Handball

Wie geht es weiter bei den Aargauer Frauenteams?

Bald nur noch Nostalgie: Zofingens Frauen freuen sich über einen Erfolg in der höchsten Schweizer Liga.

Bald nur noch Nostalgie: Zofingens Frauen freuen sich über einen Erfolg in der höchsten Schweizer Liga.

Wegen zu schlechten sportlichen Perspektiven, einem kleinen Budget und der fehlenden Basis lässt sich das SPL-Team des TV Zofingen Ende Saison freiwillig relegieren. Doch wer schliesst die Lücke, die dadurch im Aargau entsteht?

Die Verantwortlichen der Frauen des TV Zofingens gaben jüngst bekannt, dass sie ihre Mannschaft aus der Spar Premium League (SPL 1) zurückziehen. Der Verein habe mit der ersten Mannschaft zwar ein Dach, aber das Haus darunter fehle, schrieb das Zofinger Tagblatt. Die Abgänge der Rückraumspielerinnen und Teamstützen Pascale Wyder und Nina van Polanen sowie weiterer Spielerinnen zeichneten sich ab und die Vereinsleitung von Zofingen sah keinen Weg, diese Spielerinnen adäquat zu ersetzen.

Das aktuelle Zofinger Team besteht zum grössten Teil aus ehemaligen Juniorinnen, die in der Spielgemeinschaft SG Aargau West ausgebildet wurden. Die Partnerschaft der Vereine HSC Suhr Aarau, Rotweiss Buchs und TV Zofingen stellte in der Vergangenheit starke Juniorinnenteams. Der Gipfel des Erfolgs war das Jahr 2012. Die U19 Inter Mannschaft der SG Aargau West siegte im Playoff-Final gegen den LC Brühl Handball. Die Aargauer Nachwuchs-Handballerinnen waren damit Schweizer Meister. Die Branchenführerinnen aus Brühl und Nottwil hatte man hinter sich gelassen.

Erfolg war Anfang vom Ende

Damals bestand ein Reservoir an Spielerinnen mit grossem Talent und Klasse. Das Zofinger Spitzenteam bediente sich dann auch saus diesem Spielerpool. Die Mannschaft in der SPL 1 besteht bis heute aus Schweizer Meisterinnen von 2012: Mit Marina Decurtins, Sandra und Laura Roth, Adriana Rudolf, Ellen Welti, Pascale Wyder, Marion Ort und Cedrine Zanitti findet man gleich acht Spielerinnen im sich nun auflösenden Team (siehe Box) wieder. Nina van Polanen spielte zum Zeitpunkt des Nachwuchserfolges als 16-Jährige sogar bereits bei Zofingen in der SPL 1.

«Nach diesem Triumph hat das Unheil seinen Lauf genommen», sagt Christoph Wyder, Sportchef der Frauen des TV Zofingens, «danach haben wir sehr viele Spielerinnen sofort in die erste Mannschaft nehmen müssen, um die vielen Abgänge zu kompensieren, und die U19 mussten wir deshalb liquidieren.»

Talente gehen verloren

Seither hatten die Nachwuchsteams der SG Aargau West nicht mehr die Klasse wie im goldenen Jahrgang der 2012-Meisterinnen. Der Negativtrend gipfelte im letzten Frühling darin, dass sich die U17-Mannschaft nicht mehr für die Elite-Meisterschaft qualifizieren konnte. Seither dümpelt die ehemalige Vorzeige-Spielgemeinschaft in der regionalen U17-Liga.

Diese Misere verschlechterte auch die Ausgangslage für die Regionalauswahl Aargau Plus (RA), sozusagen die Aargauer Juniorinnen-Nationalmannschaft. Annika Pettersson, die Trainerin der RA, sagt: «Im Moment fehlen im Aargau gute Nachwuchsteams. Die meisten RA-Spielerinnen spielen in regionalen Ligen auf zu tiefem Niveau.»

Man könne auch beobachten, dass sich talentierte Juniorinnen für Mannschaften ausserhalb des Aargaus interessieren. Es besteht also die Gefahr, dass der Aargau seine Talente letztlich für Innerschweizer oder Zürcher Vereine ausbildet. Mangels Alternativen im eigenen Kanton. Klar ist für alle Beteiligten: Um im Aargau Spitzenhandball zu bieten, braucht es Nachwuchsteams mit Klasse.

Juniorenteams müssen her

Nach Zofingens Rückzug bleibt Handball Wohlen in der SPL 2 als einziges Aargauer Frauenteam in den obersten beiden Spielklassen zurück. Bei den Freiämtern tönt es aber ähnlich wie in Zofingen. Wohlen-Trainer und Frauenhandball-Urgestein Rolf Leuenberger sagt: «Wir können die Lücke der Zofingerinnen nicht schliessen. Wir haben bei den Juniorinnen ein riesiges Loch.»

Für Leuenberger ist klar: Die Aargauer Teams können nur überleben, wenn zusammengearbeitet wird. «Ich habe mehr als einmal versucht, so etwas wie ein Team Aargau zu organisieren», sagt Leuenberger. Ohne Erfolg. Probleme mit Sponsoren, Schwierigkeiten beim Finden eines Namens, zu starkes Vereinsdenken: Die Bemühungen seien stets früh gescheitert.

Leuenberger ergänzt: «Da hatten immer alle Angst, dass sie am Schluss zu kurz kommen. Da gab es auch Futterneid.» Leuenberger wünscht sich in diesem Fall mehr Engagement des Verbandes. «Verbandsleute könnten da vielleicht zwischen den Klubs vermitteln», sagt er.

Team Aargau ist unrealistisch

Leuenbergers Ideen treffen bei anderen Playern aber auf Skepsis. Annika Pettersson sieht das Problem in den Distanzen: «Aarau und Wettingen liegen für eine 15-Jährige sehr weit auseinander.» Ähnlicher Meinung ist auch Christoph Wyder vom TV Zofingen: «Der Aargau ist so ein heterogener Kanton. Die Fricktaler sind nach Basel orientiert, die aus der Region Baden schielen eher in Richtung Zürich und die Aarauer, Oltner und Zofinger bilden eine eigene Region. Eine umfassende Aargauer Zusammenarbeit ist leider unrealistisch.»

Eine Spielgemeinschaft zu bilden, sei immer die zweitschlechteste Lösung vor dem Auflösen einer Mannschaft, sagt Wyder zur Idee Leuenbergers. Eine erneute Zusammenarbeit mit Olten, Buchs und Aarau zu einem späteren Zeitpunkt ist für Wyder trotz der Grundskepsis aber durchaus denkbar.

Andere Vereine gehen derweil erste Schritte: Der Handballverein Olten und Rotweiss Buchs gaben letzte Woche eine Zusammenarbeit bekannt. «Daraus entstehen wird beispielsweise ein gemeinsames U17-Juniorinnenteam», steht im Communiqué. Das könnte ein erster Schritt aus der momentanen Nachwuchskrise im Aargauer Frauenhandball sein. Denn wenn die Vereine nur eigene Projekte durchziehen, muss man wahrscheinlich noch lange auf den nächsten Höhenflug warten.

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