Gesundheit
Wie gesund ist die santésuisse-Direktorin?

Verena Nold Rebetz aus Hausen bei Brugg ist Direktorin des Krankenkassenverbandes santésuisse. Die 51-Jährige spricht über den beruflichen und persönlichen Stellenwert des Sports und erklärt, weshalb man sie nicht im Fitnesscenter antrifft.

Fabio Baranzini
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Verena Nold Rebetz in Solothurn, wo die Direktion von santésuisse ansässig ist

Verena Nold Rebetz in Solothurn, wo die Direktion von santésuisse ansässig ist

fba

Verena Nold Rebetez, Sie sind seit letztem Juni Direktorin von santésuisse. Finden Sie seither noch Zeit, um Sport zu treiben?
Mein Terminkalender ist in der Tat ziemlich voll. Dennoch versuche ich, mir zwei bis drei Mal pro Woche Zeit für Sport einzuplanen. Dabei kann ich abschalten und Distanz zur Arbeit gewinnen. Im Frühling gehe ich gerne Tennis spielen und joggen.

Haben Sie eine fixe Strecke, die Sie jeweils laufen?
Ja, direkt vor meiner Haustür liegt der Eitenberg. Das ist ein kleiner Hügel, vielleicht 500 Meter hoch, und dort mache ich jeweils eine «Höhenrundtour» um den Eitenberg. Es ist eine wunderschöne Strecke, auf der man bei gutem Wetter die Alpen sieht.

Gehen Sie auch im Winter joggen oder trifft man Sie da eher im Fitnesscenter?
Ich bin nicht der Typ, der im Fitnesscenter auf dem Laufband Kilometer abspult und dabei in einen Monitor starrt. Ich finde es viel schöner in der Natur. Wenn man im Frühling durch den Wald rennt, die ersten Blumen und Blätter sieht und es nach Bärlauch riecht - da kann kein Fitnesscenter mithalten.

Sie versuchen also auch, sich im Winter draussen zu bewegen?
Ja, mit meiner Familie bin ich sehr oft in Langwies direkt vor Arosa. Wir haben dort eine Ferienwohnung und gehen Skifahren, Wandern oder Schlitteln. Zudem fährt mein Sohn Dominique sehr ambitioniert Snowboard und strebt eine Profikarriere als Freestyler an. Entsprechend verbringt er sehr viel Zeit im Schnee und so sind auch mein Mann und ich häufig auf der Skipiste.

Ist es nicht sehr umständlich, als Aargauer eine Snowboardkarriere ins Auge zu fassen?
Das ist es in der Tat. Aus diesem Grund versucht Dominique derzeit, einen Platz an der Sportschule Engelberg zu bekommen. Sollte das nicht klappen, ist der Zug wohl abgefahren. Ewig kann man ja nicht Profisportler werden. Die gehören ja immer früher zur Weltspitze.

Der Japaner Ayumu Hirano hat in Sotschi im Alter von 15 Jahren bereits die Silbermedaille in der Halfpipe gewonnen.
Das ist schon Wahnsinn. Der ist wahrscheinlich schon in den Windeln auf dem Board gestanden und schaffte mit vier Jahren seinen ersten Three-Sixty (lacht).

Sind Sie auch schon auf einem Snowboard gestanden?
Ja, mein Mann und ich haben einen Schnupperkurs besucht. Er hat das Board nach einem halben Tag zur Seite gelegt, ich habs immerhin eineinhalb Tage ausgehalten. Ich verstehe nicht, wie man auf diesem klobigen Brett den Hang runter fahren kann (lacht). Da bleib ich lieber beim Skifahren.

Ihr Sohn hat das Snowboard-Talent also nicht geerbt.
Nein, definitiv nicht. Aber die Sportbegeisterung hat er von uns. Mein Mann hat früher im Nachwuchs von Xamax Fussball gespielt und ist heute Juniorentrainer beim FC Brugg. Sport hat in unserer Familie einen sehr hohen Stellenwert.

Wie stark verfolgen Sie die hiesige Sportszene?
Wenn beispielsweise Podladtchikov in Sotschi fährt oder Federer einen Final bestreitet, läuft bei uns zu Hause der Fernseher. Da fiebern wir natürlich mit. Zudem interessiert mich auch das Eishockey, vor allem der HC Davos.

Besuchen Sie ab und zu Spiele des HCD?
Das liegt leider zeitlich meist nicht drin, aber am Spengler Cup bin ich wenn möglich jedes Jahr dabei.

In Ihrer Familie geniesst der Sport einen sehr hohen Stellenwert. Welche Rolle spielt der Sport in Ihrem beruflichen Alltag?
Der Sport steht im direkten Zusammenhang mit der Gesundheitsförderung, für die wir uns starkmachen. Wir sähen es natürlich gerne, wenn sich die Menschen mehr bewegen würden.

Wenn man die Berichterstattung in den Medien zu diesem Thema verfolgt, hat man das Gefühl, wir würden immer dicker und unsportlicher. Teilen Sie diese Ansicht?
Sie ist nicht ganz falsch. Wir stellen aber fest, dass es enorme Unterschiede gibt. Die einen machen extrem viel Sport, die andern bewegen sich kaum. Dabei spielt meist der soziale Hintergrund eine wichtige Rolle. Kinder aus einkommensschwachen Familien und solche mit Migrationshintergrund treiben tendenziell weniger Sport.

Wie kann man dem entgegenwirken?
Das ist schwierig. Ich bin aber überzeugt, dass die Sportklubs hier einen wichtigen Beitrag leisten können. Allerdings müssen wir schauen, dass die Vereine nicht nur die besten Sportler fördern, sondern auch ein Angebot für weniger talentierte Kinder haben. Die Hauptsache ist ja, dass sich die Kinder bewegen.