Fussball

Wohlens Ex-Fussballer Wellington geht – offene Fragen bleiben

Bereits am Freitag wird Wellington seinen Sohn in der Heimat Brasilien wieder in die Arme nehmen können.

Bereits am Freitag wird Wellington seinen Sohn in der Heimat Brasilien wieder in die Arme nehmen können.

Nun kehrt er doch in seine Heimat Brasilien zurück. Am Donnerstag verlässt der ehemalige FC-Wohlen-Spieler Wellington Ferreira Gomes Sobrinho das Freiamt. Als Fussballer hätte er in der Schweiz ohnehin keine Zukunft gehabt.

«Wer will schon einen Fussballer, der solche Probleme macht und seinen alten Klub anschwärzt?», fragt ein Bekannter Wellingtons mit ironischem Unterton. Nachdem die Aargauer Zeitung Ende September publik machte, dass der Freiämter Challenge-League-Verein mit seinem brasilianischen Verteidiger zwei verschiedene Arbeitsverträge abgeschlossen hatte, geriet neben dem FC Wohlen auch der Spieler selbst in den Fokus der Ermittlungsbehörden. Er wurde von der Polizei in seiner Wohnung abgeholt und einvernommen und sein Reisepass wurde beschlagnahmt. Da Wellington beide Verträge unterschrieben hat, läuft auch gegen ihn ein Verfahren wegen Urkundenfälschung und Täuschung der Behörden. Das Strafmass dafür geht von einer bedingten Geldstrafe bis hin zu fünf Jahren Gefängnis.

Trotzdem ist es für die Aargauer Oberstaatsanwaltschaft kein Problem, dass Wellington die Schweiz nun in Richtung Brasilien verlässt. «Die Untersuchungen zum Fall FC Wohlen und den Spieler Wellington sind abgeschlossen. Und wir haben mit dem Anwalt des Spielers eine Zustelladresse in der Schweiz. Damit sind die Voraussetzungen für eine Ausreise erfüllt», sagt Elisabeth Strebel von der Medienstelle der Staatsanwaltschaft Aargau. Die Juristin fügt an: «Zudem handelt es sich bei Herrn Wellington schliesslich nicht um einen Schwerverbrecher». Ob der Staat bei einer allfällig verhängten Geldstrafe gegen Wellington tatsächlich zu ihrem Geld kommt, bleibt allerdings dahingestellt.

Urteil gegen Spieler und Verein noch offen

Es gibt keinen konkreten Termin oder Zeitplan, wann die Urteile gegen die beiden Parteien zu erwarten sind. Nach Abschluss der Untersuchungen läuft derzeit die Akteneinsicht. Danach können die beiden Parteien Stellungsnahmen und Beweisergänzungen einbringen. Der Spieler Wellington wird auch nach seiner Abreise weiterhin von den Rechtsanwälten Jean-Pierre Gallati und Simon Käch vertreten.

Wellington also geht, viele Behauptungen bleiben. So läuft etwa eine von Wellingtons Anwälten angestrengte Strafanzeige gegen René Meier wegen des Verdachts der üblen Nachrede. Meier hatte in einer Erklärung behauptet, es laufe eine drohende Zwangsvollstreckung gegen den Spieler wegen dessen Schulden aus seiner Zeit beim FC Kriens. Beteiligte sagen, dass der Verwaltungsratspräsident des FC Wohlen im Besitz einer Schuldanerkennung von Wellington (s. Dokument) über einen Betrag von 16 000 Euro gegenüber einem brasilianischen Spielervermittler mit Namen Johny Aldair Williams Pereira sei.

Fall Wellington: Fiktive Verträge beim FC Wohlen

Fall Wellington: Fiktive Verträge beim FC Wohlen

Welche Rolle spielt Bozzetti?

Der Aargauer Zeitung liegt dieses Dokument ebenfalls vor. Allerdings datiert es von 2009, als Wellington für Probetrainings bei Paderborn aus der zweiten Bundesliga weilte und kurz vor einer Verpflichtung stand. Beim SC Kriens spielte er erst zweieinhalb Jahre später und dies wegen Problemen beim Erteilen einer Arbeitsbewilligung nur während zweier Monate. «Der Spieler Wellington hat bei uns weder offene Schulden noch Geld zugut», sagt Angelo Ercolani, der als Präsident einer Task Force die turbulente jüngste Vergangenheit des Innerschweizer Vereins aufarbeitet. Allerdings sagt Ercolani auch, dass der Spieler Wellington damals durch den Spielerberater Peter Bozzetti vermittelt wurde, dessen Name kürzlich im Zusammenhang mit der Erpressungsaffäre um Erich Vogel und YB-Sportchef Fredy Bickel durch die Medien geisterte.

