40. Hallwilerseelauf
Wiedergutmachungstour des Tadesse Abraham – Sieg im Halbmarathon

Der Neo-Schweizer Tadesse Abraham läuft sich den Frust nach dem verpatzten EM-Marathon derzeit erfolgreich von der Seele und gewinnt mit 29 Sekunden Vorsprung. Der Hallwilerseelauf verzeichnete bei seiner 40. Austragung einen neuen Teilnehmerrekord.

Jörg Greb
Drucken
Teilen
Der Schweizer Langstrecken-Spezialist Tadesse Abraham überquert die Ziellinie beim 40. Hallwilerseelauf als Erster und feiert seinen Sieg.

Der Schweizer Langstrecken-Spezialist Tadesse Abraham überquert die Ziellinie beim 40. Hallwilerseelauf als Erster und feiert seinen Sieg.

Alexander Wagner

Eine ruhige Nachmarathon-Phase sieht anders aus. Nur knapp drei Wochen nach dem EM-Marathon in Zürich mass sich Tadesse Abraham an der Jungfrau-Meile über die «Sprintdistanz» von 1,609 km, vor vier Wochen und fünf Wochen nach der EM lief er am Greifenseelauf den Halbmarathon am schnellsten, vor einer Woche beim Murtenlauf auf Rang 3 und nun gewinnt er den Hallwilerseelauf.

Sieger Tadesse Abraham (l.) hinter dem zweitplatzierten Patrck Kiplagat vor dem Schloss Hallwyl.
5 Bilder
Sieger Tadesse Abraham (M.) während des 40. Hallwilerseelaufs in der Spitzengruppe.
Sieger Tadesse Abraham während des 40. Hallwilerseelaufs.
Sieger Tadesse Abraham (l.) hinter dem zweitplatzierten Patrck Kiplagat vor dem Schloss Hallwyl.
Kurz nach dem Start dse 40. Hallwilerseelaufs in Beinwil am See: Der spätere Sieger Tadesse Abraham (M.) an der Spitzes des Feldes.

Sieger Tadesse Abraham (l.) hinter dem zweitplatzierten Patrck Kiplagat vor dem Schloss Hallwyl.

Alexander Wagner

«Ich will und ich muss laufen», sagt er, «laufen, um die Enttäuschung hinter mir zu lassen». Der neunte EM-Rang hat beim meistgenannten Favoriten tiefe Spuren hinterlassen.

Sieg vor Zeit

Nach seinem eindrücklichen Triumph am Greifenseelauf sprach er von der mentalen Lockerheit, die ihm beim bisher wichtigsten Rennen seiner Karriere einen so dicken Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Am Hallwilerseelauf spielte der Kopf mit: Schon nach wenigen Kilometern hatte er sich zusammen mit dem Kenianer Patrick Kiplagat vom Rest des Feldes abgesetzt.

Und als Abraham auf eine kurze Tempoverschärfung auf den letzten fünf Kilometern feststellte, wie viel Mühe sein letzter Begleiter bekundete, war er sich seiner Sache sicher. Kiplagat resignierte. Nach 1:03:23 Stunden stoppte für Abraham die Zeit im Ziel. Der Kenianer traf 29 Sekunden später ein. «Mir ging es um den Sieg», sagte Abraham, «nicht um die Zeit».

Höchst respektabel fiel diese aber bei schwierigen Bedingungen dennoch aus. Nur Daniel Kiptum vor vier Jahren war bei seinem Rekordlauf 36 Sekunden schneller gewesen. Nach seinen drei Triumphen von 2006 bis 2008 fügte der mittlerweile stärkste Schweizer Langstreckler seinem Palmares einen vierten Hallwilerseelauf-Sieg bei. Als zweitbester Schweizer lief der junge Gebenstorfer OL-Spezialist Samuel Keller auf Rang 8.

Neue Grössenordnungen

Bei den Frauen wiederholte Jemeli Kiprono (Ken) mit ihren 1:17:41 Stunden ihren Vorjahressieg. Die 32-Jährige siegte noch souveräner als Abraham – mit einem Vorsprung von 2:14 Minuten auf die zweitplatzierte Landsfrau Jedidah Wanjiru. Als beste Schweizerin verpasste die Stanserin Lucia Mayer den dritten Platz um 56 Sekunden. Nachdem sie letztes Jahr den 10-km-Lauf für sich entschieden hatte, zeigte sich die routinierte Langstrecklerin «ein wenig überrascht ob der Tücken dieser Strecke».

Mit 7877 klassierten Läuferinnen und Läufern in den verschiedenen Kategorien resultierte bei der 40. Austragung ein eindrücklicher Teilnehmerrekord – ein Zuwachs von über zehn Prozent.

Aktuelle Nachrichten