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Wyder über Horrornacht im Knast: «Ich fragte mich, ob ich ein Krimineller bin»

Nach der Pressekonferenz des FC Wohlen schildert Vereinspräsident Andy Wyder, wie er die Untersuchungshaft im Aarauer Gefängnis erlebte. Es ist ein beklemmendes Zeugnis.

Ruedi Kuhn
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Andy Wyder blickt zurück.

Andy Wyder blickt zurück.

Keystone

Der schwärzeste Tag im Leben von Andy Wyder in der Funktion als Präsident des FC Wohlen? Kein Zweifel. Es ist der 1. Oktober 2013. «Die 27 Stunden in der Einzelzelle in der Telli in Aarau waren ein einziger Albtraum», erinnert sich Wyder.

«Die Zelle war dreckig. Ich fühlte mich schlecht. Es war sehr unangenehm. Ich war verunsichert. Die ständige Ungewissheit hat mich sehr getroffen. Ausserdem wusste ich ja nicht, was noch alles auf mich zukommen wird.» Obwohl die Horrornacht rund zweieinhalb Monate zurück liegt, zeigt der sichtlich gezeichnete Wyder heute noch Emotionen. Nach eigener Aussage wähnte er sich im falschen Film.

Es passt allerdings zur grossen Leidensfähigkeit des Präsidenten, dass er versucht, dem Gefängnisaufenthalt auch Positives abzugewinnen. «Ich konnte mir während dieser Zeit viele Gedanken machen», fügt Wyder hinzu.

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«Ich fragte mich beispielsweise, ob mit der Verhaftung meine Grenzen des Erträglichen im Fussballgeschäft überschritten wurden. Ich fragte mich, was ich denn verbrochen habe. Ich fragte mich, ob ich ein Krimineller bin. Gleichzeitig versuchte ich mich bei Laune zu halten und dachte an meine Angehörigen und meine Freundin. Ich war von Gefühlen hin und her gerissen.»

Die Fahrt nach Aarau

Der 1. Oktober 2013 ist und bleibt für Wyder also ein Schreckgespenst. Blicken wir zurück: Los gings am frühen Nachmittag mit der von der Staatsanwaltschaft Bremgarten-Muri anberaumten Festnahme an seinem Arbeitsplatz in Muri. Von Muri ging es ins Stadion Niedermatten in die Geschäftsstelle des FC Wohlen.

Dort musste Wyder der Behörde alle Unterlagen und Akten über den Spieler Wellington herausgeben. Von Wohlen ging die Fahrt weiter nach Baden. Hier fand eine erste Einvernahme statt. Schliesslich wurde Wyder mit der Abend-Patrouille ins Untersuchungsgefängnis in die Telli nach Aarau gefahren. Um 19 Uhr überführte man Wyder in eine Einzelzelle.

Rücktritt ist kein Thema

Dort erlebte er nach eigener Aussage eine mehr oder weniger schlaflose Nacht. Mehr noch. Wyder wurde am 2. Oktober bis um 15.15 Uhr im Gefängnis festgehalten. Nach einer weiteren Befragung war er um 16.30 Uhr wieder auf freiem Fuss. Dass Wyder trotz dieser bitteren Erfahrung nie an Rücktritt gedacht hat, ehrt ihn. «Ich bin seit 17 Jahren Präsident des FC Wohlen», sagt der 51-Jährige, «und ich bin es gerne. In guten und in schlechten Zeiten.»

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