Regionalfussball
«Wollte schon immer das perfekte Team zusammenstellen»: Ex-Amateurfussballer möchte als Sportchef durchstarten

Manuel Moor hängte seine Fussballschuhe an den Nagel, um sich beim SC Schöftland als Funktionär zu beweisen. Mittlerweile kann der Sportchef erste Erfolge vorweisen, doch sein Ziel hat er damit noch lange nicht erreicht.

Nik Dömer
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Manuel Moor hat 2019 seine Funktionärs-Karriere als Sportchef beim SC Schöftland lanciert.

Manuel Moor hat 2019 seine Funktionärs-Karriere als Sportchef beim SC Schöftland lanciert.

Chris Iseli

Einst träumte er mit Marco Thaler und Miguel Peralta gemeinsam von einer Karriere als Profi-Fussballer, doch im Gegensatz zu seinen damaligen Mitspielern – die den Sprung aus der Nachwuchsabteilung in die 1. Mannschaft beim FC Aarau geschafft haben – ging der Weg von Manuel Moor in eine andere Richtung.

«Meine Enttäuschung hielt sich in Grenzen. Ich habe ungefähr bei der U18 gemerkt, dass ich das Maximum wohl bereits erreicht habe. Darum war es absehbar, dass es nicht zur grossen Karriere reichen würde», erinnert sich Moor zurück.

Vertrag beim FC Luzern

Trotzdem steht er heute bei einem Profi-Verein unter Vertrag. Zwar nicht auf dem Rasen, dafür im Background. Genauer gesagt, in der Buchhaltung des FC Luzern. «Ich wollte immer mit Fussball mein Geld verdienen. Als Spieler hat es zwar nicht geklappt, aber dass ich es nun auf diesem Weg geschafft habe, macht mich ebenso glücklich.»

Der Amateurfussball als Sprungbrett? Manuel Moor könnte sich in Zukunft vorstellen, noch grössere Aufgaben anzupacken.

Der Amateurfussball als Sprungbrett? Manuel Moor könnte sich in Zukunft vorstellen, noch grössere Aufgaben anzupacken.

Chris Iseli

Doch der gelernte Kaufmann ist damit noch lange nicht am Ziel angelangt. Er verrät: «Ich fühle mich wohl in der Finanzabteilung, aber ich könnte mir künftig auch eine Funktion, die mehr im sportlichen Bereich angesiedelt ist, sehr gut vorstellen. Professionell als Sportchef zu fungieren, klingt für mich sehr reizvoll. Aber da bin ich noch weit davon entfernt.»

Fussball Manager anstatt herkömmliches FIFA

Was Moor braucht, um sich die nötigen Kompetenzen anzueignen, kann er bei seinem Arbeitgeber mitverfolgen. Als Buchhalter arbeitet er eng mit Luzern-Sportchef Remo Meyer zusammen: «Ich erhalte viele Einblicke und unterhalte mich öfters mit dem Sportchef. Wenn ich so sehe, was er für den Verein leistet, dann habe ich grossen Respekt vor seiner Arbeit, aber auch viel Faszination dafür.»

Moors Faszination ist dabei nicht zufällig entstanden. Bereits in jungen Jahren verspürte er nicht nur Begeisterung, wenn er einen Ball am Fuss hatte, sondern entwickelte auch grosses Interesse für taktische Feinheiten. «Ich wollte schon immer das perfekte Team zusammenstellen, anstatt zum herkömmlichen FIFA-Game griff ich lieber zum Fussball Manager. Ich habe dann jeweils mit dem FC Aarau virtuell die Champions League gewonnen.»

So erstaunt es nicht, dass sich die fussballerische Laufbahn des in Vordemwald aufgewachsenen Moor aussergewöhnlich entwickelte. Nach seiner Zeit beim FC Aarau landete er zwischenzeitlich beim SC Zofingen, ehe sein Weg nach Schöftland führte.

Schöftland-Sportchef Manuel Moor kickte zwischenzeitlich beim aktuellen Ligakonkurrenten SC Zofingen.

Schöftland-Sportchef Manuel Moor kickte zwischenzeitlich beim aktuellen Ligakonkurrenten SC Zofingen.

Otto Lüscher

Dort kickte er viereinhalb Jahre lang für die 1. Mannschaft, bis er im Frühling 2019 durch seinen Mitspieler und Freund Basil Gmür im Ausgang von der vakanten Stelle als Sportchef erfuhr: «Wir witzelten darüber, dass ich das übernehmen könnte. Ich meinte das zuerst nicht ernst.» Als dann die Anfrage kam, realisierte Moor, dass es mehr als nur eine Schnapsidee sein könnte.

Erste Erfolge beim SC Schöftland

Darauf holte er Rat bei Remo Meyer sowie beim FCL-CFO Richi Furrer ein, die beide einst selber in den tieferen Ligen ihre Laufbahn begonnen hatten. Auf Empfehlung der beiden beschloss Moor seine Fussballschuhe vorübergehend an den Nagel zu hängen.

FCL-Sportchef Remo Meyer startete seine Funktionärs-Laufbahn in der 2. Liga inter.

FCL-Sportchef Remo Meyer startete seine Funktionärs-Laufbahn in der 2. Liga inter.

Boris Bürgisser

Gut eineinhalb Jahre später kann er erste Erfolge verbuchen. Trotz kleinem Budget hält sich Schöftland in der oberen Tabellenhälfte und schaffte in dieser Saison gar den Einzug in den Sechzehntelfinal des Schweizer Cups.

Für Moor eine erste Bestätigung, mehr nicht: «Professioneller Sportchef zu werden, ist in der Schweiz sehr schwierig. Es gibt nur 20 Klubs, die in Frage kommen. Oft werden ehemalige Spieler bevorzugt, die bereits ein Netzwerk mitbringen. Ich muss mir dieses noch erarbeiten.»

Entsprechend gibt sich Moor zurückhaltend, denn er ist sich bewusst, dass Kompetenz alleine in der kleinen Schweizer Fussballwelt nicht immer ans Ziel führt. «Ich traue mir zu, dass ich auch ohne Promi-Bonus ein Beziehungsnetz aufbauen kann. Aber es braucht dazu auch Glück, damit mir das Vertrauen geschenkt wird und ich irgendwann meine perfekte Mannschaft zusammenstellen darf», betont Manuel Moor.