Das Lager um Spieler Wellington streitet sowohl die Rechtmässigkeit der Forderung über 16 000 Euro, wie auch eine Zusammenarbeit mit Bozzetti – in der Vergangenheit und in der Gegenwart – ab. «Herr Wellington bestreitet den Wahrheitsgehalt des Dokuments und ebenso die von Herrn Aldair erhobene Forderung. Bezeichnenderweise ist der angebliche Schuldbetrag von Hand in das Dokument eingefügt worden», schreibt etwa Wellingtons Anwalt Simon Käch. «Gegen Herrn Wellington existiert auch keine Betreibung, geschweige denn eine drohende Zwangsvollstreckung.»

Im Umfeld des FC Wohlen sagt man, dass die von Johny Aldair Williams Pereira beauftragte Anwaltskanzlei Schoch, Auer & Partner in St. Gallen vom Verein verlangt habe, Wellingtons Lohn zu verpfänden. Wellington selber sagt, dass Rechtsanwalt Thomas Mayer von besagter Kanzlei anfangs September von ihm schriftlich verlangt habe, die Schuld zu begleichen. Da man aber die Echtheit des Dokuments abstreitet, hat man den Originalvertrag verlangt und seither nichts mehr gehört. Der eingeschriebene Brief an die Kanzlei liegt der Aargauer Zeitung ebenfalls vor. Mayer beantwortet entsprechende Fragen nicht. Er beruft sich auf seine Schweigepflicht.

Spielervermittler schweigt zum «Fall Wellington»

Nur begrenzt schweigt hingegen Spielervermittler Peter Bozzetti. Er sagt zwar, dass er zum Fall Wellington «keine Stellung nehmen kann», da er nicht involviert sei. Die Behauptung in besagter Erklärung von René Meier, er Bozzetti habe versucht, als neuer Berater des Spielers Wellington mit dem FC Wohlen Kontakt aufzunehmen, sei «absoluter Quatsch». Auch Wellingtons Anwalt Simon Käch stört sich an dieser Behauptung. Es gehe nur darum, den Spieler durch die suggerierte Nähe zu Bozzetti unglaubwürdig zu machen. In diesem Kontext sei auch die Behauptung zu sehen, Wellington habe Schulden aus seiner Zeit beim SC Kriens.

Bozzetti selbst sagt, dass der Spieler Wellington bei ihm nie einen Franken Schulden gehabt habe. Hingegen habe Wohlens Trainer Davide Sesa dem Spieler Geld geliehen. Sesa hat dies bereits vor zwei Wochen bestätigt. Zurückbekommen habe er dieses «Darlehen» von Wellington nicht. Wellingtons Bekannter sagt, dass es sich dabei um eine Summe von 800 Franken handle. Dessen Rückzahlung habe Sesa dem Brasilianer erlassen.

Der Gute gegen die Schlechten

Beim FC Wohlen stört man sich daran, dass die Rollen «Good Guy, Bad Guy» einseitig zuungunsten des Klubs verteilt seien. Die Verweigerung, in dieser Sache Auskunft zu geben, hat zweifellos dazu beigetragen, da es dadurch nicht einfach ist, Behauptungen auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Stimmen im Verein sagen, auch Wellington habe vieles falsch gemacht. Dass er kein einfacher Spieler sei, zeige schon allein die Tatsache, dass der Brasilianer in der Vergangenheit nie lange beim gleichen Verein unter Vertrag stand.

Und er habe vor allem finanziell klar über seinen Verhältnissen gelebt. Wellington sei sich dessen erst bewusst geworden, als er kein Geld mehr hatte, um seine Rechnung zu bezahlen. Als Beispiel wird angeführt, dass sich der Spieler mitsamt Familie beim Fussball-Länderspiel Schweiz - Brasilien teure Plätze im Stadion geleistet habe. Bei seinen ehemaligen Schweizer Arbeitgebern hat man im Bezug auf Wellington keine schlechten Erfahrungen gemacht. «Wellington hat sich während seiner Zeit bei uns jederzeit sehr gut verhalten. Dass er nur eine halbe Saison lang beim SC Buochs spielte, lag daran, dass der Spieler höhere Ambitionen als die 1. Liga hatte», sagt Christoph Wyss, der ehemalige Sportchef des SC Buochs.

Für Wellington wird sich diesen Donnerstag die Akte Schweiz wohl für immer schliessen – Strafanzeige wegen übler Nachrede gegen René Meier hin, Anklage wegen Urkundenfälschung gegen den Spieler her.

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