Es war ein kollektives Versagen aller Feldspieler. Die Freiämter wirkten angesichts der gegnerischen Demonstration gepflegten Kombinationsspiels wie Fahrschüler mit einem L auf dem Rücken. Sie genossen bestenfalls Anschauungsunterricht.

Nach einer munteren Startviertelstunde, in welcher der Underdog aus dem Freiamt mutig nach vorne spielte, zu drei Eckbällen und einigen im Ansatz erfolgversprechenden Aktionen kam, kippte der Wohler Schalter auf das Weichspülprogramm.

Xamax drückte dem Spiel je länger, desto mehr den Stempel auf, kreuzte mit gekonntem Direktspiel in zunehmender Kadenz abwechslungsweise über links, rechts oder durch die Mitte im Strafraum auf. Als Eishockeytrainer hätte Martin Rueda in dieser Phase wohl ein Time-out genommen, um seine immer stärker in die Zuschauerrolle gedrängten Spieler wieder auf den eingeschworenen Kurs zu bringen.

Als Fussballtrainer blieb ihm nichts anderes übrig, als von seinem Personal lautstark zu fordern, sich nicht hinten reindrücken zu lassen. Vergeblich. Es war eine Frage der Zeit, bis Xamax in Führung gehen würde. «Eigentlich hätten wir zur Pause bereits mit drei Toren Unterschied vorne liegen müssen», meinte Doppeltorschütze Charles-André Doudin nach dem Spiel.

Das trostlose Fazit von Martin Rueda

«Xamax hat uns den Schneid abgekauft», hielt Rueda fest und musste ernüchtert realisieren, dass «wir viel zu wenig dagegenhielten». Er vermisste bei seinen Spielern den Biss und eine gesunde Aggressivität in den Zweikämpfen. «Wir waren heute auf allen Positionen die schlechtere Mannschaft» lautete das trostlose Fazit.

Während sich die Spieler im Allgemeinen fehlende Entschlossenheit in den Zweikämpfen vorwerfen lassen mussten, übertrieb es Stürmer Nico Abegglen dafür umso mehr. Nach einem dummen Ballverlust grätschte er in der 55. Minute Gegenspieler Akolo völlig unmotiviert in die Beine und wurde vom guten Schiedsrichter Jaccottet dafür umgehend vom Platz gestellt.

«Das war der Anfang vom Ende», stellte Rueda fest. Anstatt irgendwie doch noch den Rank zurück in diese Partie zu finden, kassierte der FC Wohlen in den ersten zehn Minuten mit einem Mann weniger die Gegentore zwei und drei. Jetzt war der Mist auch für die grössten Optimisten definitiv geführt.

Die zweite Halbzeit geriet zum Neuenburger Schaulaufen. «Die Mannschaft hat grosse individuelle Klasse» sagte auch Martin Rueda anerkennend, während sein Team immerhin aufs Auslaufen verzichten konnte, schliesslich lief man dem Ball bereits zuvor eine gute Stunde lang zumeist hinterher.

Für Martin Rueda bleibt die Aufgabe, das Rätsel der fehlenden Konstanz zu lösen. Nach einem guten Auftritt gegen Le Mont folgte nun ein Ablöscher gegen Xamax. Herr über eine Wundertüte zu sein, ist für den Trainer keine angenehme Situation.

Denn während bei den Tischbomben zu Silvester mit Garantie eine Pappnase und ein schwarzer Anklebeschnauz rausspringen, weiss der Wohler Übungsleiter derzeit nie, was ihn beim Zünden der nächsten Lunte erwartet.