Der 21-Jährige kann es kaum glauben. Die Fachjury aus Captains, Trainern und Sportchefs der zehn NLA-Teams wählt ihn an der Swiss Handball Awards Night in Baden zum Newcomer der Saison. Tim Aufdenblatten lässt mit Lenny Rubin von Wacker Thun und Lucas Meister von Kadetten Schaffhausen zwei hoch gehandelte Schweizer Nationalspieler hinter sich.

«Ausschlaggebend waren wohl die vielen Tore und die Konstanz über die ganze Saison», mutmasst der Rückraumspieler. Mit 151 Treffern in 27 Partien war Aufdenblatten im ersten Jahr als Stammspieler auf Anhieb bester Werfer des Teams.

Aufdenblattens Klubtrainer Misha Kaufmann ist vom Wahlausgang nicht überrascht. Während er es selber gegen Nationalcoach Michael Suter knapp nicht zum Trainer des Jahres schafft, widerspiegelt der Entscheid zugunsten seines Schützlings für Kaufmann die Leistung der letzten Saison: «Tim hat gezeigt, dass er ein ganz Grosser werden kann.»

Handball aktuell nicht an erster Stelle

Deshalb sieht Kaufmann dessen Zukunft eher früher als später in der Nationalmannschaft. «Es gibt langsam keine Gründe mehr, wieso man ihn nicht aufbieten sollte», spricht der HSC-Trainer Klartext.

Der 21-Jährige nimmt die Nati-Diskussion gelassen. «Ich habe diesbezüglich keine grossen Erwartungen. Das mit dem Nati-Aufgebot ist nicht mein Entscheid. Wenn man mich will, komme ich gerne. Wenn nicht, ist es für mich auch okay», sagt Aufdenblatten.

Derzeit kommt Handball für den Aarauer, der seit einem Jahr mit seiner Freundin in Gränichen wohnt, ohnehin nicht an erster Stelle. Am 15. Juni absolviert er die eminent wichtigen ersten Prüfungen in seinem Psychologie-Studium.

Vor Prüfung nervöser als vor Spiel

Nachdem sich vor Jahresfrist an der Uni Zürich die Rekordzahl von 650 Studenten für das sehr populäre Studium eingeschrieben hat, soll dieses Examen nun die Spreu vom Weizen trennen. Entsprechend hoch ist die Latte angesetzt.

Aufdenblatten zeigt sich auch bezüglich beruflicher Zukunft als Musterschüler. Seit Wochen investiert er rund acht Stunden täglich in die Prüfungsvorbereitungen. «Klar könnte man auch weniger machen, aber ich will mir im Nachhinein nicht vorwerfen lassen, nicht alles probiert zu haben», sagt er.

Tim Aufdenblatten wirkt im Gespräch reif und eloquent. Natürlich sei er vor dem Test angespannt, wohl noch mehr als vor einem wichtigen Spiel. «Es ist ein anderer Druck. Schliesslich hat der Ausgang dieser Prüfungen auf mein zukünftiges Leben ungleich grössere Auswirkungen als das Resultat eines Handballspiels.» Oder der Ausgang einer Newcomer-Wahl.