Krise
Weshalb für EHCO-Trainer Fredrik Söderström aufgeben keine Option ist

EHC-Olten-Trainer Fredrik Söderström nimmt die Kritik an den Leistungen der Mannschaft zu Kenntnis, gibt sich aber kämpferisch. Gegen Ajoie sind die Powermäuse am Samstagabend klarer Aussenseiter. Kein Grund für den Schweden, nicht Geld auf seine Mannschaft zu setzen.

Marcel Kuchta
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EHCO-Trainer Fredrik Söderström zeigt sich kämpferisch.

EHCO-Trainer Fredrik Söderström zeigt sich kämpferisch.

Freshfocus

Im Training am Freitag-Vormittag wird konzentriert gearbeitet. Headcoach Fredrik Söderström und Assistent Marc Grieder geben Anweisungen. Das Powerplay wird intensiv geübt. Zum Schluss gibt’s noch ein intensives «Mätchli» auf einem Mini-Spielfeld. Die siegreiche Mannschaft freut sich johlend. Die Stimmung beim EHCO ist trotz der zuletzt ernüchternden Auftritte gut – zumindest von aussen betrachtet. Fredrik Söderström sagt: «Ich sehe gute Signale innerhalb der Mannschaft. Sie lebt!» Dass die Trainerdiskussion in Olten mal wieder in vollem Gange ist, nimmt er zur Kenntnis. Ebenso die Kritik. Und er äussert sich zu Stichworten.

Selbstvertrauen

«Wir hatten in Visp 15 gute Torchancen. An einem guten Tag machen wir aus diesen fünf Tore. Aber wenn man an dem Punkt steht, wo wir momentan sind, dann ist das nicht so einfach. Man beginnt zu stark zu überlegen. Unser grösstes Problem ist ganz klar das fehlende Selbstvertrauen. Wir glauben nicht an unsere Fähigkeiten.»

Kritik an den Spielern

«Wenn man verliert, dann braucht man als Trainer viel Fingerspitzengefühl. Es ist einfach, einen Spieler zu kritisieren, wenn es nicht läuft. Aber es ist falsch und nicht zielführend. Wenn ein Spieler am Boden ist, hat man als Trainer zwei Möglichkeiten: Man drückt ihn noch weiter runter, oder man reicht ihm die Hand und hilft ihm. Man muss jedoch ehrlich mit ihm sein und die Fehler ansprechen. Das tut manchmal weh. Und damit können nicht alle gleich gut umgehen."

Fehler

«Wir gehen mit Ambitionen ins Spiel, aber die Qualität reicht momentan nicht. Gegen Visp kassieren wir das erste Gegentor nach einem Fehler, der so nicht passieren darf. Es ist schwierig, so etwas zu erklären. Wir haben viele Spieler in der Mannschaft, die nicht annähernd auf dem Niveau agieren, das sie eigentlich hätten. Da muss mehr kommen.»

Frust

«Je mehr man verliert und je öfter man die Ziele nicht erreicht, die man sich setzt, umso frus­trierter und enttäuschter wird man. Es gibt in der Gruppe ein schlechtes Gefühl. Das ist schmerzhaft. Aber ich hoffe, wir werden im weiteren Verlauf der Saison dafür belohnt, dass wir uns jetzt im Schlamassel befinden.»

Druck

«Ich war schon ein paarmal während meiner Trainerkarriere in schwierigen Situationen. In Oskarshamn haben wir einst zehn Spiele in Serie verloren. Im Vergleich dazu ist unsere aktuelle Lage geradezu angenehm. Wenn man Probleme hat, dann kann man aufgeben, sich verstecken, abhauen – oder kämpfen. Wenn man als Trainer in so einer Situation Angst hat, dann spüren das die Spieler sofort. Sie fühlen den Stress. Dann hat man verloren, dann ist man weg vom Fenster. Aber ich liebe am Trainer-Dasein genau diese Herausforderungen.»

Selbstkritik

«Die Leute werfen mir und Marc Fehler vor. Das gehört zu meinem Job. Ich bin verantwortlich für unsere Lage. Und dafür verdiene ich auch Kritik. Ich kenne natürlich auch das Sport-Business. Die einfachste Lösung ist immer, den Coach in die Wüste zu schicken. Wenn der Tag hier in Olten kommen sollte, dann bin ich der Erste, der es akzeptieren würde. Das sind nun mal die Regeln. Das darf mich aber nicht beeinflussen. Im Gegenteil: Das Trainerteam und die Spieler müssen doch allen Kritikern beweisen wollen, dass sie nicht recht haben. Es bringt nichts, wenn wir uns in Selbstmitleid suhlen. Ich investiere so viel wie noch nie in diesen Job. Und wenn das nicht reicht, dann muss ich das akzeptieren. Dann gehe ich nach Schweden zurück, wo ich ein Haus besitze und wo meine Familie lebt. Aber das will ich nicht!»

Ausgerechnet gegen Ajoie

Man könnte sich aus Sicht des EHC Olten wahrlich einen angenehmeren Gegner vorstellen als den HC Ajoie (Sa, 17.30). Mitten in der Krise ausgerechnet gegen eines der Topteams der Swiss League antreten? Das sind keine sonderlich ermutigenden Perspektiven. Fredrik Söderström hat da freilich eine etwas andere Optik. Der EHCO-Headcoach sagt: «Ich bin froh, können wir gegen ein starkes Team wie Ajoie spielen. Auf einen Sieg von uns setzt aktuell kaum jemand Geld. Aber ich würde es tun.» Im ersten Aufeinandertreffen gegen die Jurassier setzte es für die Oltner im Oktober eine 5:8-Heimniederlage. Dies kurioserweise nach einer der besten Leistungen in der laufenden Saison.

Gegen Ajoie wird der EHCO mit nur sechs Verteidigern antreten können. Neben dem verletzten Nico Gurtner macht Cédric Maurer zwar der Rücken zu schaffen, aber dürfte trotzdem einsatzfähig sein. Im Gegensatz zu Jens Nater, der in Visp von einem Puck am Ohr getroffen wurde und die Wunde mit zehn Stichen nähen lassen musste. Ebenfalls verletzt hat sich gegen Visp Cyril Oehen, womit der zuletzt überzählige Kent Daneel wieder aufs Matchblatt kommen wird. Wer im Tor steht, ist noch offen. (ku)