Challenge League
Wohlen-Trainer Jakovljevic: «Rapperswil hätte das Spiel niemals mit elf Spielern beenden dürfen»

Der Wohlen-Trainer Ranko Jakovljevic wetterte nach der 2:3-Niederlage in Rapperswil gegen den Unparteiischen. Er gab sich aber auch einsichtig.

Nicola Imfeld
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Ranko Jakovljevic war gegen Rapperswil mit dem Schiedsrichter nichts zufrieden.

Ranko Jakovljevic war gegen Rapperswil mit dem Schiedsrichter nichts zufrieden.

KEYSTONE/WALTER BIERI

Selten war Wohlen-Trainer Ranko Jakovljevic dermassen aufgebracht wie am Samstagabend in Rapperswil-Jona. Sein Team hatte soeben eine 2:1-Führung und einen sichergeglaubten Sieg aus der Hand gegeben. Nach 90 Minuten standen die Freiämter letztlich ohne einen einzigen Punkt da.

Jakovljevic musste sich nach dem Schlusspfiff erst in den Katakomben sammeln, ehe er mit der «Aargauer Zeitung» sprach. Seine Wut richtete sich in erster Linie gegen den Unparteiischen Alessandro Dudic: «Die Schiedsrichterleistung war schlecht, sehr schlecht sogar. Rapperswil hätte das Spiel niemals mit elf Spielern beenden dürfen.» Der Freiämter-Coach hatte eine Tätlichkeit eines Rapperswil-Spielers in der zweiten Halbzeit und ein hartes Einsteigen des gelbvorbelasteten Cristian Pecci an der Mittellinie gesehen.

Schiedsrichter Dudic hatte sich an diesem kühlen Sommerabend in der Ostschweiz tatsächlich für eine grosszügige Auslegung der Regeln entschieden. Allerdings auf beiden Seiten. Als Wohlens-Mittelfeldterrier Marko Bicvic bereits in der zweiten Minute seinen Gegenspieler an der Seitenlinie mit einer Scheren-Grätsche ummähte, kam der 26-Jährige ebenfalls ohne Karte davon.

«Nach diesem Horror-Foul haben meine Spieler gemerkt, wo die Messlatte von Herrn Dudic liegt. Klar, dass wir dann unsere Pace erhöhten», sagte Rapperswil-Trainer Urs Meier. Der Schiedsrichter hatte nach Auffassung des Ex-FCZ-Coachs seine grosszügige Linie durchgezogen. «Wohlen kann deshalb sicher nicht den Unparteiischen für seine Niederlage verantwortlich machen», schloss Meier leicht genervt.

Wohlens Passivität

Das tat Ranko Jakovljevic dann auch nicht. Zumindest nicht ausschliesslich: «Ich bin nicht der Typ, der den Schiedsrichter nach dem Spiel beschuldigt. Aber heute ist es einfach ärgerlich. Natürlich haben wir uns letztlich auch selbst geschlagen.» Jakovljevic sprach die unglaubliche Passivität seines Teams im Anschluss an den 2:1-Führungstreffer nach rund einer Stunde an.

Seine Mannschaft, die zuvor die Partie im Griff hatte und Rapperswil nur eine einzige Torchance zugestand, zog sich in der Folge tief in die eigene Platzhälfte zurück. Jakovljevic beschreibt den ungewollten Rückzug mit der «Angst vor dem Sieg».

Es kam, wie es kommen musste: Beim 2:2 degradierte Rappi-Captain Mychell Da Silva die Wohler Verteidiger zu Slalomstangen, und beim 3:2-Siegtreffer kurz vor Schluss sah Wohlen-Torhüter Flamur Tahiraj unglücklich aus. «Ja, diesen Schuss hätte Tahiraj wohl halten können», gab auch Jakovljevic zu.

Der 50-jährige Freiämter-Coach wird aber nicht nur seinen Schlussmann aufrichten müssen. Denn nach der blamablen Cup-Pleite gegen die Zweitligisten von Linth 04 (0:4) hat sein Team zwar eine Reaktion gezeigt. Trotzdem setzte es die fünfte Niederlage im sechsten Pflichtspiel der Saison ab. Noch schlechter in die Saison gestartet sind einzig Kantonsrivale Aarau und der FC Winterthur, wobei die Zürcher Wohlen nach ihrem heutigen Spiel gegen Servette noch überholen können.