FC Aarau

«Wir knacken die Rüebliländer»: Der FC Wil möchte den FC Aarau ärgern und stichelt bereits im Voraus

«Wir knacken die Rüebliländer»: Wil-Profi Dominik Schmid beisst herzhaft in das orange Gemüse.

«Wir knacken die Rüebliländer»: Wil-Profi Dominik Schmid beisst herzhaft in das orange Gemüse.

Der FC Wil ist derzeit gezwungen, auf die Jugend zu setzen. Eine schwierige Situation, die Trainer Ciriaco Sforza erfolgreich meistert. Nach 11. Partien treffen die Ostschweizer nämlich als Dritter auf den an siebter Stelle platzierten FC Aarau. Da können sich die Wiler vor der Partie schon mal eine kleine Provokation zu Werbezwecken erlauben.

Aus der Not eine Tugend machen – nirgendwo auf der Fussball-Landkarte wird dieses Motto derzeit besser umgesetzt als in der Ostschweiz.


Beide Profiklubs in der Region leiden unter finanziellem Druck: Der FC St. Gallen wies vor wenigen Tagen für das Geschäftsjahr 2018/19 ein Minus 5,1 Millionen Franken aus. Einige Kilometer westwärts hat der FC Wil hat die Altlasten aus dem Intermezzo mit den türkischen Investoren zwar mehr oder weniger abgetragen, doch der Imageschaden hallt immer noch nach. Präsident Maurice Weber sagte im Frühling: «Wir müssen jeden Franken umdrehen.» Das Budget den gesamten FC Wil (inkl. Junioren, Geschäftsstelle etc.) beträgt 2,7 Millionen und ist somit das dritttiefste in der Challenge League.

Wil-Trainer Sforza muss auf junge Spieler setzen.

Wil-Trainer Sforza muss auf junge Spieler setzen.


Beide Klubs sind wegen der finanziellen Not gezwungen, auf junge, im Unterhalt günstige, im besten Fall ausgeliehene Spieler zu setzen. St. Gallen-Coach Peter Zeidler besetzt seine Startformation regelmässig mit sieben Spielern, die 21 Jahre oder jünger sind. Ähnlich der im Aargau bestens bekannte Wil-Trainer Ciriaco Sforza: Ihn hat Weber mit dem Auftrag geholt, um die Jungen ins Zentrum zu stellen. Sforza setzt die Vorgaben um, am vergangenen Wochenende beim überzeugenden 3:0-Auswärtssieg gegen Stade Lausanne-Ouchy waren es in der Wiler Startelf sechs 21-jährige oder jüngere Spieler.


Bislang geht das alternativlose Konzept auf: Denn entgegen der wirtschaftlichen Logik belegen sowohl St. Gallen als auch der FC Wil in ihren Ligen den dritten Tabellenrang, teils weit vor der finanziell um Welten besser aufgestellten Konkurrenz.

Ein weiterer Beweis für das ungeschriebene Gesetz: Nur richtig eingesetztes Geld schiesst im Fussball nur Tore. Oder umgekehrt: Wer seine spärlichen Mittel klug einsetzt und auf junge, fleissige und demütige Spieler setzt, mischt die finanzielle Hierarchie auf.

Der FC Wil grüsst derzeit vom dritten Tabellenplatz.

Der FC Wil grüsst derzeit vom dritten Tabellenplatz.


Zumindest zu Beginn einer Saison stehen die Chancen dafür gut: Der FC Wil lag in der vergangenen Spielzeit zum gleichen Zeitpunkt (elf Spieltage) sogar auf Rang 1 – danach ging ihm jedoch die Luft aus, auf dem 36 Spieltage langen Marathon ist Routine dann doch genauso entscheidend wie Unbeschwertheit – mindestens. In Zahlen ausgedrückt: 2018/19 hatte der damals schon mit überdurchschnittlich vielen älteren Spielern besetzte FC Aarau nach elf Spieltagen 17 Punkte Rückstand auf Wil, 25 Partien später waren es 22 mehr.

Trotz sportlichem Erfolg viel leere Plätze im Stadion

Der Altersunterschied zwischen Wil und dem FCA ist heuer noch eklatanter, als Bezeichnung der Affiche ginge auch «Young Boys vs. Old Boys». Kein Wunder, sind sie in der Ostschweiz besonders motiviert auf das Kräftemessen mit den klingenden Namen beim FC Aarau – und greifen zu aussergewöhnlichen Mitteln: Um möglichst viele Zuschauer in die IGP-Arena zu locken, hat der FC Wil in der Plakate aufgehängt, auf denen jeweils ein Spieler kraftvoll in ein Rüebli beisst.

Motto: «Wir knacken die Rüebliländer». Zusätzliches Lockmittel sind die halbierten Preise für Stehplatz-Tickets und ein kulinarisches und musikalisches Rahmenprogramm vor und nach dem Anpfiff um 14:30 Uhr.

Das erste Duell der Saison gegen Wil gewann der FCA mit 1:0.

Das erste Duell der Saison gegen Wil gewann der FCA mit 1:0.


Hintergrund sind die trotz sportlicher Aufwärtstendenz enttäuschenden Zuschauerzahlen im Wiler Heimstadion: Abgesehen von den Topspielen gegen GC und Lausanne wurde die 1000er-Marke jeweils deutlich verfehlt.

Biss ins «Rüebli» oder am Ende eventuell doch saurer Apfel?

Der FC Wil mit humorvoller Provokation in Richtung FC Aarau.

Der FC Wil mit humorvoller Provokation in Richtung FC Aarau.

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