Fussball
«Wohlen war mein Experiment», erinnert sich der Tessiner ex Trainer

Wohlen trifft am Sonntag in Lugano (16 Uhr) auf seinen Ex-Trainer Livio Bordoli. Einen Resultat-Tipp lässt sich Bordoli nicht entlocken. «Aber es ist klar, dass wir mit allen Mitteln die drei Punkte bei uns behalten wollen.»

Ruedi Burkart
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Livio Bordoli spielt mit seiner Mannschaft morgen gegen seinen ehemaligen Klub. key

Livio Bordoli spielt mit seiner Mannschaft morgen gegen seinen ehemaligen Klub. key

KEYSTONE

Die Szene ereignete sich im Frühling vor einem Jahr. Die gesamte Nachwuchsabteilung des FC Wohlen logierte für eine Woche im Trainingslager in Magliaso nahe Lugano. Am Abschlussabend machte Livio Bordoli seine Aufwartung im Lagerhaus.

Er, ein Jahr zuvor beim FCW entlassen, wurde von allen freudig empfangen. Auch Bordoli hatte für jeden ein freundliches Wort übrig. Es war fast wie zu seiner Zeit als FCW-Übungsleiter, als er der Liebling der Fans war.

«Ich erinnere mich gerne an die Zeit bei euch in Wohlen», strahlte Bordoli. Und auch im Freiamt erinnern sich die Fans gerne an den freundlichen, zuvorkommenden Mann aus dem sonnigen Tessin. Seine Entlassung im Mai 2011 vier Runden vor Saisonschluss warf damals bei den Anhängern hohe Wellen.

Es war ein Experiment

Wohlen war für den 50-jährigen Bordoli die erste und bisher auch letzte Station in der Deutschschweiz. «Es war für mich ein Experiment, ausserhalb des Tessins ein Team zu übernehmen», blickt er zurück. «Ich hatte vor, ein paar Jahre beim FC Wohlen zu bleiben.»

Pech für ihn, dass er ausgerechnet in jener struben Zeit bei Wohlen war, als sich die Trainer in schwindelerregender Kadenz die Klinke in die Hand gaben. Bordoli, Schönenberger, Kunz, Komornicki – zwischen Mai 2011 und Februar 2012 war es ein Kommen und Gehen. FCW-Präsident Andy Wyder damals: «Bordoli hat sich relativ schnell abgenützt.»

Zeit heilt Wunden

Man sagte dem Tessiner auch nach, schlicht eine Spur zu nett gewesen zu sein. «Ach was», so Bordoli, «aber ich bin halt so, wie ich bin.» Gescheitert ist er auf der Niedermatten nach eigenen Aussagen wegen Problemen mit René Meier, Wohlens Challenge-League-Chef.

«Ich sagte immer meine Meinung. Das passte nicht allen.» Und als die Resultate nicht mehr stimmten, war Bordoli schnell weg. Doch die Zeit heilt alle Wunden. Und schon bald einmal nach Bordolis Rückkehr ins Tessin hatten die beiden keine Probleme mehr miteinander.

Keine Geschenke geplant

Nach dem «Abenteuer» in Wohlen wirkte Bordoli bei Erstligist Mendrisio-Stabio, letzte Saison bei Chiasso in der Challenge League und zu Beginn der Saison war er Bellinzonas «Gratis-Trainer».

Im September beerbte er in Lugano den glücklosen Italiener Sandro Salvioni und unterschrieb einen Vertrag bis 2015. Den ersten Sieg gabs vor einer Woche beim 3:1 gegen Schaffhausen.

Bemerkenswert: Der albanische Nationalspieler Armando Sadiku (22) fand nach dem geplatzten Transfer ins Ausland zu alter Stärke zurück und erzielte gegen Schaffhausen zwei Tore.

Aktuell liegen die Tessiner gerade mal auf Rang sieben, fünf Punkte vor dem morgigen Gegner aus Wohlen. Das sei kein grundsätzliches Problem, so Bordoli. «Schliesslich hat Lugano in dieser Saison eine Million Franken weniger zur Verfügung als vor einem Jahr.»

Und da könne das realistische Ziel nur Ligaerhalt heissen. Einen Resultat-Tipp für das morgige Spiel lässt sich Bordoli nicht entlocken. «Aber es ist klar, dass wir mit allen Mitteln die drei Punkte bei uns behalten wollen.» Und den FCW – bei dem weiterhin die unsägliche Informationssperre gilt – um bereits acht Zähler distanzieren.