Damit an der Leichtathletik-EM in Zürich alles reibungslos über die Bühne geht, wurden zahlreiche Helfer aufgeboten. Von den rund 290 Kampfrichtern stammen 14 aus dem Aargau. Zwei davon sind Monika Vifian aus Rothrist und ihr Sohn Marco aus Aarburg.

Einmalige Gelegenheit

«So etwas macht man nur einmal im Leben», freut sich Monika Vifian auf die erste EM in der Schweiz seit 60 Jahren. Mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit als Kampfrichterin will sie der Leichtathletik etwas zurückgeben. Früher war die 55-Jährige einer der besten 800-m-Läuferinnen der Schweiz. 13 Schweizer-Meistertitel hat die Rothristerin gewonnen. 20 Jahre hielt sie den Juniorenrekord über die zwei Bahnrunden – bis sie von Anita Weyermann abgelöst wurde. Heute ist Monika Vifian Vizepräsidentin im Aargauischen Leichtathletikverband und auch neben der EM regelmässig als Kampfrichterin im Einsatz. Sie weiss: «Ohne Kampfrichter geht es nicht.»

Von der Mutter rekrutiert

Marco Vifian wurde gewissermassen von seiner Mutter rekrutiert. Viel Überredungskunst war nicht vonnöten. «Der Aufwand hält sich im Rahmen», sagt der 27-jährige Versicherungs-Kaufmann, der für Zürich einen eintägigen Kurs absolvieren musste. Die Leichtathletik wurde ihm in die Wiege gelegt. Nicht nur die Mutter zählte zur Spitze, auch Vater Bernhard war einer der Schnellsten. Über 1500  m holte er Bronze an der Junioren-EM.

Im Weitsprung im Einsatz

In Zürich schauen Monika und Marco Vifian, dass beim Weitsprung alles mit rechten Dingen zugeht. Monika ist «Chief-Judge», so der offizielle Wortlaut. Sie sitzt beim Absprung und kontrolliert, ob die Athleten den Balken treffen. Wenn alles passt, hebt sie ein weissen Fähnchen, ansonsten das Rote. Sie ist die letzte Instanz, wenn es um gültig oder ungültig geht. Angst vor Fehlern hat sie keine, auch wenn die Zuschauer zu Hause am Bildschirm ihre Arbeit genau überprüfen können und ihr keine elektronischen Hilfsmittel zur Verfügung stehen. Sie verlässt sich auf den Abdruck in der plastischen Masse hinter dem Balken. Und dann heisst es: «Tatsachenentscheid.» Aus ihrer Erfahrung weiss Monika Vifian: «Frauen sind beim Weitsprung disziplinierter, halten sich genau an die Regeln und den Zeitablauf. Die Männer hingegen wollen immer ganz genau wissen, wie eng es beim Absprung war.»

Frauen sind disziplinierter

Um die Disziplin der Weitspringer kümmert sich in Zürich Marco Vifian. Seine Aufgabe: «Athletes Crossing.» Wenn Athleten mit ihren Trainern Rücksprache halten wollen, schaut er, dass es beim Überqueren der Bahn nicht zu Zusammenstossen kommt. Damit in Zürich alles reibungslos funktioniert, hat das 12-köpfige Team diverse Tests absolviert. So etwa an den Schweizer Meisterschaften in Frauenfeld oder zwei Tage vor dem EM-Start.

An vier Wettkampftagen werden Monika und Marco Vifian im Einsatz stehen. Vom Veranstalter wurden sie mit den offiziellen Tenues eingedeckt. Nach dem schleppenden Ticket-Vorverkauf hoffen beide, dass die Kampfrichter an ihren freien Tagen auf den freien Sitzen Platz nehmen dürfen, um selbst etwas Fanluft zu schnuppern. Ganz sicher werden sie aber am Männer-Marathon am Strassenrand stehen, um Viktor Röthlin und Co. anzufeuern. Dann dürfen auch die ansonsten neutralen Kampfrichter ungeniert applaudieren.