Fussball
Yannick Agro: Wohlens Torjäger ausser Dienst

Yannick Agro wollte es nochmals wissen: Der 25-jährige Franzose kam im Sommer vom SSV Ulm aus der vierthöchsten deutschen Liga mit einem Einjahresvertrag zum FC Wohlen. Doch es kam alles anders.

Ruedi Burkart
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Ruedi Burkart

Der Stürmer beabsichtigte im beschaulichen Freiamt seine ins Stocken geratene Karriere nochmals in Schwung bringen. Agro: «Ich wechselte in die Challenge League, um mich zu präsentieren.»

Und um finanzkräftige Klubs auf sich aufmerksam zu machen. Doch aus diesem Unterfangen wurde nichts: In den bisherigen 20 Partien der Challenge-League-Meisterschaft spielte Agro keine Sekunde. Schlimmer noch: In den vergangenen neun Monaten trainierte er nicht ein einziges Mal mit der Mannschaft. Ein Achillessehenriss setzt ihn ausser Gefecht.

Eine Welt zusammengebrochen

Rückblende: Wir schreiben den 22. Juni 2013. Ein wunderbarer Tag zum Fussballspielen. Der neu formierte FC Wohlen trifft in Aarau auf den Super-League-Neuling. Es ist das zweite Vorbereitungsspiel der Freiämter.

Nach einem ehrenvollen 1:2 wenige Tage zuvor gegen Spartak Moskau wollen die zahlreichen neuen Spieler im Team des in der Zwischenzeit entlassenen Trainers David Sesa Werbung in eigener Sache machen.

So auch Yannick Agro, der neue Stürmer. Nach 20 Minuten passiert es: Agro bricht nach einem Zweikampf mit Aaraus David Marazzi schreiend zusammen.

Erste Diagnose: Riss der linken Achillessehne und sechs Monate Pause. Mindestens. «Da brach für mich eine Welt zusammen», so Agro, dessen Eltern aus der Elfenbeinküste stammen.

Nur nicht übermütig werden

Während er von seinen schweren ersten Monaten in der Schweiz erzählt, von öden Einzeltrainings und langweiliger Physiotherapie, betont er immer wieder, dass er jetzt, da er Ende Februar endlich mit dem Team trainieren darf, voller «Enthousiasme» sei.

Seine Ehefrau Doris setzt sich zu ihm, legt ihm die Hand aufs Knie und lächelt ihn liebevoll an. «Yannick ist ein Kämpfer. Er gibt nie auf», sagt sie. Und hofft gleichzeitig, dass ihr Schatz nicht zu übermütig ans Werke gehen wird, sobald er wieder auf dem Platz steht.

Die Unterstützung vom Klub

Sekunden später kommt Leben in die kleine Wohnung in einem Wohler Quartier. Agros Teamkollegen Yannick Kakoko und Dylan Stadelmann schauen vorbei. «Yannick ist ein Teil des Teams, er ist nicht alleine», so Stadelmann.

Diese Aussage bestätigt FCW-Präsident Andy Wyder: «Er hat von Seiten des Vereins überhaupt keinen Druck. Yannick soll wieder richtig gesund werden.»

Darben muss der Franzose nicht, den Lohn erhält er von der Unfallversicherung ausbezahlt. «Solche Fälle tun mir immer wieder weh», so Wyder, «als Fussballer holst du dir Bestätigung auf dem Platz. Aber wenn du nur zuschauen kannst – das ist gar nicht einfach.»

Trotz aller moralischer Unterstützung: Man muss davon ausgehen, dass Agro keine einzige Minute in der Challenge League spielt.

Und auch, dass sein Vertrag beim FCW nicht verlängert wird. Was nun, Yannick Agro? «Er wird wohl einige Spiele mit der U23 absolvieren», so Agros früherer Trainer Sesa. Und wann wird er in der 1. Mannschaft spielen? Agro zuckt mit den Schultern.