Turf

Wie aus einer andern Liga: Swedishman gewinnt die Traber Meisterschaft

Swedishman mit Patricia Felber im Sulky setzte sich dank seinem überragenden Speed souverän durch.

Swedishman mit Patricia Felber im Sulky setzte sich dank seinem überragenden Speed souverän durch.

Die 70. Meisterschaft der Traber war das Highlight am Sonntag im Schachen: Swedishman degradiert dabei die Konkurrenten zu Statisten.

Vom bisher vielleicht besten Meisterschaftsfeld aller Zeiten war in der Fachpresse die Rede gewesen. Und davon, dass dieses Elferfeld äusserst ausgeglichen sei – ohne ein Pferd, das man von Anfang an abschreiben könne. Sei es wegen der Klasse, wegen der Form oder wegen der mehrfach bewiesenen Eignung für die Rennbahn im Aarauer Schachen.

Die Wetter, die am gestrigen Rennsonntag am Totalisator in acht Rennen 84 575 Franken umsetzten, vertrauten auf die Klasse und machten Swedishman, das mit Abstand gewinnreichste Pferd im Feld zum Favoriten.

Dies, obschon der 12-jährige Wallach in der Schweiz bisher nur auf den grossen Bahnen in Avenches und Frauenfeld gelaufen war. Auch seine Fahrerin Patricia Felber, die Swedishman im Waadtland für den Besitzer Carlo Pavone trainiert, sagte hinterher, sie sei nicht von vornherein sicher gewesen, dass ihr Crack mit den engen Bögen der Aarauer Linksbahn optimal zurechtkommen würde. Swedishman sieht auf dem linken Auge nichts.

Es wäre deshalb denkbar gewesen, dass er in den Bögen nach rechts, sprich nach aussen gedrückt hätte. Davon war im Rennen dann aber nichts zu sehen. Aufpassen musste Patricia Felber, wie sie sagte, beim Aufrücken auf der letzten Gegenseite – aus einem andern Grund: Wenn man Swedishman einmal «schickt», kann man ihn nicht mehr zurücknehmen. Und ein Antritt in diesem Moment wäre zu früh gewesen.

Start aus der zweiten Reihe

Mit der zugelosten Startnummer neun musste der Favorit aus der zweiten Reihe hinter dem Startauto ins Rennen gehen. Für die – überaus gute – Pace sorgte lange Zeit Undset, der, mit Renaud Pujol im Sulky, den besten Start erwischt hatte.

Bei der zweiten Tribünenpassage waren Tobrouk de Payré (Adrian Burger) und Un Géant d’Amour (Jean-Bernard Matthey) die ersten Verfolger. Derweil trabte Swedishman, im Rücken der Vorjahreszweiten Semola GK, die bei den Wettern recht viel Vertrauen genoss, an neunter Position – wobei das Feld stets kompakt blieb. Obschon die Aarauer Einlaufgerade relativ kurz ist, musste so in der Endabrechnung das Beschleunigungsvermögen ausschlaggebend sein.

Spannend wars nicht, was sich im Einlauf abspielte. Aber eindrücklich. Zu überlegen war Swedishman, als ihn seine Fahrerin lancierte. Schon etwa 100 Meter vor dem Pfosten begann Patricia Felber zu strahlen. Fünf Längen betrug im Ziel der Vorsprung des überlegenen Siegers auf den zweitplatzierten Totem d’Azur.

Dass Swedishman im Schachen wie ein Pferd aus einer andern Liga auftrat, bewies auch die überschäumende Freude von Valéry Henri im Sulky von Totem d’Azur: Ein zweiter Platz war das höchste aller Gefühle, das für Swedishmans Konkurrenz gestern realistisch war.

Der Sieger erzielte eine – auf Gras schnelle – Kilometerreduktion von 1:17,3. Sprich: Für den Kilometer benötigte er im Durchschnitt 1 Minute und 17,3 Sekunden. Auf den letzten 300 Metern des über 2500 m führenden Rennens muss er deutlich schneller gelaufen sein.

Patricia Felber gewann die Meisterschaft der Traber vor sechs Jahren schon einmal – mit Opéra House. Mit Valérie Henri (Totem d’Azur) und Nathalie Gonin (Spike) fuhren gestern zwei weitere Frauen aus der Romandie auf die übrigen Podestplätze.

Undset, Un Géant d’Amour und Semola GK folgten auf den restlichen Geldrängen. Attenarco, der Meister 2016 und 2017, hatte nie etwas mit dem Ausgang des Rennens zu tun. Wegen Gangartproblemen wurde er schliesslich disqualifiziert.

Zwei Siege für Hansjörg Speck

Im Galoppsektor schauten für den Reinacher Trainer Hansjörg Speck zwei Siege heraus: Unter Michael Huber setzte sich Andrea Kretschmers Vaihau im Hürdenrennen über 3200 Meter leicht durch. Mit Nadja Burger im Sattel siegte Stall Hedros Future Reference Start-Ziel in einem Flachrennen über 2000 Meter für dreijährige und ältere Pferde.

Autor

Ueli Wild

Ueli Wild

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