Wintersport
Diese drei Aargauer wollen an den Olympischen Winterspielen für Furore sorgen

Nicolas Gygax, Berenice Wicki und Melanie Hasler haben drei Winter erlebt, die verschiedener nicht sein könnten. Sie alle verbindet aber ein grosses Ziel: Sie wollen nächstes Jahr an den Olympischen Winterspielen in Peking für Furore sorgen. Dabei stellen sich ihnen unterschiedliche Schwierigkeiten.

Nicolas Blust
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Seit fünf Jahren ist der ehemalige Kunstturner mittlerweile im Weltcup der Skiakrobaten unterwegs. Seine Resultate gleichen dabei einem stetigen Steigerungslauf. Saison für Saison springt der Aargauer in neue Sphären und jüngst ist er in der Weltspitze gelandet. Mit seinem zweiten Platz im kasachischen Almaty rundet Gygax seinen bisher besten Winter mit einer Topplatzierung ab. «Das Podest in Almaty war mein persönliches Saisonhighlight», sagt Nicolas Gygax mit stolzer Stimme.

Akrobatik auf Ski. Nicolas Gygax zeigt diesen Winter beeindruckende Stunts und etablierte sich mit konstanten Leistungen in der Weltspitze der Skiakrobaten.

Akrobatik auf Ski. Nicolas Gygax zeigt diesen Winter beeindruckende Stunts und etablierte sich mit konstanten Leistungen in der Weltspitze der Skiakrobaten.

zvg

Nicolas Gygax' beeindruckende Konstanz

«Mein Hauptziel in diesem Winter war, konstant in den Final zu springen», sagt der Skiakrobat über sein ausgestecktes Saisonziel. Das ist dem 25-Jährigen auf beeindruckende Art und Weise gelungen. Lediglich einmal verpasste Gygax das Finalspringen der besten zwölf Akrobaten. Trotzdem musste er sich bis zum letzten Wettkampf des Winters gedulden, ehe es für den grossen Exploit reichte. «Mit dem Podestplatz in Kasachstan konnte ich meine erfolgreiche Saison würdig abschliessen», resümiert der Aargauer.

Der zweite Platz bestätigt Gygax, was er eigentlich schon lange wusste – er ist bei den Besten seines Faches angekommen. Zwar durfte er sich 2019 bereits über einen Weltmeistertitel freuen, diesen holte der Skiakrobat jedoch im Teamwettkampf. Nun folgte auch die erste Auszeichnung in der Einzeldisziplin.

Nicolas Gygax blickt auf einen erfolgreichen Winter zurück.

Nicolas Gygax blickt auf einen erfolgreichen Winter zurück.

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Dieser Podestplatz soll aber nicht das Ende der Reise sein. Vielmehr plant Nicolas Gygax Grosses für den nächsten Winter: «Ich möchte mich regelmässig für den Superfinal qualifizieren.» Im Finale springen die besten zwölf Athleten der Qualifikation um die sechs vordersten Plätze. Diese sind gleichbedeutend mit der Qualifikation für den Superfinal. Erst in diesem werden die Podestplätze unter den besten Akrobaten ausgesprungen.

Die regelmässige Qualifikation für den Superfinal ist auch wichtig im Hinblick auf die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking. Dort will Gygax an seine besten Leistungen anknüpfen und ganz vorne mitspringen: «Ich möchte natürlich so weit nach vorne wie möglich. Wichtig ist mir aber vor allem, dass ich meine beste Leistung abrufen kann.» Wie weit nach vorne eine solche Leistung reichen kann, hat Gygax in Almaty eindrucksvoll bewiesen.

Wechselbad der Gefühle für Berenice Wicki

Der vergangene Winter war für Berenice Wicki eine Achterbahn der Gefühle. Mit der Selektion für die WM in Aspen erlebte die 18-jährige Snowboarderin ihren bisherigen Karrierehöhepunkt. Verletzungsbedingt konnte die Aargauerin jedoch nur selten ihr volles Potenzial ausschöpfen.

Berenice Wicki erlebte einen Winter mit Höhen und Tiefen. Trotzdem hat sie ihr Lachen nicht verloren.

Berenice Wicki erlebte einen Winter mit Höhen und Tiefen. Trotzdem hat sie ihr Lachen nicht verloren.

Privat

«Ich behalte den vergangenen Winter in guten Erinnerungen. Ich konnte viel trainieren und habe grosse Fortschritte gemacht», sagt Wicki rückblickend über ihre Saison. Trotzdem war es ein spezieller Winter. Aufgrund des Coronavirus konnten nur zwei Weltcups in der Halfpipe ausgetragen werden. Beim ersten Weltcup des Jahres, dem Laax-Open, konnte die 18-Jährige nicht ihre beste Leistung zeigen: «Ich bin zwei Mal gestürzt, deswegen war das Resultat nicht so gut.»

