Dazwischen taucht ein weisses Trikot mit Huwiler Sport-Logo auf. FC Muri, Saison 2002/2003. Ein Schnäppchen. Obwohl getragen und damit wertvoller, ist es für nur knapp 50 Pfund zu haben. «Blickdichtes, rares Shirt, nicht verwaschen, Zustand der Nummer und Sponsorenlogos exzellent», preist der Verkäufer an.

Wie hat es dieses Shirt nach England geschafft? Verkäufer Doug antwortet per E-Mail: «Wir haben dieses und andere Shirts von Schweizer Teams in einem Tauschgeschäft von einem Sammler gegen englische Trikots erhalten.

Wir beziehen so viele Trikots von Schweizer Mannschaften wie möglich. Sie haben oft spannende Designs. GC hatte zum Beispiel mal ein Trikot mit dem Aufdruck «Why drugs?».

Auf die Frage, wer denn nun dieses Muri-Trikot nach England geschickt hat, weiss Doug keine Antwort. «Jeden Monat erhalten wir gegen 1000 Shirts, deshalb kann ich mich nicht mehr erinnern.»

«Ich habe keine Ahnung mehr, was damals mit meinem Leibchen passiert ist.»

Nach drei Telefonaten haben wir immerhin herausgefunden, wem das Trikot mit der Nummer 14 gehört hat: Philipp Andris. Und dass es gar nicht aus der Saison 2002/03 stammt, sondern eine Spielzeit jünger ist.

Muri hatte die Saison 2003/04 in der 2. Liga Inter auf dem 8. Rang beendet. Per Telefon erreicht die AZ den Fussballer Andris auf der Skipiste. Er kann kaum glauben, dass man sein Trikot online erwerben kann.

«Ich habe keine Ahnung mehr, was damals mit meinem Leibchen passiert ist.» Lachend fügt Andris an: «Hoffentlich macht der Verkäufer wenigstens gutes Geld mit dem Trikot, wenns schon meines gewesen ist.»

Zwei Telefonate später sind wir nicht weiter. Der damalige Trainer Roger Wehrli weiss ebenso wenig wie der damalige Sportchef Hampi Schläpfer. Immerhin hat Christian Zemp, auch er ein früherer Sportchef, ein paar Ideen: «Vielleicht ist das Trikot mal nach der Fasnacht übrig geblieben. Oder da kommt mir in den Sinn:

FC Muri in Gambia: «Die trugen zuerst nur Hosen. Danach waren sie aber komplett ausgerüstet.»

Einige Spieler haben in Muri-Trikots die Fussball-WM in Deutschland besucht. Dort habe ich auch Philipp Andris gesehen.» Wehrli, Schläpfer und Zemp verweisen alle auf Wädi Stierli. Er verwaltete damals das Material. Die letzte Hoffnung. Das letzte Telefonat. Doch auch Stierli lacht nur in den Hörer.

«Seit 15 Jahren bin ich für das Material von Muri verantwortlich, aber wie dieses T-Shirt zu diesem englischen Anbieter gekommen ist, da habe ich keine Ahnung.»

Manchmal kriege ein langjähriger Spieler sein Trikot an der Generalversammlung überreicht, manchmal gingen die Trikots von der ersten an die zweite Mannschaft, ab und zu habe er Shirts in den Osten geschickt. Und einmal, in einem Trainingslager in Gambia, hätten die Muri-Kicker mit 100 Kindern gespielt. «Die trugen zuerst nur Hosen. Danach waren sie aber komplett ausgerüstet.»

Ein Schnäppchen auf www.classicfootballshirts.co.uk/ – das «glänzende, angenehm zu tragende Shirt» des FC Muri aus dem Jahr 2003/04. Aber niemand will es. Verkäufer Doug schreibt: «Seit einem Jahr lagert das Trikot bei uns. Es scheint von keiner populären Schweizer Mannschaft zu sein. Aber vielleicht liest jemand diesen Artikel und entdeckt dabei genau das Shirt ist, das er schon immer haben wollte.»