FC Wohlen

Wie Marko Muslin in Wohlen zum offensiven Mittelfeldspieler umgewandelt wurde

Marko Muslin fühlt sich wohl in seiner neuen Rolle.

Marko Muslin fühlt sich wohl in seiner neuen Rolle.

Unter Martin Rueda spielte Marko Muslin meist in der Innenverteidigung. Doch seit Francesco Gabriele die Geschicke der Freiämter leitet, spielt der 31-Jährige im offensiven Mittelfeld. Und diese Rolle scheint ihm zu behagen.

«Mein Gott», schreit Verteidiger Sead Hajrovic plötzlich und übertönt kurzzeitig gar die beschwingenden Beats, die aus der Wohler Kabine ertönen. «Jetzt darf der auch noch Interviews geben, obwohl er das Tor nicht traf.» Hajrovics Worte sind an Marko Muslin gerichtet, der vor der Garderobe gerade den ersten Sieg im achten Heimspiel aufarbeitet. Noch bevor Hajrovic seinen Satz zu Ende gesprochen hat, zieht er seine Mundwinkel hoch. Natürlich sind die Worte nicht ernst gemeint. Das weiss auch Muslin. Er lacht und sagt: «Eigentlich hat er ja recht.»

Denn wäre der FC Winterthur in der turbulenten Schlussviertelstunde doch noch zum Ausgleich gekommen, dann würde sich Muslin nun ein paar Gedanken mehr machen. In der 36. Minute nämlich versäumte es der 31-Jährige, dem FC Wohlen eine Zwei-Tore-Führung zu bescheren. Captain Alain Schultz war es, der sich auf der rechten Seite durchtankte und Muslin im Zentrum herrlich in Szene setzte. Der Serbe schaffte es aber tatsächlich, statt das Tor einen zurück gesprinteten Gegenspieler zu treffen. Muslin weiss, dass ein 2:0 vieles vereinfacht hätte. An diesem Abend, an dem der FC Wohlen trotz durchschnittlichem Fussball letztlich einen fürstlichen Lohn geniesst.

Für anderes vorgesehen

Haften bleiben nach den 90 Minuten gegen Winterthur aber nicht nur Muslins verpasste Möglichkeiten, sondern auch Aktionen wie die in der 27. Minute. Da war er es, der mit seiner massgeschneiderten Flanke am Ursprung des einzigen Treffers stand. Es war sein zweiter Assist innert drei Spielen. Kein Glanzwert, aber unter seinen Umständen schon ansprechend. Dass Muslin dereinst hauptsächlich über Tore und Assists spricht, ahnte bei seiner Verpflichtung im Sommer 2015 nämlich keiner. Nicht einmal er selbst. Denn als der Routinier ins Freiamt geholt wurde, kündigte man ihn als designierten Chef der Defensive an.

Immer weiter nach vorne

Ex-Trainer Martin Rueda setzte Muslin praktisch nur in der Innenverteidigung ein. Anfang dieser Saison beorderte ihn Rueda dann ins zentrale Mittelfeld. Eine Aufgabe, die Muslin auch bei seinem letzten Arbeitgeber Wil immer wieder zuteil wurde. Als Rueda ging, sah sich der Serbe mit der nächsten Umfunktionierung seiner selbst konfrontiert. Der neue Trainer Francesco Gabriele positioniert Muslin im offensiven Mittelfeld.

Marko Muslin ist unter Francesco Gabriele neu im offensiven Mittelfeld zuhause.

Marko Muslin ist unter Francesco Gabriele neu im offensiven Mittelfeld zuhause.

Für Muslin scheint diese neue Herausforderung im Herbst seiner Karriere ziemlich beflügelnd. Nachdem er in seiner ersten Saison im Freiamt öfters lethargisch wirkte, steht er plötzlich als Synonym für einen Wadenbeisser. Er kompensiert fehlende Technik durch unermüdlichen Einsatz. Das ist auch gegen Winterthur so. Doch in diesen 90 Minuten offenbart sich auch immer wieder, dass Muslins Rolle eben doch noch neu ist. Die Zahl der ungezwungenen Fehler ist noch zu gross. Er sagt: «Es gelingt mir noch nicht alles nach Wunsch, aber wenn die Entwicklung weiter so positiv ist wie zuletzt, dann kommt es gut.»

Muslin sieht sich nicht nur in der Pflicht, mehr Einfluss aufs Spiel auszuüben, sondern auch mehr Verantwortung zu übernehmen. Oder wie er es nennt: «Künftig das Tor zu treffen.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1