Fussball
Wohlens Stürmer Rapp muss gegen Ex-Verein zuschauen

Am Sonntagnachmittag spielt der FC Wohlen zum vierten Mal in dieser Challenge-League-Saison gegen Locarno (15 Uhr, Niedermatten). Erneut fehlen wird Wohlens Tessiner Simone Rapp. Der 193 cm grosse Flügel laboriert an einer gebrochenen Zehe.

Ruedi Burkart
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Der grosse Blonde mit dem fehlenden Fussballschuh. Simone Rapp bei einer Stippvisite im Juniorentraining. ruedi burkart

Der grosse Blonde mit dem fehlenden Fussballschuh. Simone Rapp bei einer Stippvisite im Juniorentraining. ruedi burkart

Ruedi Burkart

Die Bilanz des FC Wohlen gegen Locarno ist vernichtend. Dreimal spielten die Freiämter bisher gegen die Tessiner, bei insgesamt 0:6 Toren schaute dank des torlosen Remis in der zweiten Meisterschaftsrunde gerade mal ein einziger Punkt heraus. Immerhin einer im Wohler Kader weist gegen den heutigen Gegner eine ausgeglichene Saisonbilanz auf: Nachwuchs-Nationalspieler Simone Rapp, der 21-jährige rechte Flügel. Bemerkenswertes Detail: Während zweieinhalb Jahren spielte er für den FC Locarno.

Eine gebrochene Zehe

Simone Rapp sitzt beim Spielplatz nahe des Stadions Niedermatten auf einer Bank. Bei herrlichem Sonnenschein macht sich der erstaunlich gut Deutsch sprechende junge Tessiner Gedanken. «Immer, wenn ich so richtig gut in Fahrt war, stoppte mich eine Verletzung.» Das war im vergangenen Herbst so, das ist auch aktuell nicht anders. Beim 5:1-Erfolg in Genf brach sich Rapp in einem Zweikampf die grosse Zehe im rechten Fuss. Seither schaut er zu und arbeitet im Stillen an seinem Comeback.

Rapps bisherige Karriere ist geprägt von Hochs und Tiefs. Aufgewachsen in der Magadinoebene in Gerra Piano, spielte er sich via die Vereine von Gerra Piano, Gordola, dem Team Ticino und Bellinzona im Sommer 2010 in die 1. Mannschaft von Locarno. Dort erkämpfte er sich schnell einen Stammplatz und wurde für die Schweizer Nachwuchs-Nationalmannschaft aufgeboten.

Keine gute Erinnerungen an den FC Basel

im Februar 2013 kam der Wechsel zur U21 des FC Basel. «Carlos Bernegger war damals Trainer dort. Er wollte mich unbedingt und meinte, er bringe mich in die 1. Mannschaft.» Doch dann wurde der Argentinier Cheftrainer beim FC Luzern und Rapp verlor seinen Fürsprecher am Rheinknie. Der neue U21-Trainer, Basels Kultfigur Massimo Ceccaroni, liess den 193 cm grossen Flügelflitzer links liegen. «Basel war eine einzige Enttäuschung. Nicht nur fussballerisch.» Ein Beispiel gefällig? Rapp musste fünf Monate in einer zehn Quadratmeter kleinen Bude hausen. «Es war eine Schande. Das Versprechen, mir eine Wohnung zu besorgen, haben sie nie eingelöst.»

im sommer 2013 stellte sich Rapp die Frage: Weiter auf Fussball setzen oder ein Studium beginnen? Rapps Berater, der frühere Lugano- und Basel-Torjäger Christian Giménez, fädelte schliesslich den Transfer zu Wohlen ein. «Und darum bin ich hier», schmunzelt Rapp. Anders als die meisten seiner Teamkollegen wohnt Rapp nicht im Freiamt. Zusammen mit den Winterthurer NLA-Unihockeyaner Marco Carrara – auch er ein Heimweh-Tessiner – wohnt Rapp in
Zürich Affoltern.

Auch nächste Saison bei Wohlen oder . . .

Auch wenn er heute gegen Locarno wieder zuschauen muss, bange ist Rapp nicht. «Wir werden gewinnen und Ende Saison oben bleiben.» Sein Vertrag läuft bis im Sommer 2015. Und den gedenkt er, auch zu erfüllen. «Es gefällt mir in Wohlen.» Den Traum, dereinst in der Super League zu spielen, hat er aber immer noch. Doch Rapp ist nicht auf den Kopf gefallen. Er meldet sich nächstens an der Uni Zürich an. «Nur zur Vorsicht», sagt er, «im Fussball weiss man ja nie.» Apropos: Vielleicht erinnert sich Luzerns Bernegger ja wieder einmal an seinen Wunschspieler aus dem Jahr 2012 . . .

Simone Rapp kennt die Verhältnisse im Tessiner Fussball. Er hat immer noch Kontakte in seine Heimat, zudem agiert sein Vater als Nachwuchstrainer. Angesprochen auf die erstinstanzliche Verweigerung der Lizenz für den FC Locarno für kommende Saison, zuckt er nur die Schultern. «Wissen Sie, in Locarno ist noch immer einer aufgetaucht, der Geld eingeschossen hat.» In Wohlen rechne jedenfalls niemand damit, dass Locarno in der Challenge League freiwillig die Segel streicht.

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