Challenge League
Wohlen-Trainer Jakovljevic: «Man darf nicht vergessen, wie jung unser Team ist»

Nach dem Punktgewinn gegen Chiasso kann der FC Wohlen ein wenig verschnaufen. Um den verletzt ausgewechselten Captain Alain Schultz steht noch immer ein Fragezeichen.

Manuel Fasol
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Ranko Jakovljevic (Bildmitte) konnte sich am Samstag über den sehr späten Ausgleich freuen.

Ranko Jakovljevic (Bildmitte) konnte sich am Samstag über den sehr späten Ausgleich freuen.

Freshfocus

Das war knapp! Nach einer mehr als durchzogenen Leistung sichert sich der FC Wohlen in extremis einen Punkt. Bezeichnend für das Spiel am Samstagabend im Stadion Niedermatten: Der Ausgleich in letzter Sekunde fiel aus einer Standardsituation. Spielerisch vermochten die Freiämter keineswegs zu überzeugen, bis auf eine kurze Phase kurz vor der Pause.

Das bestätigt auch Siegtorschütze Marko Bicvic: «Es war kein sehr gutes Spiel von uns, wir hatten Mühe mit der Raumaufteilung.» Er wusste deshalb, dass er in der 94. Minute mit seinem Freistoss einen verkorksten Abend noch versöhnlich beenden konnte. «Der Schiedsrichter sagte, dass er nach dieser Aktion abpfeifen werde.» Also fasste sich Bicvic ein Herz und schlenzte das Leder unhaltbar über die Mauer und ins Netz.

Die entscheidende Szene dieser Partie ereignete sich allerdings nicht in der Schlussphase, sondern ganz zu Beginn. Bereits nach 13 Spielminuten musste Captain und Offensivleader Alain Schultz verletzt ausgewechselt werden. Nach einem Sprint zur Seitenlinie griff er sich an die rechte Wade und stürzte.

Auf allen vieren krabbelte er zur Seitenlinie, wo er behandelt wurde. Der 34-jährige Routinier unternahm nochmals einen Versuch, ins Spiel einzugreifen, gab aber nach wenigen Sekunden bereits das Wechselzeichen in Richtung Spielerbank. Am Sonntag sagte Trainer Ranko Jakovljevic, dass es Schultz besser gehe. Am Montag werde nach einem Termin beim Physiotherapeuten entschieden, ob man weitere Abklärungen im Spital vornehmen müsse.

Der FC-Wohlen-Captain Alain Schultz musste gegen Chiasso verletzt raus.

Der FC-Wohlen-Captain Alain Schultz musste gegen Chiasso verletzt raus.

Zur Verfügung gestellt

Es bleibt also abzuwarten, wie lange Schultz dem FC Wohlen fehlen wird. Eines ist jedoch klar: Muss er länger pausieren, haben die Wohler ein Problem. Denn was der Captain ausmacht, zeigte die Phase nach seiner Auswechslung. Es war nicht nur ein spielerischer, sondern vor allem ein psychischer Verlust für das Team.

Die ersten Minuten nach Schultz’ Auswechslung waren desaströs, die Wohler wirkten wie gelähmt. Nichts passte zusammen. Bei Chiassos Führungstor schauten alle zu, eroberten sich die Freiämter einmal einen Ball, verloren sie ihn Augenblicke später wieder. «Einer erfahrenen Mannschaft passiert das vielleicht nicht so schnell. Man darf aber nicht vergessen, wie jung unser Team ist», sagte Jakovljevic nach dem Spiel.

Er monierte, dass die Aufgabe sowieso nicht einfach gewesen sei, da mit Dylan Stadelmann und Kristian Kuzmanovic zwei Stammspieler ebenfalls verletzungsbedingt fehlten. Letzterer wird noch zwei Wochen pausieren müssen, Stadelmann sollte diese Woche wieder normal trainieren können.

Ein Punkt für die Moral

Dennoch zeigte dieses Spiel, im Besonderen der Ausfall von Schultz, wie labil der FC Wohlen in diesen Tagen ist. Nach vier Niederlagen in Folge und dem blamablen Cup-Aus fehlt das Vertrauen. Wie geht es nun weiter? «Wir trainieren», sagt Jakovljevic mit einem Lächeln. «Und wir müssen die individuellen Fehler abstellen.» Aus dem Spiel heraus habe man nicht so viele Chancen zugelassen, gefährlich wurde es dann, wenn man selber die Fehler beging.

Die Wohler haben nun eine Woche Zeit, um sich auf das Derby gegen Aarau vorzubereiten. Der Druck wird nicht geringer, zumal Winterthur sein Samstagspiel mit 2:0 gegen Wil gewonnen und die Freiämter in der Tabelle überholt hat. So gesehen war der Punktgewinn nicht nur hinsichtlich der Tabellensituation viel wert, sondern vor allem für die Moral der Mannschaft, die endlich mal wieder ein Erfolgserlebnis verbuchen konnte. Wenn auch ein kleines.