Ringen
Wochenlang hungern für die Bronzemedaille

Reto Stadelmann ist Freiamts neuer Siegringer bis 60 Kilogramm.

wolfgang rytz
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Aargauer Zeitung

Seit sich Reto Stadelmann auf 60 kg abhungert und Freiamt in der zweituntersten Gewichtsklasse verstärkt, befindet sich der Meister im Aufwind.

Heute hilft Stadelmann, die Bronzemedaille gegen Kriessern sicherzustellen. Der 25-jährige Zimmermann-Vorarbeiter erlebt eine harte Zeit. Draussen schneits und stürmts. Da wäre regelmässiges währschaftes Essen zum Aufwärmen auch für Reto Stadelmann ein Seelentrost.

Doch seit ein paar Wochen befindet er sich auf strenger Diät. Nach zehn Einsätzen für das Freiämter Nationalliga-B-Team in der Klasse bis 66kg hat Cheftrainer Marcel Leutert gerufen. Der Rottenschwiler gewann acht Kämpfe und empfahl sich nach zwei letztjährigen Einsätzen erneut für die Nationalliga A.

Doch Platz ist nur bis 60 kg. In dieser Gewichtsklasse fehlt der Ringerstaffel Freiamt ein sicherer Wert, nachdem Teamstütze Markus Weibel aufgrund einer Knieverletzung zurückgetreten ist.

Normalerweise mindestens 67 kg schwer, hungerte sich «Stadi», wie er bei den Freiämtern gerufen wird, herunter. «Das erste Mal wars am schlimmsten», blickt er auf die letzten Novembertage zurück.

Doch er sei konsequent mit sich selber gewesen, entsprechend ging es doch «ziemlich gut». Der Test im letzten Qualifikationskampf gegen Brunnen gelang. Stadelmann besiegte den höher eingestuften Patrick Dähler 1:0 und 3:0.

Ein idealer Teamringer

Noch besser kams im ersten Kampf um Bronze gegen Kriessern. Stadelmann schulterte David Hungerbühler und beflügelte seine Teamkameraden. Aber lohnt sich sein Abhungern «nur» für eine Bronzemedaille? «Für mich zählt das bestmögliche Resultat für Freiamt», sagt er, ohne zu zögern.

Seine zwei Siege seien genügend Lohn. Da nehme er in Kauf, dass der ständige Hunger unter der Woche auf seine Arbeitsleistung drücke. Um so mehr freut sich der Greco- und Freistil-Universalringer auf den letzten Kampf der Saison heute Nachmittag um 16 Uhr gegen Kriessern. Nach dem Abwägen kann er endlich wieder frei essen.

Er werde nach den Festtagen sein Gewicht überprüfen. Wenn er dann nicht zu viel zugenommen habe, wolle er vielleicht auch die Schweizer Einzelmeisterschaften im Februar und März in der Klasse bis 60 kg bestreiten. Als Bestresultat steht eine Silbermedaille aus dem Vorjahr zu Buche. Vielleicht kann er ja das fehlende Gold nachholen. Dazu sind aber weitere Wochen voller Hunger notwendig.