Die 18-jährige Freestyle-Snowboarderin in ihrem Element: Berenice Wicki zeigt ihre Tricks in der Halfpipe.

Die 18-jährige Freestyle-Snowboarderin in ihrem Element: Berenice Wicki zeigt ihre Tricks in der Halfpipe.

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Umso überraschter war Wicki in der Folge, dass sie für die WM in Aspen selektioniert wurde. Leider liefen die Festspiele in den Rocky Mountains nicht nach Plan. In ihrem ersten Lauf verletzte sich die Snowboarderin am Knie, sodass sie den zweiten Lauf nicht absolvieren konnte. «Ich habe mir einen Riss am Innenband zugezogen. Trotzdem konnte ich eine Woche später fast schmerzfrei am Weltcup teilnehmen», sagt Berenice Wicki über den Verletzungsrückschlag. Selbsterklärend war die Aargauerin folglich nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte: «Es ist natürlich eine Enttäuschung, dass ich im Weltcup nicht mein bestes Level zeigen konnte.»

Die Freestyle-Snowboarderin zieht trotzdem eine positive Saisonbilanz: «Ich bin zufrieden, dass ich viele neue Tricks in meinen Run einbauen konnte.» Darauf will sie nun im Sommer aufbauen, um nächstes Jahr so richtig durchzustarten. «Mein Ziel für den nächsten Winter ist, mich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren und mich in den Top Ten des Weltcups zu etablieren.»

Melanie Haslers historischer Erfolg

Sie sorgten für die Sensation der Bobsaison. Melanie Hasler und ihre Anschieberin Irina Strebel sicherten sich den ersten Podestplatz der Schweizer Bob-Frauen seit sieben Jahren. «Es war ein unbeschreibliches Gefühl», sagt die Aargauer Bobpilotin über den sensationellen dritten Rang im Weltcup in St.Moritz. Dabei war nicht einmal geplant, dass Hasler diese Saison bereits im Weltcup startet.

Melanie Hasler hat nämlich einen unkonventionellen Weg gewählt. Vor vier Jahren verfolgte die heute 22-Jährige noch den Traum einer Profikarriere im Beachvolleyball. Mittlerweile rennt Hasler nicht mehr durch den Sand, sondern donnert den Eiskanal runter: «Ich passe hier viel besser rein und fühle mich auf dem Eis mehr zu Hause als noch auf dem Sand.»

Fühlt sich mittlerweile wohl auf dem Eis: Melanie Hasler mit ihrem Bob im Eiskanal.

Fühlt sich mittlerweile wohl auf dem Eis: Melanie Hasler mit ihrem Bob im Eiskanal.

IBSF

Das unterstreichen auch die Ergebnisse dieser Saison. Lediglich einmal verpasste die Aargauerin, die im Mono- sowie im Zweierbob an den Start geht, im Weltcup eine Top Ten-Platzierung. Damit soll aber noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sein. Melanie Hasler hat grosse Pläne für den kommenden Winter, in dem die Olympischen Spiele in Peking den Saisonhöhepunkt darstellen.

«Ich hoffe, in Peking ein Olympisches Diplom zu erreichen», sagt Hasler mit Blick auf die neue Saison. Dafür braucht es im Sommer aber eine optimale Vorbereitung. Im Bobsport ist das einfacher gesagt als getan. Letztes Jahr konnte die Bobpilotin noch von den Vorteilen der Spitzensport-RS profitieren. Dieses Jahr muss sich die 22-jährige Aargauerin selbst um das Training kümmern und dabei den Spagat zwischen Berufsleben und professionellem Hobby hin kriegen.

Hat grosse Ziele für die nächste Saison: Melanie Hasler strebt 2022 in Peking ein Olympisches Diplom an.

Hat grosse Ziele für die nächste Saison: Melanie Hasler strebt 2022 in Peking ein Olympisches Diplom an.

zvg

Denn auch finanziell ist das Leben als Bobpilotin eine Gratwanderung: «Bob ist eine teure Sportart. Deswegen leben wir von unseren Sponsorengeldern.» Erst kürzlich hat die Aargauerin auch ein Crowdfunding eröffnet, um die Vorbereitung und die kommende Saison finanzieren zu können. Auf ibelieveinyou.ch kamen bereits über 15'000 Franken zusammen, die vollständig in das Bobteam Hasler investiert werden. Nur so kann Melanie Hasler mit den besten Bobpilotinnen der Welt mithalten und um Olympisches Edelmetall kämpfen.

Das Video zum «I believe in you» Projekt von Melanie Hasler und ihrem Team.

Youtube/Melanie Hasler