«Es ist Zeit, die Serie des FC Aarau zu beenden. Es ist Zeit für den FC Wohlen, im 15. Derby den lang ersehnten Sieg zu feiern.»

Lucien Tschachtli liess im Editorial des Matchmagazins seinem Herzenswunsch freien Lauf. «Zusammen sind wir stark – wir glauben daran», liess der Verwaltungsratspräsident der Aktiengesellschaft aus vollem Mund verlauten. Und siehe da; der FC Wohlen startete gegen den Erzrivalen aus dem Westen wie die Feuerwehr. Janko Pacar brachte die Freiämter schon nach vier Minuten und unter gütiger Mithilfe von Aaraus Torhüter Ulisse Pelloni 1:0 in Führung. Es war der siebte Saisontreffer des 26-jährigen Mittelstürmers.

Das 1:0 als Initialzündung für den ersten Derbyerfolg des FC Wohlen gegen Aarau im 15. Anlauf? Nein! Die Wohler powerten nach dem früheren Erfolgserlebnis zwar noch einige Minuten und hatten zwei weitere Möglichkeiten, dann aber war der grosse Sturm und Drang der Freiämter schon zu Ende.

Von Ausgelassenheit oder gar Euphorie war beim Heimklub nichts, aber auch gar nichts zu spüren. Und als der FC Aarau Mitte der ersten Halbzeit ohne grossen Aufwand, ja wie aus dem Nichts zwei Treffer erzielte, war der Mist auf dem schwer bespielbaren Terrain des Stadions Niedermatten bereits geführt.

Die Geschichte des Derbys Nummer 15 ist so unspektakulär wie der Spielverlauf. Es scheint so, dass der FC Wohlen gegen Aarau ganz einfach nicht gewinnen kann. Die Bilanz mit elf Siegen für die Aarauer und vier Unentschieden spricht Bände.

Alain Schultz war der Frust ins Gesicht geschrieben. «Es wäre wohl noch nie so einfach gewesen, den wirklich nicht überzeugenden FC Aarau zu schlagen», sagte der wegen einer Adduktorenverletzung zum Zusehen verurteilte Captain der Freiämter. «Wir haben es nach dem früheren Führungstreffer verpasst, nachzulegen. Diesmal wäre mehr möglich gewesen, viel mehr sogar.»

So sah es auch der sichtlich enttäuschte Francesco Gabriele. «Wir hätten mindestens einen Punkt verdient», sagte der Trainer des FC Wohlen. «Hätten wir in der Startphase das 2:0 erzielt, wäre sogar ein Sieg möglich gewesen.» Wäre, hätte, Fahrrad-Kette: Die Wohler müssen sich nach der elften Pleite im 15. Spiel gegen Aarau selbst an der Nase nehmen.

Nach dem Führungstreffer gab der Aussenseiter das Spiel aus der Hand und machte sich das Leben mit einer regelrechten Fehlerorgie in der Angriffsauslösung selbst schwer. Zu hochkarätigen Möglichkeiten kamen die Wohler nach der guten Startphase erst wieder in den Schlussminuten: Erst knallte Joker Sandro Foschini den Ball aus kurzer Distanz weit über den gegnerischen Kasten. Und in der Nachspielzeit verpasste Pacar das Ziel mit einem Kopfball um einen halben Meter.

Gabrieles ernüchternde Derby-Bilanz

Drei Niederlagen mit 1:4, 0:1 und 1:2: Die Bilanz von Wohlen-Trainer Francesco Gabriele gegen den FC Aarau ist ernüchternd. Nicht nur das! Frustrierend aus Sicht des Verlierers ist vor allem die Tatsache, dass man im Stadion Niedermatten nichts, aber auch gar nichts von einem Heimvorteil für den Aussenseiter spürte. Im Gegenteil. Es schien so, als dass ein Grossteil der 2085 Zuschauer auf Seiten des FC Aarau war.

Die Teilzeitfans des FC Wohlen, wie sich der harte Kern der Stehplatzfans selber nennt, feierten zwar ihr 1-Jahr-Jubiläum. Zu hören war von den Anhängern in Blau-Weiss allerdings nicht viel. So kamen die keineswegs unwiderstehlichen, aber effizienten Aarauer im Schongang zum Erfolg.

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker von Patrick Haller: