


Freiamt gab die Antwort auf der Matte. Trainer Marcel Leutert und ­Präsident Nicola Küng nahmen das Wort «Genugtuung» nicht in den Mund. «Wir haben Berge versetzt. Das war eine Weltklasse-Einstellung des Teams», frohlockte Leutert. «Schwierig zu sagen, was da geschah», sinnierte Küng. «Alle machten in dieser Woche einen Superjob – vom Vorstand über die Helfer bis zu den Ringern.»


Ganz anders die Gefühlslage bei Willisau. «Der Final ist noch nicht entschieden. Jetzt folgt der Heimkampf für uns», hielt Willisaus Trainer Thomas Bucheli der Freiämter Euphorie entgegen. Bleibt abzuwarten, wie sich die Luzerner von diesem K.-o.-Schlag erholen.

Meistgesehen

Artboard 1