Fussball

Wichtiges Signal, aber kein Grund zur Entspannung: Der FCA-Präsident über das Ende der 1000er-Grenze

FCA-Präsident Philipp Bonorand hat mit Schlimmerem gerechnet: Nun ist er froh über die Perspektive, dass ab Oktober Fussballspiele mit mehr als 1000 Zuschauern möglich sind

FCA-Präsident Philipp Bonorand hat mit Schlimmerem gerechnet: Nun ist er froh über die Perspektive, dass ab Oktober Fussballspiele mit mehr als 1000 Zuschauern möglich sind

Immerhin Licht am Horizont: Philipp Bonorand befürchtete die Verlängerung der 1000er-Grenze bis mindestens Ende Jahr. Es ist anders gekommen, doch viele Fragen bleiben offen - zum Beispiel: Dürfen die Zuschauer im Brügglifeld stehen oder müssen mehr Sitzplätze geschaffen werden?

Hat der Bundesrat ein Herz für den Spitzensport? Da die Mehrheit der Kantone und die Wissenschaft sich für eine Verlängerung der Veranstaltungsobergrenze von 1000 Personen bis mindestens Ende Jahr ausgesprochen haben, erwartete Philipp Bonorand den Entscheid der Landesregierung mit unguten Gefühlen. Als Innenminister Alain Berset dann die Kompromisslösung verkündete, dass nach einer einmonatigen Verlängerung die 1000er-Grenze ab 1. Oktober grundsätzlich fällt, hob das die Laune des Präsidenten des FC Aarau. Wenn auch nur bedingt: Denn wie die von Berset proklamierten «strengen Schutzmassnahmen» aussehen und was sie für das Stadion Brügglifeld bedeuten, ist offen. «Aber das Signal, dass Grossanlässe mit mehr als 1000 Personen wieder möglich sind, ist wichtig. Darüber bin ich froh, meine schlimmsten Befürchtungen sind nicht eingetroffen.»

Als vernachlässigbar bezeichnet Bonorand die Tatsache, dass die ersten vier Spieltage der am 11. September beginnenden Saison 2020/21 und somit zwei, maximal drei FCA-Heimspiele noch im alten Regime ausgetragen werden. Einer Verschiebung des Saisonstarts, wie sie die Swiss Football League prüft, steht der FCA-Präsident eher kritisch gegenüber: Die Vorbereitungsprogramme würden stehen und der Termindruck bis zum Saisonende im Mai 2021 sei eh schon hoch.

Anfang dieser Woche hat der FC Aarau den Verkauf der Saisonkarten lanciert. Die Aussicht, ab Oktober wieder ins Brügglifeld gehen zu können, dürfte den einen oder anderen bislang zweifelnden Fan ermuntern, zuzugreifen. Auch gegenüber der bislang treuen Sponsorenschaft ist die wahrscheinliche Annäherung hin zur Normalität ein wichtiges Zeichen, die Plakate und Werbesports im Stadion stossen bald wieder auf Zuschaueraugen.

Aber eben: Es ist ein Strohhalm, mehr nicht. Von Widerstand der kantonalen Behörden, die letztlich die Spiele mit mehr als 1000 Zuschauern im Brügglifeld erlauben müssen, geht Bonorand zwar nicht aus. Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati hat kürzlich im AZ-Interview bestätigt, dass der Aargau als einer von sieben Kantonen für Lockerungen bei Grossanlässen ist. Doch der kantonale Goodwill ist begrenzt, denn bis Anfang September werden auf nationaler Ebene einheitliche Bewilligungsanforderungen für Grossanlässe erarbeitet. Dass diese strenger sein werden als wenn sie der Kanton Aargau in Eigenregie aufstellen würde, davon ist auszugehen.

Eine der Fragen, die Bonorand bewegt: Gilt das angekündigte Stehplatzverbot für die Super League auch in der zweithöchsten Liga, der Challenge League? Von den 8000 Plätzen im Brügglifeld sind lediglich 1187 bestuhlt, falls nur Sitzplätze erlaubt sein werden, müssen für die Stehrampen kreative Lösungen her. Die Errichtung von temporären Sitzplatz-Stahltribünen erscheint utopisch - Stichwort Einsprachen der Anwohnerschaft. Gartenstühle auf den Stehrampen? Sitzkissen? Vieles ist denkbar.

Andere mögliche Massnahmen hingegen wie die Maskenpflicht im ganzen Stadion, das Verbot von Gästefans oder kein Alkoholausschank seien gemäss Bonorand problemlos umzusetzen. Und auch mit dem Abstandsgebot sei das Brügglifeld zu rund 50 Prozent belegbar, also für 3000 bis 4000 Personen offen. Sollte letzteres ab 1. Oktober erlaubt sein, würde der FC Aarau punkto Matcheinnahmen dem Normalzustand wieder nahe kommen, rund 22 Prozent des Gesamtbudgets machen diese aus. Vergangene Saison pilgerten in den 12 Heimspielen vor Corona durchschnittlich 3307 Zuschauer ins Brügglifeld, die Zahl dürfte in der kommenden Spielzeit bis auf die erwähnten Ausnahmen in etwa gleich sein. Einzig bei Gastspielen von Zuschauermagnet GC und im Fall, dass der FCA im Frühling auf Aufstiegskurs liegt, müsste man wohl Zuschauer abweisen.

Ausarbeitung der nationalen Bewilligungsanforderungen für Grossanlässe bis Anfang September, Finalisierung des Schutzkonzeptes der Swiss Football League, dessen Umsetzung für das Brügglifeld und am Schluss die Absegnung durch den Kanton Aargau – erst dann weiss man, in welchem Rahmen der FCA ab Oktober seine Heimspiele austragen wird. Die kommenden Wochen bergen viele Unwägbarkeiten – doch immerhin sieht der FC Aarau nun Licht am Horizont.  

Meistgesehen

Artboard 1