Fussball
Wohlens Joel Geissmann ist mehr als nur der nette Junge von nebenan

Der 20-jährige Hägglinger Joel Geissmann schnürt seit Jahresbeginn seine Schuhe für den FC Wohlen. Der Mittelfeldspieler aus dem beschaulichen Nachbardorf hat grosse Ziele – sportlich wie beruflich.

Ruedi Burkart
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«Bin stolz, in Wohlen spielen zu dürfen.» Joel Geissmann auf der Zinsmatten mit dem FCW- und dem FCH-Trikot auf den Schultern. rubu.

«Bin stolz, in Wohlen spielen zu dürfen.» Joel Geissmann auf der Zinsmatten mit dem FCW- und dem FCH-Trikot auf den Schultern. rubu.

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Zinsmatten. Der Name des Hägglinger Fussballplatzes steht für eines der turbulentesten Kapitel in der 109-jährigen Geschichte des FC Wohlen und löst bei den älteren Zuschauern immer noch Gänsehaut aus. September 1987, 2.-Liga-Spitzenkampf Hägglingen – Wohlen. Der kleine FC Hägglingen zerlegt den grossen Favoriten vor 500 begeisterten Zuschauern in einem denkwürdigen Spiel mit 3:1 und löst damit im Freiamt ein mittleres Erdbeben aus. Dieses gipfelt im «freiwilligen Rücktritt» (so der damalige FCW-Präsident René Meier) von Wohlens Trainer Pit Stiel – Gerüchten zufolge direkt nach Spielschluss!

«Ja, solche Geschichten habe ich auch schon gehört.» Joel Geissmann steht mitten auf dem Spielfeld der Zinsmatten. Dort, wo er im Alter von sieben Jahren mit Tschutten begonnen hatte. Er schmunzelt. «Mein Vater hat mir davon erzählt.»

Papa Roger Geissmann war damals im Herbst 1987 direkt an der Wohler Niederlage beteiligt, er erzielte für Hägglingen das 1:0. Und auch Joels Grossvater, der legendäre Ernst Geissmann, trug seinen Teil bei, als Spikochef. Jahre nach dem denkwürdigen Spiel wechselte der mittlerweile 49-jährige Roger Geissmann übrigens zum FCW und stieg mit den Wohlern in die 1. Liga auf.

Der Dank an den FC Wohlen

Und jetzt hält der Jüngste der fussballverrückten Familie für den FC Wohlen im Mittelfeld die Knochen hin. «Ich bin froh und dankbar, dass ich in Wohlen einen Vertrag erhalten habe», so Joel Geissmann, «und ich will meinen Teil zum Ligaerhalt beitragen.» Dass er zu einer Teamstütze werden kann, hat der Mittelfeldspieler am vergangenen Samstag bei seinem ersten Einsatz im FCW-Dress (1:1 gegen Vaduz) bewiesen. Geissmann hätte gar noch zum Matchwinner werden können, doch in der Nachspielzeit blieb ihm ein Torerfolg verwehrt.

Seine Zukunft ist offen

Der Anfang ist nun also gemacht. Geissmann: «Ich bin in Wohlen gut aufgenommen worden und fühle mich wohl.» Allerdings: Wie es für ihn ab Sommer sportlich weitergeht, ist noch offen. Wohlen lieh ihn bis Ende Saison vom FC Aarau aus. Und dort endet Geissmanns Kontrakt ebenfalls am Schluss dieser Meisterschaft.

Auch neben dem Fussballplatz ist der 20-Jährige auf Kurs. Er steht im letzten Jahr der Sport-Kanti in Aarau und möchte dereinst ein Studium beginnen. «Jura oder Wirtschaft, das ist noch offen», sagt er und lässt seinen Blick über den Hägglinger Fussballplatz schweifen. Den Chronisten überkommt dabei Wehmut: Die grossen Freiämter Duelle sind lange vorbei. Mittlerweile wird in Hägglingen 4.-Liga-Fussball gespielt.

FC Wohlens Hoffnung auf den 2. Sieg

In der 21. Runde der Challenge League empfängt der tabellenletzte FC Wohlen heute um 17 Uhr Mittelfeldklub Lugano. Nach dem erfreulichen Start in die 2. Phase der Meisterschaft (1:1 gegen Vaduz) ist bei den Freiämtern die Hoffnung auf den zweiten Sieg der Saison natürlich gross. Dies trotz zwei gewichtigen Änderungen in der Startformation.

Der bisher neunfache Torschütze Joao Paiva ist gesperrt, ebenso Innenverteidiger Alban Pnishi. Der FCW vermeldet zudem einen Zuzug. Von Kriens (1. Liga Classic) kommt Verteidiger Marijan Urtic (23). Der Kroate wird ab dem 26. Februar und dem Auswärtsspiel in Locarno spielberechtigt sein.