FC Aarau
Wird Raimondo Pontes letzte Patrone zu einem Transfercoup?

Der FC Aarau hat noch einen freien Platz im Kader – gelingt Sportchef Raimondo Ponte doch noch ein Transfercoup? Vorerst stellt sich dem bestehenden Kader heute Abend jedoch die Hürde Winterthur in den Weg. Geht es nach Ponte, soll Sébastien Wüthrich als Regisseur im Aarauer Spiel fungieren.

Ruedi Kuhn
Merken
Drucken
Teilen
Sébastien Wüthrich soll beim FC Aarau viel Verantwortung übernehmen und die Fäden ziehen. Am besten schon heute gegen den FC Winterthur.

Sébastien Wüthrich soll beim FC Aarau viel Verantwortung übernehmen und die Fäden ziehen. Am besten schon heute gegen den FC Winterthur.

freshfocus

Natürlich gibt es sie noch, die klassische Nummer 10. Den Regisseur, der sich alle Freiheiten nehmen darf. Den Künstler, für den nicht die Pflicht, sondern die Kür an erster Stelle steht. Carlinhos war so einer. Der Brasilianer, der dem FC Aarau in der vergangenen Saison einen Hauch von Zauber eingeflösst, aber auch jede Menge Leerlauf eingebrockt hat. Der Ballverliebte, der die Begriffe Genie und Wahnsinn bis aufs Äusserste ausreizte.

Nun ist Carlinhos weg. Leider! Der 22-Jährige zelebriert den Fussball nicht mehr im Brügglifeld, sondern auf der Plastikunterlage der Stockhorn-Arena in Thun. Natürlich machten sich die Verantwortlichen des FC Aarau auf die Suche nach einem Nachfolger des Brasilianers.

Mit Marco Mathys schien man den gewünschten Kreativspieler schon während der vergangenen Winterpause gefunden zu haben. Der 29-Jährige stand damals beim FC St. Gallen unter Vertrag, verlor aber unter der Führung von Trainer Joe Zinnbauer den Stammplatz. Mathys machte dem FC Aarau Hoffnungen, aber zu einem Vertragsabschluss kam es nicht.

Das Wiedersehen mit Luca Radice

Nach dem enttäuschenden 1:1 im Heimspiel gegen Chiasso zum Saisonauftakt folgt für den FC Aarau das Auswärtsspiel beim FC Winterthur. FCA-Trainer Marco Schällibaum muss auf die gesperrten Olivier Jäckle und Geoffrey Tréand und die verletzten Denis Markaj, Daniele Romano und Juan Pablo Garat verzichten. Auf der Schützenwiese in Winterthur kommt es für die Aarauer zum Wiedersehen mit Mittelfeldspieler Luca Radice und dem ehemaligen Trainer Sven Christ. Christ trainiert die Zürcher seit der Rückrunde der vergangenen Saison. Seine Bilanz in den zwei Spielen gegen den FC Aarau ist ernüchternd: Im Brügglifeld gab es ein 0:3, auf der Schützenwiese ein 0:2. Schafft Christ gegen seinen früheren Verein das erste Erfolgserlebnis oder folgt die dritte Pleite in Serie? (ruku)

Mathys also liess die Aarauer links liegen und wechselte auf diese Saison hin zum Super-League-Klub FC Vaduz. Bei den Liechtensteinern ist der sportliche und finanzielle Anreiz grösser als im Brügglifeld. Und der FC Aarau ist nach wie vor auf der Suche nach einem Regisseur. Oder doch nicht? «Wir brauchen keine Nummer zehn, wir haben eine Nummer zehn», sagt Sportchef Raimondo Ponte.

Na nu! Haben wir etwas verpasst? Wo ist der Spielmacher? Wie heisst er? «Unser Regisseur ist Sébastien Wüthrich», fügt Ponte hinzu. «Ich bin sicher, dass er die Rolle der Nummer zehn ausfüllen kann. Er hat zwar schwierige Zeiten bei Montpellier hinter sich und braucht noch etwas Spielpraxis, machte zuletzt aber grosse Fortschritte.»

Für Ponte muss der letzte Transfer vor der Winterpause also nicht um jeden Preis ein zentraler Mittelfeldspieler sein. «Die Position ist egal», erklärt Ponte. «Wir brauchen einen guten, noch besser einen sehr guten Spieler, der den Unterschied ausmachen kann.» Und was sagt Marco Schällibaum? «Wäre die Suche nach einer Verstärkung ein Wunschkonzert, würde ich einen Mittelfeldspieler holen», erklärt der Trainer.

«Mit den drei Stürmern im Kader bin ich ganz zufrieden. Und in der Defensive habe ich ebenfalls genug Varianten. Ein kreatives Element im Mittelfeld würde uns wohl am meisten helfen.»

Es gibt einige Baustellen

Mal schauen, was sich die Herren Ponte und Schällibaum in Sachen Transfers einfallen lassen. Einfach wird die Suche mit Sicherheit nicht: Wer sich das Spiel zum Saisonauftakt im Brügglifeld gegen Chiasso (1:1) am vergangenen Sonntag angeschaut hat, machte gleich mehrere Problempositionen aus.

Torhüter Lorenzo Bucchi muss beim Gegentreffer eine Teilschuld auf sich nehmen. Linksverteidiger Bruno Martignoni war im Spiel nach vorne völlig überfordert. Rechtsverteidiger Miguel Peralta kam überhaupt nicht auf Touren. Von den vier Spielern im Aufbau konnte keiner überzeugen.

Und der Sturm glich einem lauen Lüftchen. Genug der Kritik: Vielleicht hatte ein Grossteil der Spieler des FC Aarau ganz einfach eine schlechte Tagesform. Das kommt schliesslich in den besten Familien vor.