Basketball
«Wir sind noch nicht angekommen»: Die Aufsteigerinnen des BC Alte Kanti Aarau kämpfen in der SB League Women um Punkte

Mit nur drei Siegen auf dem Konto kämpfen die Frauen des BC Alte Kanti Aarau seit ihrem Aufstieg um jeden Punkt. In der höchsten Liga weht ihnen ein harter Wind entgegen, Verletzungspech macht der Mannschaft zu schaffen. Dennoch bleibt das Team dank der neu entdeckten Heimstärke ambitioniert.

Larissa Gassmann
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Erst mit einem Bein in der neuen Liga: Die Aufsteigerinnen des BC Alte Kanti Aarau blicken auf einen harzigen Start zurück.

Erst mit einem Bein in der neuen Liga: Die Aufsteigerinnen des BC Alte Kanti Aarau blicken auf einen harzigen Start zurück.

Colin Frei

Eine gefüllte Halle, tolle Stimmung und eine sorgfältig durchdachte Pausenunterhaltung. Die Frauen des BC Alte Kanti Aarau haben sich seit dem Aufstieg schnell in der höchsten Liga eingelebt – könnte man als Zuschauer zumindest annehmen. Doch das an den Heimspielen stattfindende Showprogramm täuscht über die Resultate hinweg.

Nach elf gespielten Runden residiert das Team mit nur drei Siegen auf dem Konto auf dem siebten Rang. Nicht nur der Blick auf die Tabelle fällt ernüchternd aus. Es scheint, als stehe der Verein bis jetzt noch immer nur mit einem Bein in der ungewohnten Liga. «Wir sind sicherlich noch nicht angekommen. Wir spielen mit, konnten drei Spiele gewinnen, aber wir brauchen noch mehr Stabilität», sagt Trainer Velko Evgenievski.

Ein drastischer Weckruf und seine Folgen

Der fehlenden Erfahrung geschuldet, gleicht die erste Saison in der höchsten Liga über weite Strecken hinweg einer Achterbahnfahrt. Auf Siege folgen gröbere Niederlagen, auf deutliche Misserfolge nur knapp verlorene Partien. Doch während die Mannschaft am dritten Spieltag in Pully gleich mit 40 Punkten Rückstand geschlagen wurde, blieb sie seither von derartigen Klatschen verschont.

Der drastisch ausgefallene Weckruf hat die erwünschte Wirkung nicht verfehlt. Nach der bitteren Erfahrung fuhr die Mannschaft in den nächsten beiden Spieltagen gleich zwei Siege ein. «Die Spiele, die wir auf jeden Fall gewinnen wollten, haben wir für uns entschieden, gegen die Favoriten lernen wir noch», sagt Evgenievski. «Es ist ein junges Team, es braucht noch ein bisschen Zeit und Geduld.»

Im letzten Frühjahr durfte sich das Frauenteam des BC Alte Kanti Aarau über den Aufstieg in die aufgestockte «SB League Women» freuen.
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In der NLA soll das leicht veränderte Team nun mit Fleiss und harter Arbeit überzeugen und möglichst viele Zuschauer in die Hallen locken.
Um in der neuen Liga bestehen zu können, wurde vieles geändert. «Die Trainings sind nun intensiver und schneller. Nur so können wir in der NLA bestehen», sagt Trainer Velko Evgenievsk
Saisonvorschau BC Alte Kanti Aaarau (02.10.2019)
Die Jura-Studentin Ekmark (r.) hat schon lange von einem Engagement in Europa geträumt. Die Schweiz schien ihr geeignet genug, sich diesen zu erfüllen.
«Ich bin sehr glücklich, hier zu sein und fühle mich gesegnet, diese Chance bekommen zu haben», schwärmt Courtney Ekmark.
Begeistert ist auch die zweite ausländische Verstärkungsspielerin, Enisa Semanjaku: «Ich mag es sehr hier. Alle sind nett und bereit, mir zu helfen.»
Ebenfalls zu den Neuzuzügen gehört die Wetschweizerin Charlotte Kohler. Sie studiert an der ETH und entschied sich deswegen für einen Vereinswechsel.
«Ich finde es spannend, für einen Aufsteiger zu spielen und etwas völlig Neues zu kreieren», erklärt Kohler.
Sie will mit dem Verein Grosses erreichen und glaubt an ihre Mannschaft. «Die anderen Vereine sollen uns nicht unterschätzen», sagt sie.
Der Klassenerhalt ist das grosse Ziel, etwas mehr als das nimmt man aber gerne mit.
Das strenge Training von Coach Evgenievski soll sicherstellen, dass die Spielerinnen nach dem Aufstieg im Frühling weiterhin auf der Erfolgswelle reiten.
In die Liga startet das Team nämlich zugleich mit einem Kracher. Gegen den BC Winterthur feiert man das einzige Deutschschweizer-Derby der Liga.
Während Basketball in der Wetschweiz beliebt ist, gibt es in der Deutschschweiz noch etwas Nachholbedarf.
Um die Lücke zu schliessen, lässt sich der Vorstand einiges einfallen. Schulbesuche und starke Coaches sollen der Stand der Sportart verbessern.
Die Liebe zum Sport ist allgegenwärtig. Vorstand, Trainer, Spielerinnen und Spieler ziehen alle am gleichen Strang.
Als geschlossenes Team wollen sie mehr und mehr Zuschauer in die Halle locken und den Nachwuchs für Basketball begeistern.

