Challenge League
Wohlen verliert kurioses Spiel in Schaffhausen: «Logisch, dass sich jetzt die Trainerfrage stellt»

2:3 in Schaffhausen – Wohlen gibt ein fast gewonnenes Spiel noch aus der Hand. Was heisst das für Francesco Gabriele?

Sebastian Wendel
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Francesco Gabriele steht in Frage. Er sagt: «Wir werden nicht belohnt für unsere guten Auftritte», ist sich aber bewusst, dass sein Stuhl wackelt.

Francesco Gabriele steht in Frage. Er sagt: «Wir werden nicht belohnt für unsere guten Auftritte», ist sich aber bewusst, dass sein Stuhl wackelt.

Steffen Schmidt/freshfocus

Sieben Spiele alt ist die Rückrunde. Sieben Spiele, in denen der FC Wohlen gerade mal einen Punkt holte. Man muss weit zurückblättern in den Geschichtsbüchern, um auf eine ähnlich krasse Freiämter Baisse in der Challenge League zu stossen: 2006/07 wars, als Wohlen keines der ersten 14 Saisonspiele gewann und später in sieben aufeinanderfolgenden Partien nur einmal punktete.

Anhaltend schlechte Resultate führen irgendwann zur Frage: Braucht es einen neuen Trainer? Spätestens seit heute und der 2:3-Niederlage beim Tabellennachbarn Schaffhausen liegt das Thema «Trainer» auch im Freiamt wieder auf dem Tisch. Zum zweiten Mal in dieser Saison, nachdem man im vergangenen September den zu Wil abgewanderten Martin Rueda ersetzen musste.

Martin Rueda (Bild) ist Gabrieles Vorgänger.

Martin Rueda (Bild) ist Gabrieles Vorgänger.

KEYSTONE/URS FLUEELER

Auf den Ur-Wohler Rueda folgte Francesco Gabriele. Dieser sagt heute im Kabinenbereich des schmucken neuen Schaffhauser Stadions: «Ich denke, die Klubleitung sieht die Spiele ja auch.» Es klingt nach dem 2:3 im wegweisenden Spiel gegen den Tabellennachbarn wie ein Hilferuf. Gabriele will sagen: So schlecht, wie die Resultate es suggerieren, ist die Ausgabe 2017 des FC Wohlen nicht. Der 40-Jährige weiter: «Wir werden nicht belohnt für unsere guten Auftritte.»

Man muss Gabriele recht geben. Teilweise zumindest. Was die Wohler in den ersten gut 60 Minuten zeigen, ist alles andere als das, was man von einer Mannschaft in der Abwärtsspirale erwartet. Ja, das ist gemessen am Potenzial und dem mentalen Zustand sogar grosse Klasse. Clever, wie Wohlen dem Heimteam das Spieldiktat überlässt und mit einer Fünfer-Abwehrkette die Räume dicht macht. Eiskalt, wie die Offensivabteilung die wenigen Chancen verwertet.

Bereits nach 75 Sekunden nutzt Schultz die Anfangsschläfrigkeit der Schaffhauser Abwehr aus – 1:0. Und in der 41. Minute, also wie schon das 1:0 zum perfekten Zeitpunkt, fällt nach einem Konter das 2:0 durch Pacar. Dass Schultz zwischenzeitlich einen Penalty kläglich vergeben hat, scheint zur Halbzeit nebensächlich. Zu harmlos Schaffhausen, zu abgebrüht dieser FC Wohlen.

Alain Schultz, hier im Brügglifeld, erzielte bereits in der zweiten Minute das 0:1.

Alain Schultz, hier im Brügglifeld, erzielte bereits in der zweiten Minute das 0:1.

Andy Mueller/freshfocus

Doch was dann passiert, ist unerklärlich – und könnte Gabriele in den nächsten Tagen den Job kosten. Er sagt: «Logisch, dass sich jetzt die Trainerfrage stellt. Mir bleibt nichts anderes übrig, als weiterhin 24 Stunden pro Tag alles zu geben.»

Aus dem Nichts erhält Schaffhausen nach 69 Minuten einen Penalty. Aus dem Nichts, weil das Foul von Castroman an Taipi total unnötig ist. Als wäre das 1:2 durch Lang nicht schon Strafe genug, fliegt Castroman auch noch mit Gelb-Rot vom Platz. Das Momentum liegt plötzlich beim Heimteam – sechs Minuten später steht es 2:2. Irgendwie passend, dass dabei der zuletzt so starke Goalie Kiassambua Torschütze Demhasaj den Ball vor die Füsse legt.

Gabriele wechselt in diesem kritischen Moment Alain Schultz aus, was erstaunt. Umso mehr, da der Captain kein gesundheitliches Problem hat. Das 3:2 für Schaffhausen besorgt erneut Demhasaj – ohne Wohler Gegenwehr. Innert 20 Minuten bricht ein stabiles Gerüst wie ein Kartenhaus ineinander – bedenklich.

Um den Abstieg dürfte der FC Wohlen auch in dieser Saison herumkommen. Kaum vorstellbar, dass Wil die Saison zu Ende spielt, geschweige denn eine Lizenz für die nächste erhält. Trotzdem: Sollte Gabriele nach der Länderspielpause immer noch Wohlen-Trainer sein, wäre dies zumindest eine kleine Überraschung.

Hier können sie die Ereignisse des Spiels im Liveticker nachlesen: