Lacrosse
Wettinger Power in der Schweizer Lacrosse-Nati

Gleich elf Spielerinnen des Wettinger Lacrosse-Teams vertreten die Schweiz an der WM in England. In Nordamerika können einige Spielerinnen von ihrem Sport leben, in der Schweiz ist das Utopisch. Ein Trainingsbesuch.

Martin Probst
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Wettingen Wild Lacrosse Training
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Den Platz müssen sie sich mit anderen Vereinen teilen.
Gleich 11 Spielerinnen des Wettinger Klubs spielen für die Schweizer Nati.
Lacrosse wird mit Körpereinsatz gespielt.
Auch Sprints sind oft vonnöten.
Man trägt einen Mundschutz.

Wettingen Wild Lacrosse Training

Severin Bigler

Als die Sonne langsam hinter den Häusern verschwindet, ist die Vorbereitung auf die WM zu Ende. Ein Jogger läuft die letzten Runden, ein paar Meter weiter geniessen die Büezer den Feierabend. Das Festzelt steht. Bald wird auch der Trainingsplatz zur Festwiese. «Unser Abschlusstraining findet darum nicht statt», sagt Laila Haller, Captain des Schweizer Lacrosse-Nationalteams.

Es ist die Realität in vielen Sportarten. Man teilt. In diesem Fall den Rasenplatz, auf dem die «Wettingen Wild» trainieren. Elf Frauen aus dem Team der Schweizer Meisterinnen reisen bald nach England an die WM. Zum ersten Mal in der Geschichte des Schweizer Lacrosse. «Zuvor werden wir am Wettiger Fäscht aber noch helfen», sagt Haller.

Die 31-Jährige ist seit den Anfängen dabei. Vor 10 Jahren wurde das Frauenteam in Wettingen gegründet. «Ich habe Lacrosse durch ein Kinderbuch kennen gelernt», erzählt Haller. «Als das Männerteam entstanden ist, habe ich mich sofort gemeldet und gesagt: ‹Lasst mich wissen, wenn es ein Frauenteam gibt. Ich bin dabei.›» Gut ein halbes Jahr später rannte sie erstmals mit anderen Frauen über den Rasenplatz.

Laila Haller ist Captain der Schweizer Nationalmannschaft.

Laila Haller ist Captain der Schweizer Nationalmannschaft.

Severin Bigler

Vom Eis auf den Rasen

Es war der Anfang ihrer Liebe für einen Sport, der vor allem in Nordamerika beliebt ist. Und in der Schweiz immer mehr Anhängerinnen findet. «Wir sind Quereinsteigerinnen aus anderen Sportarten», sagt Haller. Dies, weil es noch keine Teams für Juniorinnen gibt. In Wettingen ist nun eines im Aufbau. «Das wird das Niveau steigern», sagt Haller. Weil die schwierige Technik des Spiels früher gelernt werden kann.

Im aktuellen Team aber kommen die Frauen aus anderen Sportarten. Zum Beispiel vom Eishockey. Wie Julia Marty, die Haller als Co-Captain im Nationalteam zur Seite steht. «Mich fasziniert die taktische Komponente beim Lacrosse», sagt die 29-Jährige. «Und mich hat erstaunt, wie laufintensiv das Spiel ist.» Kollegin Salome Baumberger muss lachen und sagt: «Das ist typisch Hockey-Spielerin.» Nun lachen alle.

3500 Franken pro Spielerin

Der Teamgeist und die gute Stimmung sind beim Trainingsbesuch zu spüren. «Es ist unser Erfolgsrezept», sagt Rahel Vögeli, die wie alle Nati-Spielerinnen 3500 Franken selbst bezahlt, um sich den WM-Traum zu erfüllen. Zudem hat die Nati über die Crowdfunding-Plattform «ibelieveinyou.ch» bisher knapp 11 000 Franken gesammelt. Noch bis zum WM-Start kann man sich beteiligen.

Vom 12. bis 22. Juli wird im englischen Guildford gespielt. Die Nächte verbringt das Team auf dem Campus der dortigen Universität. In Einzelzimmern. Immerhin ein wenig Luxus für den hohen Preis. Wobei: «Eigentlich würden wir viel lieber im Doppelzimmer schlafen», sagt Baumberger. Teamgeist eben. Ihre Kolleginnen nicken. Und was ist zu erwarten von den Schweizerinnen? «Ein Ziel haben wir uns nicht gesetzt», sagt Haller. «Jede Klassierung in den Top 20 wäre schon ein riesiger Erfolg.»

Nach zwei intensiven Stunden ist das letzte Training vor der Abreise nach England zu Ende. Die Spielerinnen tragen die Tore vom Feld und machen Platz für die Festzelte, die hier bald stehen. Lacrosse ist in der Schweiz ein Nischenprodukt. Andernorts ist dies anders. Die WM in England wird von der «BBC» live übertragen. An den Spielen werden sehr viele Zuschauer erwartet. Und in Nordamerika können einige Spielerinnen von ihrem Sport leben. Die Frauen von «Wettingen Wild» hingegen haben nicht einmal ein Abschlusstraining. «Kein Problem», sagt Haller. «Es stimmt für uns, wie es ist.» Man glaubt es ihr.