Was war das für eine Euphorie rund um die Frauen des FC Aarau, damals, im Juni 2017. Nach einer tollen Saison 2016/17 und dank des Rückzugs des FC Neunkirch stiegen sie am grünen Tisch in die NLA auf. Das Team von Trainer Andreas Zürcher in den Top 8 des Frauenfussballs? Auf den ersten Blick eine Supersache!

Auf den zweiten Blick war die sportliche Herausforderung in der höchsten Spielklasse wohl doch eine Nummer zu gross. Sieben Runden vor Schluss sind die FCA-Frauen längst auf den Boden der Realität zurückgekehrt. Sie sind Tabellenletzter. Die ernüchternde Bilanz nach drei Vierteln der Meisterschaft: 21 Spiele, 4 Punkte und ein Torverhältnis von 15:71.

Das Gute an der Geschichte: Noch ist der Abstieg nicht besiegelt. Der Rückstand auf den Zweitletzten Yverdon beträgt nur sechs Punkte. «Die Rechnung ist einfach», sagt Zürcher. «Wir müssen in den nächsten sechs Spielen je nach Torverhältnis bis auf zwei oder drei Punkte an Yverdon herankommen. Und wenn wir am Samstag, 26. Mai, die letzte Partie im Schachen gegen Yverdon gewinnen, dann bleiben wir oben. Für mich wäre der Ligaerhalt das Sahnehäubchen auf meine vierjährige Tätigkeit als Trainer. Ich bleibe zwar Technischer Leiter, aber als Trainer des Frauenteams höre ich Ende Saison auf. Das ist für mich schon lange klar. Nach vier Saisons ist die Zeit reif für einen Wechsel.»

Noch ist die Saison nicht vorbei

Ein Abstieg zum Abschied? Das muss nicht sein! Zürcher gibt nicht auf. Sein Traum vom Ligaerhalt lebt. «Solange es rechnerisch möglich ist, werden wir um jeden Punkt kämpfen», sagt der 56-jährige Unternehmer. Für die missliche Situation am Tabellenende gibt es nach Ansicht des Trainers vor allem drei Gründe. «Zwischen dem sportlich knapp verpassten Aufstieg Anfang Juni des vergangenen Jahres und der Promotion am grünen Tisch vergingen einige Tage», sagt Zürcher. «Das waren genau die Tage, in denen drei Wunschtransfers von bestandenen NLA-Spielerinnen platzten. Sie erhielten Angebote von andern Klubs und nahmen diese auch an.»

So blieben grosse Transfers im Hinblick auf diese Saison aus. Ein weiterer Grund für den Sturz ans Tabellenende ist die Unerfahrenheit des Teams. «Wir haben ein 20-Frau-Kader mit einem Durchschnittsalter von rund 20 Jahren», sagt Zürcher. «Die jungen Spielerinnen sind zwar motiviert und voller Leidenschaft mit dabei, müssen hin und wieder aber auch Lehrgeld zahlen. Es gab immer wieder Rückschläge. Es wäre ja auch vermessen, von Talenten konstant starke Leistung zu verlangen.»

Vielleicht gelingt ein Exploit?

Der dritte Grund: Die NLA wurde vor dieser Saison von zehn auf acht Teams reduziert. In einer Achterliga ist es für einen kleinen Klub wie Aarau noch schwieriger, mit den Grossklubs mitzuhalten, als in einer Zehnerliga.

Tabelle der Frauen-NLA

Tabelle der Frauen-NLA

Mit dem Heimspiel gegen den FC Zürich beginnt heute Mittwoch das letzte Viertel der Meisterschaft (Anpfiff im Aarauer Schachen: 20.00 Uhr). Drei Tage später gastieren die FCA-Frauen in Luzern. Wer weiss? Vielleicht gelingt in diesen beiden Partien ein Exploit. Will man das grosse Ziel Ligaerhalt erreichen, müssen möglichst schnell Punkte her. Man darf gespannt sein, ob die FCA-Frauen im Kampf gegen den Abstieg noch ein Wörtchen mitreden werden oder nicht.

Es droht ein Aderlass

Sollte der Traum vom Ligaerhalt zum Albtraum werden, geht es im Sommer in der NLB weiter. Für den Nachfolger von Andreas Zürcher wird die nächste Saison in jedem Fall zu einer grossen Herausforderung. Talentierte Spielerinnen wie Julia Höltschi, Michelle Stierli, Lara Zürcher, Chloé Sylvestre und vor allem Lara Jenzer stehen längst in den Notizblöcken von Grossklubs wie dem FC Basel, dem FC Zürich und den Berner Young Boys. Wetten, dass in den nächsten Wochen der eine oder andere spektakuläre Transfer über die Bühne gehen wird?