Women's Super League
Zitterpartie in Bern - FCA Frauen geben komfortable Führung beinahe aus der Hand

3:0 haben die Red Boots zur Halbzeit gegen die YB-Frauen geführt. Am Ende mussten die Aarauerinnen aber um ihren Sieg zittern.

Nicolas Blust
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Julia Höltschi und die FCA Frauen zittern sich im Wankdorf zum 3:2-Auswärtssieg.

Julia Höltschi und die FCA Frauen zittern sich im Wankdorf zum 3:2-Auswärtssieg.

Marc Schumacher / freshfocus

Nach 97. Minuten ist der erste Auswärtssieg der FCA Frauen in der AXA Women's Super League Tatsache. Dass es bis zum Schluss spannend blieb, haben die Aarauerinnen aber selbst verschuldet. Zu passiv war der Auftritt nach dem Seitenwechsel, dabei hat das Spiel hervorragend begonnen.

Wie schon vor zwei Wochen gegen den Tabellenführer aus Zürich startete das Team von Selver Hodzic mit einem hohen Pressing. Die Bernerinnen waren damit überfordert und kamen kaum aus der eigenen Hälfte. Entsprechend spielbestimmend traten die FCA Frauen auf. Ein Angriff nach dem anderen rollte auf das Berner Tor zu. «Wir wussten, dass YB seine Stärken vorne hat. Deswegen wollten wir sie bereits früh unter Druck setzten», sagt Hodzic über die Taktik, hoch zu pressen.

FCA Frauen spielen sich im ersten Durchgang in einen Rausch

Nach 17 Minuten folgte die logische Konsequenz. Nach einem schnellen Angriff über die rechte Seite verlagerte Julia Höltschi schön die Seite auf Joy Steck. Diese behielt die Übersicht und legte quer auf Flavia Näf, die den Ball eiskalt in der langen Ecke versenkte.

Und Aarau powerte weiter. Zehn Minuten später folgte der verdiente 2:0-Treffer durch Joy Steck, die nach einem Ballgewinn durch Sonja Giraud den Ball per Kopf im leeren Tor unterbrachte. Von diesem Treffer schienen sich die YB-Frauen nicht zu erholen. Drei Minuten später klingelte es erneut im Berner Kasten. Sina Reinschmidt wurde von Joy Steck mustergültig in Szene gesetzt und behielt vor der Torhüterin die Nerven - 3:0 für Aarau. Mit diesem Resultat ging es dann auch in die Kabine.

Selver Hodzic durfte sich über die beste Halbzeit der bisherigen Saison freuen: «Es war eine grandiose Leistung, die Spielerinnen haben alles umgesetzt, was wir vor dem Spiel angesprochen haben. Es hätte auch 5:0 zur Halbzeit stehen können.»

Vertauschte Rollen nach dem Pausentee

Nach der Pause zeigte sich dann aber ein völlig anderes Bild. Angestachelt vom grossen Rückstand kamen die YB-Frauen wie die Feuerwehr aus der Kabine. Den ersten Ansturm konnten die Red Boots zwar noch schadlos überstehen, nach 67 Minuten war der Druck dann aber zu gross. Mit einer Direktabnahme verkürzte Simona Petkova auf 3:1. Ein sehenswerter Treffer, Seraina Friedli blieb ohne Abwehrchance.

Danach gelang es den Aarauerinnen aber wieder besser, das Spiel zu kontrollieren. Bis in die 82. Minute. Nach einem Ballverlust durch Julia Pfannschmidt versenkt Malaurie Granges das Leder in der linken Torecke.

«Sie haben zwei Tore durch Weitschüsse gemacht. Ansonsten liessen wir kaum Chancen zu», sagt Hodzic über die zweite Halbzeit. Am Schluss habe seinem Team dann auch etwas die Kraft gefehlt: «Es hat in der ersten Halbzeit viel Laufarbeit gebraucht, deswegen hat uns am Schluss die Frische gefehlt.»

Nun begann die Zitterpartie. Die Bernerinnen warfen noch einmal alles nach vorne, die FCA Frauen verteidigten leidenschaftlich. Dem Schiedsrichter schien die Partie so gut zu gefallen, dass er unglaubliche sieben Minuten nachspielen liess.

Die lange Nachspielzeit war auch für Trainer Hodzic nicht nachvollziehbar, der an diesem Nachmittag kein Freund des Unparteiischen wurde: «Der Schiedsrichter hätte uns zwei Penaltys geben müssen.» Hodzic spricht die beiden strittigen Szenen im Strafraum an, die gegen Aarau gepfiffen wurden.

Zittern bis zur letzten Sekunde

In der 97. Minute folgte dann endlich die Erlösung und der Schiri beendet das Spiel. Ein Aufschrei der Erlösung von der FCA-Bank folgte. Denn dieser Sieg war am Ende ein Arbeitssieg. Bis zur letzten Sekunde mussten die Aarauerinnen alles in die Waagschale werfen, um den ersten Auswärtssieg der Saison zu realisieren. Mit den drei Punkten bleiben die Red Boots zwar auf Rang acht, liegen neu aber lediglich zwei Punkte hinter den Bernerinnen.

Mit einem Sieg in zwei Wochen gegen den Tabellenvorletzten Yverdon könnte sich das Team von Selver Hodzic zum Abschluss der Hinrunde sogar noch auf Platz sechs verbessern. «Wir dürfen Yverdon nicht unterschätzen. Sie sind ein defensiv stabiles Team, das kämpferisch auftritt», sagt Hodzic über den Gegner am 4. Dezember.

So oder so sind die FCA Frauen in der Super League angekommen und können sich grosse Chancen ausrechnen, den Ligaerhalt zu sichern. Oder um es in den Worten von Trainer Hodzic zu sagen: «Wir wussten, dass wir ein paar Spiele brauchen, um in der Liga Tritt zu fassen. Jetzt sind wir aber angekommen und die harte Arbeit zahlt sich aus.»

Partie verpasst? Lesen Sie den Spielverlauf hier im Liveticker nach:

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