Der Jubel beim FC Wohlen im Stadion Schützenmatte in Winterthur ist riesig. Spieler und Funktionäre liegen sich nach dem 2:0-Sieg gegen die Zürcher und der gleichzeitigen 0:3-Niederlage von Locarno gegen Lugano in den Armen. Der Ligaerhalt ist geschafft. Eine nervenaufreibende Saison endet mit einem versöhnlichen Abschluss.

Kullern einem Spieler des FC Wohlen etwa gar Tränen über die Wangen? Tatsächlich: Michael Winsauer erlebt im Moment des sportlichen Glücks ein Wechselbad der Gefühle. Der Captain des FC Wohlen beendet nach dem Heimspiel gegen Servette am nächsten Samstag seine 13-jährige Profikarriere.

Michael Winsauer, warum ist für Sie Schluss mit Profifussball?

Michael Winsauer: Das war kein einfacher Entscheid. Die Verantwortung als Primarlehrer an der Schule in Waltenschwil, die Verantwortung als frischgebackener Familienvater und die Verantwortung als Captain des FC Wohlen wurde mir zu viel. Wenn ich etwas anpacke, dann möchte ich es nicht halbherzig, sondern mit Leib und Seele machen. In dieser Konstellation konnte es jedenfalls nicht weitergehen.

Sie sind erst 31 Jahre alt: Sie hätten problemlos noch einige Jahre spielen können.

Das stimmt. Aber wie schon gesagt: Ich musste mich für eine Sache entscheiden. Meine Frau Sandra und Söhnchen Fabio stehen an oberster Stelle. Der Job als Lehrer macht mir ebenfalls grossen Spass. Also entschied ich mich, in Sachen Fussball kürzerzutreten.

Wann fiel der Entscheid?

Es war ein schleichender Prozess. Der Entscheid fiel vor zwei Monaten.

Warum haben Sie das Ganze so lange geheim gehalten?

Das habe ich bewusst so gemacht. Ich wollte den Fokus voll auf den Ligaerhalt richten. Die Bekanntgabe des Entscheids hätte auf unsere sensible Mannschaft negative Auswirkungen haben können.

Apropos sensible Mannschaft: Wie haben Sie die Saison 2013/14 erlebt?

Es war eine intensive Saison mit Höhen und Tiefen. Glücklicherweise gab es ein Happy End.

Wie gross war der Druck im Abstiegskampf?

Riesig. Mit einem Abstieg wollte ich nicht von der Fussballbühne abtreten. Das wäre für mich ein Horrorszenario gewesen.

Welchen Anteil am Erfolg hat Trainer Ciriaco Sforza?

Einen riesengrossen Anteil. Nicht nur der Trainer, auch die Spieler haben im Abstiegskampf eine Reifeprüfung abgelegt. Solche Situationen sind für einen Profi eine Lebensschule. Vor allem junge Spieler können sehr viel lernen. Ciri hat viel riskiert. Ihm ist es gelungen, das Optimum aus der Mannschaft zu kitzeln. Er hat viel Fingerspitzengefühl gezeigt. Er ist und bleibt ein grosser Trainer.

Nach dem Heimspiel gegen Servette am nächsten Samstag ist für Sie nun also Schluss mit Fussball: Gibts nach dem Schlusspfiff ein Abschiedsfest?

Natürlich. Ich möchte im Stadion Niedermatten zwei, drei Fässer Bier zur Verfügung stellen. Die Fans können sich bedienen, solange der Vorrat reicht. Ich durfte beim FC Wohlen vier wunderschöne Jahre erleben, freue mich jetzt schon auf das Abschiedsfest und möchte mich vor allem bei René Meier und Andy Wyder für die tolle Zusammenarbeit bedanken. Jetzt ist es Zeit, zu gehen. Und als Österreicher sage ich zum Abschied leise Servus.