Die Ausgangslage ist delikat. Am 31. Dezember 2020 läuft der Mietvertrag des Aargauer Turnverbandes (ATV) im Hetex-Areal in Niederlenz aus. Dort betreibt der ATV seit 1998 das höchst angesehene Regionale Leistungszentrum. Aktuell trainieren dort 112 jugendliche Athletinnen und Athleten unter Obhut von acht ausgebildeten Trainern.

Derzeit prüft der ATV drei konkrete Varianten für die Weiterführung des Erfolgsmodells an einem neuen Standort:

  • Lenzburg: Neu- und Umbau auf dem alten Bauknecht-Areal.
  • Siggenthal: Zusätzlicher Neubau und Einmietung im Sportzentrum «GoEasy».
  • Küttigen: Neubau unterhalb des Sportplatzes Ritzer mit langfristigem Baurechtsvertrag.

In den nächsten zwei Monaten will der Turnverband in die konkreten Verhandlungen mit den jeweiligen Eigentümern des Areals treten sowie die Vor- und Nachteile der drei Varianten analysieren und bewerten.

Offen für zusätzliche Variante

«Wir sind in der entscheidenden Phase bei diesem Generationenprojekt», sagt ATV-Präsident Jörg Sennrich. «wir wollen die Weichen für eine nachhaltige und erfolgreiche Entwicklung des Aargauer Turnsports stellen.»

Sennrich lässt durchblicken, dass man vorerst offen für eine zusätzliche Variante bleibt. Allerdings muss aufgrund des ambitionierten Zeitplans bis Ende Juli ein definitiver Entscheid gefällt werden, sonst droht im schlimmsten Fall eine Abwanderung der besten Kunstturn-Talente in umliegende Kantone.

Auf dem Weg zu einer neuen Heimat für die potenziellen Aargauer Olympioniken ist der Faktor Zeit längst nicht die einzige Knacknuss. Ein grosses Thema bleiben die Finanzierung und die Komplexität des Projekts. Maximal 25 Prozent der Kosten übernimmt der Kanton in Form von Beiträgen aus dem Swisslos-Sportfonds.

Für den ATV verbleiben Investitionen in der Höhe von acht bis elf Millionen Franken. «Als Finanzierungsmodell hoffen wir auf eine Partnerschaft mit einem Finanzinstitut», sagt ATV-Geschäftsführer Marcel Müller, «denn eine höhere jährliche Belastung als 200 000 Franken können wir uns schlicht nicht leisten».

Geregelt für 50 bis 60 Jahre

Dem ATV schwebt beispielsweise eine langfristige Hypothek mit entsprechend grosszügigen Konditionen vor. Für das neue Turnzentrum strebt man eine vertraglich geregelte Situation für 50 bis 60 Jahre an. «So können wir die Investitionen langfristig verteilen», sagt Müller.
Nicht unerheblich sind auch die Bedürfnisse der Turnfamilie.

Für das eigentliche Leistungszentrum beträgt der Platzbedarf 2000 bis 2500 m2. Für die Nebenräume inklusive Geschäftsstelle des ATV kommen 600 bis 800 m2 hinzu. Für die 7- bis 17-jährigen Talente ebenfalls wichtig ist die Erreichbarkeit.

Auch politisch dürfte das Projekt noch zu reden geben. Die Beispiele von Kunsteisbahn und Fussballstadion in Aarau zeigen, dass Sportprojekte bisweilen in der unmittelbaren Nachbarschaft eine tiefe Akzeptanz geniessen. Selbst wenn beharrliche Einsprecher letztlich dafür sorgen könnten, dass mehr als hundert junge Kunstturnerinnen und Kunstturner in 960 Tagen sportlich auf der Strasse stehen.