Zukunft
Ein Jahr nach der Horror-Verletzung ist Joël Mall zurück in der Schweiz - wie weiter?

Der frühere FCA-Goalie Joël Mall hat drei Jahre auf Zypern hinter sich – mit 30 Jahren wünscht er sich eine nächste schöne Herausforderung.

Sebastian Wendel
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Mall im Dress von Apollon Limassol.

Mall im Dress von Apollon Limassol.

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Wie weiter? Jeder Mensch stellt sich diese Frage mindestens einmal im Leben. Fussballer noch ein bisschen öfter: Immer dann, wenn ein Vertrag ausläuft und ein neuer noch nicht unterschrieben ist. Das kann zermürbend sein, Existenzängste auslösen und zu überstürztem Handeln führen – sprich: Zu einem Wechsel, dem man kurz danach wieder bereut, weil es am neuen Ort weder sportlich noch menschlich hinhaut.

Wie weiter? Auch Joël Mall stellt sich aktuell diese Frage. Doch der Aarauer gibt sich entspannt: «Aus dem Alter, in dem man sich fremdsteuern lässt, bin ich raus. Zudem haben wir zwei Kinder: Ja, das Finanzielle muss passen, aber primär muss meine Verlobte auch dahinterstehen, bevor ich ein Angebot annehme.»

Rückkehr nach Aarau? «Das hätte seinen Reiz»

121 Spiele hat Joël Mall für den FC Aarau bestritten, ehe er nach dem Abstieg 2015 zu GC weiterzog. Das Brügglifeld ist sein Heimatstadion, schon oft ist er als Fan zurückgekehrt. Wird er es irgendwann auch als Spieler? Seit seinem Weggang begleitet Mall diese Frage, er hat sie stets gleich beantwortet: «Der FC Aarau ist immer eine Option.» Dass er tatsächlich nochmals das FCA-Tor hütet, scheint aus heutiger Sicht weniger wahrscheinlich als auch schon. Mit Simon Enzler hat der FCA für die kommenden zwei Jahre eine klare Nummer 1, dahinter scharren einige Talente aus dem eigenen Nachwuchs mit den Hufen. Falls nicht als Spieler, kann sich Mall auch eine Rückkehr in anderer Funktion vorstellen. Welche, das lässt er offen, sagt aber: «Spätestens nach meinem Karriereende werden wir mit der Familie wohl in die Region Aarau zurückkehren. So gesehen hätte das schon seinen Reiz.» (wen)

Hinter dem 30-Jährigen liegen drei Jahre auf Zypern. Nicht Fussballinteressierten sei gesagt, dass auf der Ferieninsel auch ganz passabler Fussball gespielt wird. Angefangen hat Mall 2018 beim Pafos FC, wo er dem Chaos unter einem russischen Investor trotzt und so gut hält, dass er im Sommer darauf von Apollon Limassol verpflichtet wird.

«Das ist wie, wenn du in der Schweiz von St. Gallen zu YB gehst», ordnet er damals den Wechsel ein, der ihm einen gut dotierten Dreijahresvertrag beschert. Auch beim zypriotischen «YB» ist er Stammtorwart, befindet sich gemäss eigener Aussage in der Form seines Lebens, ehe im März 2020 wegen Corona die Meisterschaft abgebrochen wird.

Aussortiert vom Klub: Fast ging es vor Gericht

Während des Lockdowns bilden sich Joël und Freundin Isabel per Fernstudium beruflich weiter – und werden im Juli 2020 zum zweiten Mal Eltern, nach Sohn Lio kommt Tochter Noë zur Welt. Sportlich läufts nach der Pause vorerst weiter wie zuvor: Mall ist auch zu Beginn der Saison 2020/21 Stammgoalie.

