Curling

Wie es ein Aargauer Duo mit Bern an die Olympischen Spiele schaffen will

Das Curlingteam Bern Zähringer mit Aargauer Verstärkung (v. l.): Yannick Schwaller (Skip), Romano Meier, Michael Brunner und Marcel Käufeler.

Das Curlingteam Bern Zähringer mit Aargauer Verstärkung (v. l.): Yannick Schwaller (Skip), Romano Meier, Michael Brunner und Marcel Käufeler.

Romano Meier und Marcel Käufeler starten beim topbesetzten Baden Masters als Lokalmatadoren in Berner Diensten.

Curling ist völkerverbindend. Da spielen zum Beispiel zwei Aargauer, ein Solothurner und ein Appenzeller fürs Team Bern Zähringer. Eine explosive Mischung. Und eine vielversprechende dazu. Die letztjährigen Vierten der Schweizer Meisterschaft haben sich im Hinblick auf ihre hohen Ambitionen personell noch einmal verstärkt. Die Vision lautet «Olympische Spiele 2022 in Peking», die freche Zielsetzung für die in Baden beginnende Saison «Las Vegas». Durchaus, um in der weltberühmten Spielerstadt zu spielen – Curling zu spielen. In Nevadas Wüste findet im April 2018 erstmals die Weltmeisterschaft statt.

Frech ist diese Zielsetzung deshalb, weil Marcel Käufeler aus Wettingen (23), Romano Meier aus Ehrendingen (22), Skip Yannick Schwaller aus Halten (22) und Neuzugang Michael Brunner aus Appenzell (22) das mit Abstand jüngste Team an der Schweizer Curlingspitze bilden. Das Quartett hat in der rund zehnjährigen sportlichen Laufbahn immer wieder in unterschiedlicher Kombination gemeinsame Erfolge gefeiert.

So waren Schwaller und Meier 2014 Junioren-Weltmeister und Schweizer Nachwuchsteam des Jahres. 2015 gewann das Duo WM-Silber, 2016 reichte es zum vierten Rang. Meier siegte zusammen mit Brunner 2012 im Mixed-Wettbewerb der Olympischen Jugendspiele und das Trio Käufeler, Meier und Brunner holte für den Curling-Club Baden Regio mehrere Medaillen an Schweizer Nachwuchs-Meisterschaften.

120 000 Franken für eine Saison

Nun sind sie also vereint und haben als Berner Exportschlager Grosses vor. Offensichtlich glauben auch das Umfeld, die Sponsoren und der Verband ans Potenzial des Schwaller-Teams. So gelang es dank beträchtlichen Anstrengungen, das notwendige Jahresbudget von 120 000 Franken zu stemmen. Für einen Sportstudenten (Meier), einen angehenden Informatiker (Brunner), einen Hochbauzeichner (Schwaller) und einen Kaufmann (Käufeler) mit je einem Teilzeitpensum ohne die Unterstützung von Sponsoren und Privatpersonen ein Ding des Unmöglichen.

Dank des finanziellen Zustupfs ist das Team noch fokussierter und noch professioneller unterwegs, kann in diesem Winter elf Turniere der World Curling Tour in Europa und Übersee bestreiten, um die so wichtige internationale Erfahrung zu sammeln. Nach dem Baden Masters geht es direkt ins erste von zwei zweiwöchigen Trainingslagern mit zwei Turnieren nach Kanada. Weitere Reisen nach Schottland und China folgen.

Gar als «Luxuslösung» bezeichnet das Quartett die Zusammenarbeit mit den beiden Trainern Bernhard Werthemann und Pius Matter. «Es ist alles andere als selbstverständlich, dass wir in diesem Bereich sorglos sind, denn wir können die Coaches für ihre Arbeit nicht entschädigen», sagt Marcel Käufeler.

Ein Leckerbissen zum Saisonstart

Beim zweiwöchigen Trainingslager mit Eis-Einheiten in Dättwil sowie Krafttrainings in Wettingen war zudem Mixed-Weltmeister Martin Rios als kompetenter Trainer vor Ort. Und auch Nationalcoach Thomas Lips begleitet die hoffnungsvollen Youngster intensiv. Neu arbeiteten die vier Curler auch mit einem Mentaltrainer zusammen.

Als Stärke bezeichnen die Vier «die Harmonie im Team». Man versteht sich wirklich gut. Nachdem die Unbeschwertheit der ersten Saison bei der Elite einer höheren Erwartungshaltung gewichen war und sich im zweiten Elite-Jahr Hochs und Tiefs abwechselten, versucht man nun, bei den Turnieranalysen einen weiteren Qualitätssprung zu erreichen.

Bei der dritten Teilnahme am Baden Masters möchte man zum ersten Mal die Gruppenphase überstehen. Selbst dies ist ein hohes Ziel, denn als erster Gegner wartet am Freitagmorgen um acht Uhr kein Geringerer als der schwedische Weltmeister Niklas Edin. Neben Gstaad sind auch die Olympiateams von Finnland und Russland in der «Schwaller-Gruppe». Eine echte Herausforderung. Aber auch eine weitere Gelegenheit, sich für den Curling-Olymp zu empfehlen.

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