Plötzlich stand er da. Mitten in der Vorbereitung auf die laufende 3.-Liga-Saison hatte Joel Nietlisbach im vergangenen Herbst einen Eishockeyaner mehr im Kader. Der Trainer des HC Wohlen Freiamt nahm den neuen Mann während eines Probetrainings kritisch unter die Lupe. «Danach war für mich und die Mannschaft klar – diesen Spieler verpflichten wir», schmunzelt Nietlisbach. Der Neue mit Namen Kadri Presheva war damals 21-jährig und sprach weder Deutsch noch Englisch. Aber: «Der Junge konnte Eishockey spielen, das haben wir sofort gesehen.» Dass Presheva beim beschaulichen HC Wohlen Freiamt landete ist der Tatsache geschuldet, dass in der 1. und 2. Liga keine Ausländer spielen dürfen. «Unser Glück», sagt Nietlisbach.

Inzwischen ist über ein halbes Jahr ins Land gezogen. Presheva sitzt zusammen mit seinem Kollegen Peter Cechura im wohlig warmen Eisbahn-Restaurant und bestellt bei Wirtin Maya Saxer einen Tee. Wenn er von seiner ersten Zeit in der Schweiz erzählt, huscht ihm immer wieder ein zufriedenes Lächeln übers Gesicht. Presheva ist fleissig daran, unsere Sprache zu lernen und kann bereits einige Brocken Deutsch sprechen («Hochdeutsch oder Mundart, das ist für mich das selbe»). Dennoch muss Kollege Cechura immer wieder übersetzen.

Lange Tage und grosse Pläne

Presheva lebt erst seit einem Jahr in der Schweiz und wohnt im zürcherischen Buchs. Arbeit gefunden hat er bei einem internationalen Kurierdienst. Die Tage sind lang. Aufstehen um vier Uhr und Nachtruhe, wenn am Abend trainiert wird, kaum vor Mitternacht. Auch wenn er lediglich in der 3. Liga spielt, seinen Traum, vom Eishockeyspielen leben zu können, den hat er immer noch. «Mir gefällt es ihn Wohlen sehr gut. Und wenn ich einmal wechsle, dann nur zu einem Nationalliga-Verein», so Presheva selbstbewusst. Wohlen-Trainer Nietlisbach attestiert seinem Stürmer durchaus ein gewisses Potenzial. Aber um ganz oben zu spielen brauche es dann doch noch etwas mehr.

In Tschechien spielte Presheva für Kobra Prag. Dort trainierte er auch Kinder. «Das hat mir sehr gut gefallen und das würde ich auch hier in der Schweiz gerne wieder machen.»

Entscheid am 14. Februar – L oder B?

Vor dem morgigen letzten Meisterschaftsspiel gegen die als einziger Absteiger feststehende Yatzy Selection aus Basel (19 Uhr, Arena St. Jakob) liegt Presheva – er spielt Flügel oder Center – in der vereinsinternen Skorerwertung mit 9 Toren und 11 Assists auf Rang 2. Wichtiger als das restliche Meisterschaftsspiel mit Wohlen ist für Presheva allerdings der Valentinstag. Nicht etwa, weil er am 14. Februar Blumen kaufen muss. Dann kommt aus, ob seine Aufenthaltsbewilligung L als Kurzaufenthalter um ein Jahr verlängert wird. Oder ob er in den Besitz der angestrebten Bewilligung B kommt, die ihm fünf Jahre Bleiberecht in der Schweiz zusichern würde.

Egal, ob L oder B – auf der baufälligen Wohler Kunsteisbahn haben sie den Mann aus Prag längst ins Herz geschlossen. «Kadri ist ein guter Typ. In der Kabine eher ruhig, aber nach den Trainings sehr gesellig», schmunzelt Trainer Nietlisbach. Was der Begriff «sehr gesellig» bei gestandenen Eishockeyanern bedeutet, kann man sich leicht ausmalen. 1000 Franken kostete die Wohler der Wechsel von Presheva. Das ist der übliche Betrag bei einem internationalen Transfer. «Das war aus sportlicher Sicht gut investiertes Geld gewesen», sagt TK-Chef Christian Wüthrich zufrieden.