Am Ende hängen sie doch, die Köpfe der Wohler. Durchnässt stehen sie da vor ihren Fans, die ziemlich in Rage sind. Nicht etwa, weil diesen die Darbietung der Freiämter gänzlich missfiel, sondern weil sie noch immer mit den Entscheidungen des Schiedsrichters hadern. Kurz vor Schluss nämlich schien dieser Nachmittag für ein paar wenige Sekunden doch noch ein guter zu werden. Es lief die Nachspielzeit, als der Ball nach einem Corner zu Mittelfeldspieler Marko Bicvic kam, dieser einen Gegenspieler mittels Finte stehen liess und per Distanzschuss das 2:2 erzielte. Doch noch bevor sich Bicvic für eine Jubelgeste entscheiden konnte, lamentierten die ersten Kollegen lauthals. Die Fahne des Assistenten wehte nämlich in der Luft. Abseits. Ob es wirklich eines war, kann nach dem Spiel kein Beteiligter mit Gewissheit sagen. Auch deshalb ist neben dem Wohler Anhang auch Trainer Francesco Gabriele nach Spielschluss ziemlich aufgebracht. Er begleitet das Schiedsrichter-Trio tobend in den Kabinentrakt. Ein Bild, das veranschaulicht, wie gross die Anspannung an diesem Sonntagnachmittag war.

Heisse Schlussphase

Gegen Servette wollten die Freiämter vor allem eines: sich rächen. Vor knapp zwei Monaten nämlich gingen sie gegen ebendieses Genf mit 1:6 unter. Notabene beim ersten Spiel unter der Leitung von Trainer Gabriele. Damals ebnete ein frühes Tor den Weg zum Wohler Niedergang. Und weil gestern Servette ein solches dank Matias Vitkieviez wiederum gelang, schwand die Hoffnung auf Rache bereits wieder ein beachtliches Stück. Nach dem Spiel wird Trainer Gabriele sagen, dass seit diesem 1:6 in Genf etwas passiert sei. Damit hat er Recht. Denn während die Wohler Mitte September nach dem Rückschlag einbrachen und letztlich gar schikaniert wurden, liessen sie sich gestern, 56 Tage später, nicht mehr so einfach von ihrem Matchplan abbringen. Weder fiel Wohlens Abwehr auseinander, noch blieb die Offensive harmlos. Nur war der Output gegen dieses Servette letztlich wieder zu wenig.

Richtig lanciert wurde dieses Kräftemessen, als Genfs Liassine Cadamuro in der 70. Minute die Gelb-Rote Karte sah. Wohlen intensivierte seine Offensivbemühungen im Anschluss weiter, lief neun Minuten nach dem Platzverweis aber in einen Konter, welcher den zweiten Genfer Torerfolg an diesem Nachmittag einleitete. Florian Berisha traf. Die Freiämter Hoffnung auf einen Punktgewinn schien plötzlich verflogen, doch nur 360 Sekunden später war sie schon wieder zurück. Captain Alain Schultz gelang per Penalty der Anschlusstreffer, nachdem eine Intervention von Servette Goalie Jérémy Frick vom Unparteiischen als regelwidrig taxiert wurde. Trotz emsiger Schlussphase gibt es für den FC Wohlen letzten Endes aber keine Punkte. Wie immer in dieser Spielzeit, wenn er das erste Tor im Spiel kassiert. Für eine gute Leistung sei seine Mannschaft heute nicht belohnt worden, meint Trainer Gabriele nach Spielschluss. Ähnlich sieht das Florian Stahel. Dass sein Team auch im siebten Heimspiel keinen Sieg einfahren konnte, beunruhigt den Innenverteidiger aber nicht: «Würde ich sehen, dass wir keine Fortschritte machen würden und wir chancenlos wären, dann würde es mich beschäftigen. Aber so ist es ja nicht.» Nichtsdestotrotz misslingt den Freiämter an diesem Nachmittag nicht nur der Rachefeldzug, sondern auch das Aufbauen eines Sechs-Punkte-Polsters auf Schlusslicht Schaffhausen.

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker:

Wohlen - Servette