Im letzten Frühjahr durfte sich das Frauenteam des BC Alte Kanti Aarau über den Aufstieg in die aufgestockte «SB League Women» freuen.

Colin Frei

Doch dass diese nicht immer geboten wird, dürfte klar sein. Noch ist Evgenievski nicht zufrieden. Die Mannschaft ist nur einen Punkt vom vierten Tabellenrang entfernt, doch ähnlich klein ist das Sicherheitspolster. Das klar definierte Ziel ist der Klassenerhalt, doch Evgenievski redet auch davon, gerne ein oder zwei Tabellenplätze gutzumachen.

Vom Verletzungspech geplagt

Fünf Vorrundenspiele bleiben dem Team noch, um alles zu drehen. Fast alle davon sind Aufeinandertreffen mit der direkten Konkurrenz. «Wenn wir gegen die Teams vor uns gewinnen, dann ist es möglich, an den fünften Platz heranzukommen und uns so eine optimale Position für die Playoffs zu sichern», sagt Evgenievski.

Um dieses Ziel erfüllen zu können, muss sich allerdings einiges ändern. Bei seiner lange vom Verletzungspech geplagten Mannschaft will Evgenievski nun vor allem eine Verbesserung im Bereich der Mentalität sehen. Diese soll die Defizite in anderen Bereichen wettmachen.

Denn noch immer muss er auf die verletzte Aufbauspielerin Gabriela Sakica verzichten. Auch der Abgang von Courtney Ekmark, die wie geplant in die USA zurückgekehrt ist, muss verschmerzt werden. Sie soll durch Kamilah Jackson aus San Francisco ersetzt werden.

Dank Durchhaltewillen und dem Publikum zum Erfolg

Trotz all der kaum beeinflussbaren Hindernisse gibt es für den Coach auch Lichtblicke: «Am meisten zufrieden bin ich damit, dass wir immer versuchen, mit den guten Teams mitzuhalten. Dass wir kämpfen und nicht gleich aufgeben, die Spiele lange knapp halten.»

Ein gutes Beispiel für diesen Durchhaltewillen dürfte das letzte Heimspiel gegen den zweitplatzierten BBC Troistorrents sein, bei dem die Mannschaft erst gegen Ende hin nicht mehr mithalten konnte. Überhaupt hat das Team vor allem in der heimischen Telli-Halle einen Sprung nach vorne gemacht. Während der BC AKA die gröberen Niederlagen mittlerweile eher auswärts kassiert, werden die Heimspiele deutlich knapper verloren als zu Beginn.

Einen grossen Anteil daran dürfte wohl das tragende Publikum haben. Seit dem Aufstieg sind deutlich mehr Zuschauer anwesend, an den wichtigeren Spielen muss gar eine Tribüne mehr aufgebaut werden, um allen Platz bieten zu können. Von der eher verhaltenen Stimmung der ersten paar Runden ist nichts mehr zu spüren. Nach einem knappen halben Jahr sind die Zuschauer endgültig in der neuen Liga angekommen. Bleibt nur zu hoffen, dass dies bald auch der Mannschaft gelingt.

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