Mitten im Gespräch über Gott und die Welt packt Marco Schällibaum die Neugier. «He, Andy», schreit der Trainer des FC Aarau auf dem Trainingsplatz im Brügglifeld in Richtung seines Assistenten, «wann haben wir mit den Grasshoppers den Cup gewonnen?» Die Antwort von Andy Ladner kommt wie aus der Pistole geschossen. «Das war 1983», entgegnet er. «GC hatte damals eine Riesenmannschaft. Wir haben alle geschlagen, die sich uns in den Weg gestellt haben.»

Tatsächlich: GC holte in der Saison 1982/83 nicht nur den Cup, sondern gewann auch die Meisterschaft, sicherte sich also das Double. Ein Blick auf die Mannschaftsliste lässt vor allem die Fussballer-Herzen älterer Generationen höherschlagen. Spieler wie Roger Berbig, Roger Wehrli, Andy Egli, Charly In-Albon, Kurt Jara, Marcel Koller, Heinz Hermann und Claudio Sulser sorgten nicht nur auf der nationalen, sondern auch auf der internationalen Bühne für Schlagzeilen.

Der Prominenteste aber war der Übungsleiter. Hennes Weisweiler! Der deutsche Kult-Trainer reihte mit den Zürchern einen Erfolg an den andern. Auf die grosse Freude folgte das grosse Leid: Weisweiler verstarb Anfang Juli 1983 völlig überraschend nur drei Wochen nach dem gewonnenen Cupfinal gegen Servette im Alter von 64 Jahren an einem Herzinfarkt.

Kein Einsatz für Soldaten
Mit dabei im Spielerkader waren damals auch die 21-jährigen Schällibaum und Ladner. Ladner verteidigte auf der rechten, Schällibaum auf der linken Abwehrseite. Weisweiler galt als Talentförderer und setzte in seiner Arbeit als Trainer konsequent auf junge Spieler. Im Gegensatz zu Ladner zählte Schällibaum im Cupfinal 1983 allerdings nicht zur Startformation. Der Grund? «Das ist einfach zu erklären», blickt Schällibaum mit Wehmut zurück.

«Ich musste damals Militärdienst leisten und war während 17 Wochen bei den Übermittlungs-Truppen in der Rekrutenschule in Dübendorf. Im Gegensatz zu heute bekamen Berufsfussballer damals keine Freigabe. Nicht einmal für einen Cupfinal!» Nur Zuschauer – das war für Schällibaum eine bittere Pille! Genauso wie Ladner galt er Anfang der 1980er-Jahre als eines der grössten Schweizer Talente und gab sein Debüt im Dress von GC unter der Führung von Trainer Timo Konietzka schon im Alter von 18 Jahren.

Einen GC-Spieler darf man in der Aufzählung der Stars vom Doublegewinner 1983 aber nicht vergessen: Es ist die langjährige Nummer 10 von GC!
Es ist Raimondo Ponte! Der 34-fache Internationale spielte von 1974 bis 80 und von 1982 bis 88 für die Zürcher. In dieser Zeit gewann Ponte dreimal die Meisterschaft und zweimal den Cup. In der Saison 1977/78 erreichte er mit GC die Halbfinals im Uefa-Cup und wurde mit zehn Treffern Torschützenkönig.

Wieder vereint
Als seine schönste Saison im Dress von GC bezeichnet Ponte allerdings die von 1982/83. «Wir hatten zwei Gruppen von Spielern, die sich gegenseitig angestachelt haben», erinnert er sich. «Eine Gruppe bestand aus Zürcher Spielern wie Heinz und Herbert Hermann, Schällibaum und Ladner. Die andere Gruppe bestand aus Spielern wie Wehrli, Egli, Jara und mir. Dieses Reizklima führte dazu, dass alle Spieler an ihre Leistungsgrenzen gingen und Höchstleistungen zeigten. Ein weiterer Grund für den Höhenflug», fügt Ponte hinzu, «war die ideale Mischung aus routinierten und talentierten Spielern.»

33 Jahre nach den grossen Erfolgen mit GC ziehen Schällibaum, Ladner und Ponte erneut am gleichen Strick. Diesmal aber nicht bei GC, nein, diesmal beim FC Aarau! Schällibaum und Ladner, beide 54 Jahre alt, sind als Trainer respektive Assistent tätig. Und Ponte, inzwischen auch schon 61-jährig, spielt im Brügglifeld die Rolle des Strategen. Mit dem Job des Sportchefs in jenem Klub, in dem er als Talent seine Profikarriere lancierte, hat sich Ponte einen Traum erfüllt. Und wie man es vom früheren Klassefussballer und langjährigen Trainer erwarten darf, leistet er bei seinem Herzensverein gute Arbeit.

Ob auf, ob neben dem Spielfeld; Ponte war, ist und bleibt immer eine – Nummer 10. «Halt», sagt er selbst, «einmal musste ich die 10 abgeben. Als Ende der 1970er-Jahre mit Günter Netzer ein ganz Grosser zu GC wechselte, blieb mir keine andere Wahl. Für den deutschen Superstar tat ich das aber gerne.»