«Solche Geschichten schreibt nur das Brügglifeld», sagt Frédéric Page. «Dieses entscheidende Barrage-Spiel zwischen Aarau und Xamax war ein Abnützungskampf. Nicht nur physisch, auch psychisch! In Spielen, in denen es um alles oder nichts geht, kann vieles passieren. Der Hammer ist: Diese Partie war eine Riesenwerbung für den Schweizer Fussball. Über das dreistündige Spektakel mit dramatischen Zügen und einem Penaltyschiessen als Höhepunkt wurde nicht nur in den nationalen, sondern auch in den internationalen Medien berichtet.»

Page erlebte während der Barrage eine emotionale Achterbahnfahrt. Der FC Aarau ist für ihn die alte Liebe. Xamax ist für ihn die aktuelle Liebe. Interessant: Sein Arbeitsort ist das Stade de la Maladière in Neuenburg. Privat lebt er mit seiner Frau und den beiden Kindern in Suhr. Und das erst noch in einem Haus nur wenige Kilometer vom Brügglifeld entfernt. Für Page hatten die zwei Spiele zwischen Xamax und dem FC Aarau also eine besondere Bedeutung.

Zwei Kantone in Aufruhr

Eine Bedeutung, die weit über den sportlichen Bereich hinausgeht. «Ich habe im Vorfeld gespürt, dass es in der Barrage um mehr als nur um Fussball geht», sagt er. «Die Menschen in den beiden Kantonen Aargau und Neuenburg haben mit Aarau und mit Xamax mitgelebt, mitgefiebert und mitgezittert. Nach dem 4:0-Sieg des FC Aarau im Hinspiel schien alles klar. Dann plötzlich wurde es noch spannend. Ich weiss, dass im Fussball nichts unmöglich ist. Aber dass dieses Spiel eine solche Wende nehmen würde, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet.»

Logisch, dass bei Page die Emotionen hochgingen. Weil er in diesen Tagen sein Amt als Sportchef von Xamax antreten wird, ist der Ligaerhalt für ihn ein Glücksfall. Nicht nur in sportlicher, auch in finanzieller Hinsicht. «Der Unterschied zwischen der Super League und der Challenge League ist gewaltig», sagt er. «In der höchsten Spielklasse hat Xamax ein Budget von rund acht Millionen Franken, in der zweithöchsten Spielklasse sind es nur etwa vier Millionen. Diese Zahlen allein zeigen schon, wie wichtig der Ligaerhalt für Xamax ist.»

Page spielte als Bub für Seon, wechselte als Zwölfjähriger in die Juniorenabteilung des FC Aarau und spielte von 1996 bis 2003 in der ersten Mannschaft. Nach den Karrierestationen in der zweiten deutschen Bundesliga bei Union Berlin, Greuther Fürth und Unterhaching kehrte er 2007 ins Brügglifeld zurück und erreichte mit dem FC Aarau in den Saisons 2007/08 und 2008/09 in der Super League jeweils den beachtlichen fünften Rang.

Talentförderung bei den Neuenburgern

Sein Abgang zu Xamax 2009 war ein herber Verlust. Mehr noch. Sein Abgang stürzte die Aarauer ins Elend. Ohne den Abwehrchef war die Abwehr so löchrig wie ein Emmentaler Käse. Die Saison 2009/10 mit den drei Trainern Jeff Saibene, Martin Andermatt und Ranko Jakovljevic wurde für den Verein vom Brügglifeld zu einem Desaster. 29 Jahre nach dem Aufstieg in die Nationalliga A folgte der Absturz in die zweithöchste Spielklasse.

Zurück zu Page, der 2011 zu Lausanne wechselte, aber nach einem einjährigen Gastspiel bei den Waadtländern zu Xamax zurückkehrte. 2012 beendete er seine Profilaufbahn und bereitete sich in Neuenburg auf sein Leben nach der Aktivkarriere vor. Er bildete sich in den Bereichen Marketing und Kommunikation weiter. Seit 2014 ist er Technischer Leiter und Verantwortlicher der Nachwuchsabteilung «Fondation Gilbert Facchinetti».

In den vergangenen Jahren richtete er sein Hauptaugenmerk bei Xamax auf die Talentförderung. Das kommt ihm in seiner neuen Funktion als Sportchef zweifellos entgegen. Page kennt alle hoffnungsvollen Nachwuchsspieler von Xamax. Der 40-jährige Aargauer muss zwar versuchen, eine möglichst schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen, wird sich aber nicht scheuen, viele Talente aus der eigenen Talentschmiede in den Kader für die Saison 2019/20 einzubauen.