FC Wohlen

Wohlen-Trainer Rueda im Interview: «Diese Situation tut mir auch weh»

Ist überzeugt, dass seine Mannschaft bald wieder den Tritt findet: Wohlen-Coach Martin Rueda.

Ist überzeugt, dass seine Mannschaft bald wieder den Tritt findet: Wohlen-Coach Martin Rueda.

Wohlen-Trainer Martin Rueda spricht über den durchzogenen Saisonstart, die Leistung der Neuen und erklärt, dass Wohlen den Gehälter-Wahnsinn in der Challenge League nicht mitmachen will.

Martin Rueda, in den letzten drei Meisterschaftsspielen kassierte der FC Wohlen sieben Gegentreffer. Ihre Defensive, die vor der Saison als neuer Trumpf proklamiert worden war, konnte jüngst nicht so viel Sicherheit ausstrahlen wie erhofft. Woran liegt das?

Martin Rueda: Die vier Gegentore bei der Niederlage in Zürich haben wohl mehr ausgelöst, als wir dachten. Nur, weil wir jetzt in den letzten Spielen aber diese Tore kassiert haben, würde ich jetzt nicht gleich sagen, dass wir alles wieder anders sehen müssen. Ich glaube noch immer an unsere Defensivstärke, insbesondere an jene von Sead Hajrovic und Florian Stahel. Diesem Duo alles in die Schuhe zu schieben, wäre falsch. Es ist die ganze Mannschaft, die defensiv nicht gut gearbeitet hat.

Haben Sie sich von den Zugängen für die Defensive – sprich von Hajrovic, Stahel oder Foschini – mehr erhofft?

Sagen wir es so: Ich war vor allem nach der Heimniederlage gegen Chiasso enttäuscht. Dass man mit diesen erfahrenen Spielern so eine verunsicherte Darbietung abliefern kann, hat mich sowohl überrascht als auch enttäuscht. Ich dachte, die Neuen können von Beginn an dazu beitragen, dass wir nicht mehr so oft in diese Situationen kommen.

FC Wohlen Saison 2016/17

Was denken Sie über Jungstürmer Marko Dangubic?

Marko wird von den Medien auseinandergenommen, obwohl alle im ersten Spiel noch sagten, dass er ein Versprechen sei. Ich muss diesem Jungen doch auch seine Zeit zugestehen. Er spielte im Frühjahr noch in der 1. Liga Classic, reibt sich nun in jedem Spiel auf, kämpft gegen gestandene Verteidiger und gibt Vollgas. Ich kann ihm keinen Vorwurf machen, nur weil er sich da vorne im Sturm nicht so durchsetzen kann. Denn: Wer konnte hier im letzten Jahr schon so regelmässig Tore liefern, wie wir uns das wünschten? Niemand. Wir haben uns für Marko Dangubic entschieden und unterstützen ihn nun auch. Wenn das nicht passt, brauchen wir einen anderen Stürmer, einer mit einem gewissen Palmarès. Aber das kostet.

Marko Dangubic

Marko Dangubic

Ein weiterer Stürmer hätte noch verpflichtet werden sollen. Wahrscheinlicher ist nun aber, dass nichts mehr passiert.

Viel Zeit haben wir nicht mehr. Wir waren an einem gestandenen Stürmer dran, dann hat es aber doch nicht geklappt. Wir können jetzt nun mal nicht einen Stürmer für 20 000, 15 000 oder 10 000 Franken Monatslohn unter Vertrag nehmen. Wenn wir 15 000 Franken zahlen würden – was in der Challenge League ja im Moment gang und gäbe ist – würden wir wohl schon noch einen Stürmer finden. Aber das wollten wir als Verein ja auch nicht. Der Weg des FC Wohlen sollte ein vernünftiger bleiben.

Das einzige Saisontor von Dangubic gegen Le Mont

Die Stürmersuche muss ermüdend sein.