Und dann der 12. September 2020: Ausgerechnet im Duell gegen Ex-Klub Pafos kommts zum Zusammenprall mit einem Gegenspieler, bei dem sich Mall fünf (!) Brüche im Gesicht zuzieht. Während der OP muss das eingedrückte Auge fixiert werden. Entsprechend deformiert wacht er danach wieder auf:

Mall erholt sich schnell, schon einen Monat später trainiert er wieder. Pech für ihn, dass sein Klub mit einer längerer Ausfallzeit gerechnet und in der Zwischenzeit Ersatz aus Serbien verpflichtet hat. Weil es nun einen Ausländer zu viel im Kader gibt, wird Mall von der Kontingentsliste gestrichen – bis Ende 2020 ist er zum Zuschauen verdammt.

«Das war schwierig zu akzeptieren. Bis zu meiner Verletzung war ich noch Vizecaptain, dann die Aussortierung», sagt er. Die Fronten zwischen Apollon und der Mall-Seite sind in dieser Zeit verhärtet, er erzählt, beinahe hätten er und sein Berater den Fall am Fifa-Gericht angezeigt. Letztlich aber kommt es aussergerichtlich zur Vertragsauflösung inklusive Abfindung für Mall, kurz darauf unterschreibt er für ein halbes Jahr bei AEK Larnaka, wo er im Januar einen Penalty im gleichen Stil wie einst im FCA-Dress hält (siehe Video):

Mit Versprechungen: Die Berater stehen Schlange

Wie weiter? Mall ist mit seiner Familie zurück in der Schweiz. Die Schlüssel zum Haus in Zypern sind abgegeben, die Möbel indes sind noch auf der Insel. Grund: Eine Rückkehr ist durchaus möglich.

Mall sagt: «In den vergangenen drei Jahren habe ich mir in Zypern und in Griechenland, wo die zypriotische Liga genau verfolgt wird, einen Namen gemacht. Es gibt ein paar Kontakte und Anfragen, Verhandlungen aber noch nicht. Als Familie würden wir gerne noch ein paar Jahre in dieser Region bleiben, es hat uns sehr gefallen.»

Die Bekanntheit im Mittelmeerraum hat den unangenehmen Nebeneffekt, dass täglich gefühlt zehn neue Spielerberater bei Mall anrufen und versuchen, das Vermittlungsmandat zu ergattern. «Das ist manchmal mühsam, gehört aber dazu. Ich habe meine Vertrauenspersonen, mit denen ich die Zukunft plane», sagt er.

Angst? Nein! «Habe Alternativen parat»

Auch eine Rückkehr nach Deutschland reizt ihn, wo Mall vor dem Zypern-Abenteuer ein Jahr für Darmstadt (2. Bundesliga) spielte. Und natürlich ist die Schweiz immer eine Option. «Für die Super League fühle ich mich immer noch gut genug, bin mir aber bewusst, dass bei nur zehn Klubs die Plätze rar sind. Ich bin offen für Vieles: Gute Lebensqualität, sportliche Herausforderung und ein anständiger Lohn, das Gesamtpaket muss stimmen.»

Mit dem FC Aarau steigt Mall (links) 2013 in die Super League auf (rechts der damalige Goalietrainer Abatangelo).

Mit dem FC Aarau steigt Mall (links) 2013 in die Super League auf (rechts der damalige Goalietrainer Abatangelo).

Foto-Net / Alexander Wagner / MAN

Das sind einigermassen hohe Ansprüche für einen, der sich anders als die Superstars Mbappé, Neymar und Haaland nicht einfach aus einer langen Liste Interessierter den nächsten Arbeitgeber aussuchen kann. «Stimmt», sagt Mall, «aber ich bin optimistisch, dass die Türe zu einer schönen Herausforderung aufgeht.»

Angst, im Herbst immer noch auf dem Sofa zu sitzen, wenn überall die Meisterschaften begonnen haben, hat er nicht. «Auch wenn Fussball ein grosser und wichtiger Teil meines Lebens ist – zu abhängig will ich mich nicht mehr machen. Innerhalb der nächsten zehn Jahre wird die Karriere wohl sowieso vorbei sein. Falls das richtige Angebot nicht kommt, habe ich Alternativen parat.»

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