FC Aarau

Zum Glück hat er den Tipp des Captains ignoriert : FCA-Matchwinner Simon Enzler im Interview

FCA-Goalie Simon Enzler wird beglückwünscht von Liridon Balaj (links), der als einziger Aarauer im Penaltyschiessen patzte

FCA-Goalie Simon Enzler wird beglückwünscht von Liridon Balaj (links), der als einziger Aarauer im Penaltyschiessen patzte

Gleich im ersten Pflichtspiel für den FC Aarau pariert Simon Enzler zwei Penaltys und sichert seiner Mannschaft so das Weiterkommen im Cup gegen den FC Wil. Wie er den Traumeinstand und die Beförderung zum Stammgoalie erlebt hat, schildert der Goalie im AZ-Interview direkt nach Spielschluss.

Klar – ein Penaltyschiessen ist immer auch Lotterie. Doch von einem glücklichen Sieg des FC Aarau zu sprechen, wäre verfehlt: Das Heimteam war im Cup-Sechzehntelfinal gegen den FC Wil während der gesamten Spielzeit die dominante Mannschaft. In allen Belangen? Nicht ganz: Im Torabschluss sündigten die Aarauer mehrfach, weshalb das Penaltyschiessen die Entscheidung bringen musste.

Und in diesem schlug die grosse Stunde von Goalie Simon Enzler: Gleich den ersten, platzierten Versuch der Wiler von Fazliu parierte der 22-Jährige mirakulös. Danach hielt er auch den Schuss von Kronig. Was für ein Einstand für den Neuzugang aus Luzern im ersten Pflichtspiel für den FCA. Kurz nach dem Schlusspfiff gewährte Enzler der AZ Einblick in seine Gefühlswelt:

Debüt für den neuen Arbeitgeber und sogleich Penaltyheld und Matchwinner – besser geht’s nicht, oder?

Simon Enzler: Was soll ich sagen? Mir fehlen fast ein bisschen die Worte. Aber ja, es stimmt, für einen Goalie gibt es kaum einen besseren Spielverlauf: Zu Null gespielt und dann mit zwei gehaltenen Penaltys der Mannschaft helfen – fantastisch!

Haben Sie sich im Vorfeld auf ein allfälliges Penaltyschiessen vorbereitet, sprich die Wiler Schützen studiert?

Das war nicht möglich, weil Wil sehr viele neue Spieler hat, von denen es noch nicht viele Infos gibt. Wobei: Zvero (Captain Elsad Zverotic; d. Red.) hat mir vor dem ersten Penalty gesagt, dass Fazliu immer rechts schiesst. Ich bin dann intuitiv in die andere Ecke gesprungen – zum Glück!

Sind sie schon immer ein Penaltykiller gewesen und wir haben nur nichts davon gewusst?

Im Nachwuchs des FC Luzern habe ich einige Penaltys gehalten und mir dort diesbezüglich einen kleinen Ruf erschaffen, auch im Training mit den Profis ist es mir oft gelungen. Aber vergleichbar mit einem Ernstkampf wie heute Abend ist das natürlich nicht.

In der regulären Spielzeit und in der Verlängerung mussten sie nur selten eingreifen. Ist ihnen das lieber, als unter Dauerbeschuss zu stehen?

Dass Wil selten zum Abschluss kam, spricht für unsere gute Defensivleistung. Weniger Gegentore zu kassieren als in der vergangenen Saison wird sehr wichtig sein, um in der Tabelle weiter oben zu landen. Als Goalie kann man sich während eines Spiels auch mit guten Zuspielen und mit lautstarkem Dirigieren der Vorderleute holen. Am Ende ist es egal, wie viele Schüsse ich halten muss: Hauptsache, so wenige wie möglich gehen ins Tor. (lacht)

Vor dem letzten Testspiel gegen Köniz haben sie erfahren, dass sie sich im Duell um den Stammplatz im Tor gegen Nicholas Ammeter durchgesetzt haben. Wie gross war die Erleichterung?

Ich bin nach Aarau gekommen mit dem Ziel, Stammgoalie zu sein. Zu sagen, ich hätte keine Zweifel gehabt, wäre gelogen. Es schwingt immer eine Unsicherheit mit, wenn die Rollen nicht bereits beim Beginn der Vorbereitung verteilt sind. Ich denke, im Training hat man gesehen, wie gut Nicholas und mir der Konkurrenzkampf tut. Kompliment übrigens an Nicholas, wie er den Entscheid aufgenommen hat.

Wie denn?

Sehr professionell und kollegial! Wir haben seit Beginn ein gutes Verhältnis, haben uns im Training gegenseitig gepusht und Tipps ausgetauscht. Seitdem klar ist, dass ich spiele, hat sich das nicht verändert. Er hat mir vor dem Spiel und nochmals vor dem Penaltyschiessen viel Glück gewünscht, was ich sehr schätze und überhaupt nicht als selbstverständlich erachte. Nicholas ist ein starker Konkurrent, unser Duell macht uns Goalies und dadurch die ganze Mannschaft besser.

Enzler hat den Zweikampf mit dem letztjährigen Stammgoalie Ammeter (rechts) vorerst für sich entschieden

Enzler hat den Zweikampf mit dem letztjährigen Stammgoalie Ammeter (rechts) vorerst für sich entschieden

Stürmer, die beim Debüt ein Tor erzielen, müssen einen Apéro spendieren. Gilt das für Goalies, die Penaltys halten, auch?

Mal schauen, was die Jungs meinen. Ich rechne schon damit, dass da was auf mich zukommt. Aber nach so einem Einstand zahle ich den Apéro noch so gerne!

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