Ja, vor allem weil wir seit Roman Buess’ Abgang im vergangenen Sommer nach diesem einen Stürmer suchen. Da kommt halt das Problem mit dem Budget hinzu und so weiter und sofort.

Auch Neuzugang Janko Pacar kann als Stürmer auflaufen, wie steht es um ihn?

Was er noch benötigt, ist Zeit. Zuletzt spielte er nicht regelmässig, ihm fehlt also noch die Spielpraxis. Zudem bin ich mir noch nicht sicher, welche Position für Janko ideal ist.

Frappant ist, wie abhängig das Team von Torwart Kiassumbua und Captain Schultz ist.

Es ist schon einiges, das momentan auf ihren Schultern lastet. Aber genau dafür haben wir einen Hajrovic, einen Stahel oder einen Foschini geholt. Auch bereits Etablierte wie Muslin und Abegglen müssen die Mannschaft tragen. In den ersten beiden Spielen haben sie das auch gemacht, in den jüngsten Auftritten weniger. Ich bin aber überzeugt, dass wir wieder den Tritt finden.

Alain Schultz trifft gegen Chiasso vom Punkt.

Der FC Wohlen hat keinen Mentaltrainer, Sie übernehmen diese Funktion.

So gut ich kann, ja. Ich und mein Staff versuchen, den Spielern mit Gesprächen wieder Vertrauen zu schenken. Wir zeigen Ihnen auf, was sie bisher gut gemacht haben. Faul oder liederlich ist meine Mannschaft ja nicht. Aber jeder Spieler ist ein Stück weit auch für sich selbst verantwortlich. Wenn man als Spieler selbst nicht an sich glaubt, wie sollen dann andere an dich glauben?

Wie schwierig ist das für Sie, stets diese Zuversicht zu versprühen und die Spieler zu pushen?

Letztlich ist es mein Job. Aber klar, einfach ist es nicht. In erster Linie tun mir diese Situationen ja auch weh. Nach gewissen Auftritten fragt man sich schon, was da los war. Wichtig ist dann, dass ich das Geschehene in Ruhe für mich analysieren, die Lehren daraus ziehen und das Ganze schliesslich abhaken kann.

Es gibt einige Stimmen, die sich fragen, warum Sie Neuzugang Janick Kamber immer als Linksverteidiger und nicht in der Offensive einsetzen. Erfahrung als Linksaussen hat er ja genug.

Das ist so. Aber es ist nicht nur seine Position, die ich beachten muss. Nominiere ich einen Spieler irgendwo anders, können daraus auch Folgeprobleme entstehen. Kamber ist jetzt hinten links, da wir in Le Mont so begannen und Olivier Kleiner verletzt war.

Janick Kamber

Janick Kamber

Aber jetzt wäre Kleiner ja wieder fit.

Ja, aber ich muss auch nicht nach ein, zwei schlechten Spielen gleich wieder alles ändern.

Kleiner aber brachte letzte Saison ziemlich Schwung ins Wohler Spiel.

Ja, aber wir haben auch viele Punkte liegen gelassen, weil auch er als Junger einige Fehler gemacht hat. Das hat man vielleicht nicht gesehen. Aber in der Rückrunde haben wir weniger Punkte gemacht als in der Hinrunde, wo Kleiner noch nicht dabei war. Es ist nun mal nicht so, dass man nach zwei, drei guten Spielen das Gefühl haben darf, dass alles super ist. Er durfte spielen und seine Erfahrungen sammeln, aber auch er hatte seine Probleme.

Muhamed Seferi, das Wohler Eigengewächs, spielte bisher auch noch nicht.

Im Training muss er sich noch mehr aufdrängen, dann erhält auch er seine Chance. Das Kader ist ja nicht sehr gross. In unserer aktuellen Situation muss ich mir aber auch gut überlegen, ob ich noch einmal einen zusätzlichen Jungen bringen will.

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