Fussball
Wieso Romanos Transfer zum FC Aarau für rote Köpfe sorgt

Nach der Lancierung des Nachwuchsprojekts Team Aargau im Jahr 2006 ist die professionelle Talententwicklung in unserem Kanton gewährleistet. Im Profibereich sind dem Konzept aber klare Grenzen gesetzt.

Ruedi Kuhn
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Augen zu und durch: Wenn es um die Eigeninteressen geht, sind sich die Vereine selbst am nächsten – wie das Beispiel von Daniele Romano (weisses Tenü) veranschaulicht. Alexander Wagner

Augen zu und durch: Wenn es um die Eigeninteressen geht, sind sich die Vereine selbst am nächsten – wie das Beispiel von Daniele Romano (weisses Tenü) veranschaulicht. Alexander Wagner

Die drei Spitzenteams FC Aarau, FC Wohlen und FC Baden arbeiten im Juniorenbereich zusammen, lassen sich die Förderung der Nachwuchskicker jährlich mehr als 900000 Franken kosten und werden vom Schweizerischen Fussballverband (SFV) in finanzieller Hinsicht unterstützt.

So können verschiedene Trainer mit insgesamt 450 Stellenprozenten angestellt werden. Die Teams U16, U18 und U21 werden zusammen geführt. Auf der Stufe Préformation stellen die drei Klubs eigene U14- und U15-Teams. Insgesamt sind neun Mannschaften mit mehr als 160 Spielern in die Nachwuchsstruktur vom Team Aargau integriert. Alleine könnte wohl kein Verein diesen Aufwand betreiben.

Junge Spieler profitieren zudem von den Bildungsmodellen für Leistungssportler auf Sekundarstufe I (Sportschule Buchs-Rohr) und auf Sekundarstufe II (Sportklassen an der Alten Kanti Aarau, der Berufsfachschule Aarau und der Handelsschule Aarau).

Zudem gibt es viele Lehrbetriebe, welche die Sportler unterstützen. Das Team Aargau sorgt also dafür, dass Spitzensport und Ausbildung gleichzeitig möglich sind. Die bekanntesten Aargauer Talente sind Silvan Widmer, Joël Mall und Olivier Jäckle vom FC Aarau und Loris Benito, der unlängst von Aarau zum FC Zürich gewechselt hat.

Grenzen im Profibereich

Bezüglich Ausbildungsstufe ist das Team Aargau eine geniale Einrichtung. Im Profibereich sind der Einrichtung Grenzen gesetzt. Klare Grenzen. Betrachtet man nämlich die Kader von Aarau, Wohlen und Baden fällt eines auf: Die erste Garde der Talente spielt bei Aarau, die zweite Garde bei Baden – und beim FC Wohlen? Da spielt keiner.

Und hat der Freiämter Challenge Ligist mal ein Talent wie Daniele Romano in seinen Reihen, dann schnappt sich der FC Aarau früher oder später das kleine Juwel.

Für den 19-jährigen Romano ist der Transfer von Wohlen zum Kantonsrivalen zweifellos ein Schritt auf dem Weg nach oben. Sportpolitisch ist der Wechsel von Romano jedoch ein Unding. Er schadet dem Ansehen vom Team Aargau.

Es ist nicht Sinn und Zweck dieser Einrichtung, dass Aarau Wohlen Spieler abwirbt. Solange die zwei Klubs in der Challenge League Konkurrenten sind und solange sich zwei führende Funktionäre mit Giftpfeilen bewerfen statt aufeinander zuzugehen, wird sich das Verhältnis nicht bessern.

Die Fronten zwischen Aarau und Wohlen sind und bleiben zumindest in absehbarer Zeit verhärtet. Dass das Team Aargau und die U23 des FC Wohlen in der nächsten Saison in der 2. Liga interregional gegeneinander spielen, macht die Sache nicht einfacher.

Erste Gespräche

Es ist offensichtlich, dass das Team Aargau zu wenig unabhängig von den Klubverantwortlichen Aaraus, Wohlens und Badens ist.

Was tun? Wie wäre es mit dem Aargauischen Fussballverband (AFV) als administrative Anlaufstelle, in der die Fäden zusammenlaufen? Der AFV wäre mit seinem Know-how und seinem Personal ein idealer Vermittler, könnte quasi als Puffer zwischen den Klubs agieren. Eine breitere Abstützung vom Team Aargau innerhalb des Kantons ist sinnvoll.

Erste Gespräche zwischen Aarau, Wohlen, Baden und führenden Vertretern des AFV haben in den vergangenen Monaten bereits stattgefunden, wurden allerdings ohne konkrete Resultate auf die lange Bank geschoben.

Es fehle, so hört man aus Kreisen vom AFV, am klaren Bekenntnis für eine solidarische Ausbildung. Was lernen wir daraus: Im Fussball ist es wie im normalen Leben: Jeder ist sich selbst der Nächste. Eigenwohl steht vor Gemeinwohl. So bleibt die Idee der Viererbande AFV, FC Aarau, Wohlen und Baden wohl Wunschdenken. Leider.

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