Andy Wyder wähnt sich in der Nacht vom 1. auf den 2. Oktober 2013 im falschen Film. Es ist wie in einem Horrorfilm. Wyder fragt sich, ob mit der Verhaftung, dem Klicken der Handschellen, den Verhören und dem Einsperren in eine Zelle die Grenze des Erträglichen im Fussballgeschäft überschritten sei. Er fragt sich, was er denn verbrochen habe, ob er ein Krimineller sei.

Im Lauf der Monate hinterfragte Wyder auch die Rolle der «Aargauer Zeitung». Sie verfolgte die Sache hautnah. Die Kritik an der Führungscrew des FC Wohlen war hart, sehr hart. Wir stützten uns fast ausschliesslich auf Informationen von der Gegenseite. Einfach deshalb, weil die Verantwortlichen des FC Wohlen während langer Zeit schwiegen. Zu lange! Hätten sie von allem Anfang an die Wahrheit, nichts als die Wahrheit gesagt und Selbstkritik geübt, wäre die Berichterstattung mit Sicherheit nicht so einseitig ausgefallen.

Ein Jahr später war Schluss

So aber waren Wellington und seine Anwälte von Anfang an die Guten, Andy Wyder, Urs Bächer und der FC Wohlen die Bösen. So wie das in einer solchen Geschichte halt abläuft. Dass wir die Rolle der Guten und der Bösen zementierten, teilweise sogar zelebrierten, liegt in der Natur der Sache. Wyder dachte während der für ihn bitteren Zeiten trotzdem nie an Rücktritt. «Nein», sagte der Architekt damals. «Ich bin seit 17 Jahren Präsident des
FC Wohlen. Ich bin es gerne. In guten und in schlechten Zeiten.» Dennoch nahm er ein Jahr später den Hut. Im Oktober 2014 war Schluss!

Wyder führte den FC Wohlen in die Top 20 des Schweizer Spitzenfussballs. Er war für den Verein da. Tag und Nacht. Rund um die Uhr. Er war das Mädchen für alles, feierte die Erfolge im Stillen und steckte die Rückschläge weg. Und was hat er im Endeffekt davon? Ruhm und Ehre? Von beidem ein bisschen: Aber statt einem Denkmal im Stadion Niedermatten klebt ihm Zeit seines Lebens ein Denkzettel auf der Stirn. Ein Denkzettel mit der Aufschrift «Eine Nacht im Knast für einen läppischen Fehler».