«Es geht darum, den Aargauerinnen in ihrem Kanton etwas zu bieten» erklärt Markus Schlatter, Trainer der Zofinger Frauen, die Strategie seiner Kaderwahl. Er möchte dafür sorgen, dass die Spielerinnen auch in ihrem Heimatort auf gutem Niveau spielen können. Mit nur einer auswärtigen Spielerin ist der TV Zofingen eine Goldgrube an jungen Aargauer Talenten. Auch wenn viel Potenzial vorhanden ist, braucht ein solch junges Team vor allem eines: Geduld. Schlatter setzt seine Ziele realistisch und weiss, dass es etwa zwei Jahre dauern wird, bis eine Konstanz hergestellt ist. Mit Zofingen möchte er vorne mitmischen und Sicherheit in das Spiel seiner Frauen bringen.

«Ich muss akzeptieren, dass es auch manchmal in die Hose geht – und in einem solchen Moment ruhig bleiben.» Diese Ruhe musste Schlatter auch während der ersten Spielminuten gegen Zug beweisen, als Zofingen ein Tor nach dem andern kassierte. «Jeder andere Trainer hätte da ein Time-out genommen, aber ich kenne meine Spielerinnen.» Auch wenn sich Schlatter in manchen Situationen kaum noch auf der Trainerbank halten konnte, liess er seine Mannschaft in dieser Krise agieren. Das grösste Manko von Zofingen, die fehlende Erfahrung, war aber massgebend für die ersten 30 Minuten, und der Platz gehörte den Gästen.

Franziska Wieland verblüffte

Nach der Pause kamen die jungen Zofingerinnen wie ausgewechselt aus der Kabine. Von Abschlussunsicherheit war nichts mehr zu sehen und die eingewechselte Torhüterin Franziska Wieland verblüffte mit einer Parade nach der andern. Der amtierende Schweizer Meister Zug wusste nicht, wie ihm geschah. Von der neuen Aggressivität und den selbstbewussten Aktionen überrumpelt, blieb eine Zuger Reaktion aus. In den letzten 15 Spielminuten zauberte Zofingen, angeheizt durch das begeisterte Publikum, aus einem 21:21 ein 29:25-Schlussresultat – Zug stand ohnmächtig daneben.

Die Euphorie nach Abpfiff war gross, einen Sieg über einen «der grossen drei», damit hatte am Anfang niemand gerechnet. Schlatter weiss, was seine Frauen zu bieten haben: «Schnelligkeit und Athletik.» Und so wird er auch weiterhin im Aargau auf Talentsuche gehen.